Rekordvergütung Wie motiviert man einen Chef? Am besten mit 1 Milliarde Dollar im Jahr

Wenn ein Unternehmen 17 Jahre lang keine Gewinne schreibt, braucht es einen Chef mit hoher Motivation und festem Glauben an die Zukunft des Konzerns. Ein Jahreseinkommen in Milliardenhöhe soll Palantir-Chef Alex Karp motivieren. Karp ist mit 1,1 Milliarden Dollar nicht einmal Topverdiener.
Zehnstellig motiviert: Palantir-Chef Alex Karp strich 2020 1,1 Milliarden Dollar ein

Zehnstellig motiviert: Palantir-Chef Alex Karp strich 2020 1,1 Milliarden Dollar ein

Foto: Thibault Camus / AP

Um Mitarbeiter langfristig zu motivieren, lassen sich Unternehmen derzeit einiges einfallen: Neben einer Gehaltserhöhung können auch Goodies wie ein Dienstfahrrad, ein bequemer Stuhl fürs Homeoffice oder flexiblere Arbeitszeiten dabei helfen, die Beschäftigten an Bord zu halten.

Was aber, wenn es um Unternehmenschefs geht, die praktisch rund um die Uhr für die Firma im Einsatz sein sollen? Die mit ihrer Vision und Überzeugungskraft tausende Mitarbeiter und Investoren davon überzeugen sollen, dass es sich lohnt, genau diesem Unternehmen die Treue zu halten? Dann muss schon etwas mehr her als ein rückenschonender Bürostuhl. Und die umstrittene Daten-Analysefirma Palantir  hat in Sachen Chef-Motivation ein Zeichen gesetzt.

Zahltage für Palantir-Chef Karp ab August

Rund 1,1 Milliarden Dollar ist das Vergütungspaket wert, das Palantir-Chef Alexander Karp (53) für das Jahr 2020 eingestrichen hat. Laut einem Bericht des "Wall Street Journal"  entfallen rund 800 Millionen Dollar auf Aktienoptionen sowie knapp 300 Millionen Dollar auf Aktien-Anwartschaften, die erst nach einem bestimmten Zeitraum zugeteilt werden. Das in Cash gezahlte Jahresgehalt an Karp, der nicht nur Palantir-CEO, sondern auch Co-Gründer des 2004 gegründeten Unternehmens ist, fällt demgegenüber mit 1,1 Millionen Dollar geradezu winzig aus. Ab August beginnen - auch mit Zustimmung des deutschstämmigen Mitgründers Peter Thiel  - die Zahltage für Karp: Dann werden pro Quartal 2,5 Prozent der Optionen und Anwartschaften über einen Zeitraum von 10 Jahren an ihn ausgezahlt.

Die Datensammel- und -analysefirma Palantir zählt zu den umstrittensten Firmen in den USA  und hat seit ihrer Gründung vor 17 Jahren noch keine Gewinne geschrieben. Die Bewertung der Firma, die im September 2020 per Direktplatzierung an die Börse ging, beträgt dennoch rund sagenhafte 50 Milliarden Dollar. Gegenüber dem im September festgelegten Referenzpreis von 7,25 US-Dollar hat sich der Aktienkurs (siehe Chart ) inzwischen mehr als verdreifacht – und das, obwohl Palantir im Börsenprospekt explizit darauf hingewiesen hatte, zunächst eher mit steigenden Kosten als mit Profiten zu rechnen.

Bei solch einem Hype um ein Unternehmen braucht es einen Chef mit Strahlkraft, der die Phantasie der Investoren am Leben hält – koste es, was es wolle.

Führungskräfte langfristig motivieren

Karps Jahresvergütung von 1,1 Milliarden Dollar rechtfertigt Palantir in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht damit, dass die Vergütung dem Ziel diene, den Chef an Bord zu halten. Außerdem sei die an Aktien gebundene Vergütung ein Mittel, den Chef zu motivieren, den Wert des Unternehmens auch in den kommenden Jahren weiter zu steigern. Ähnlich argumentiert auch der Essenslieferdienst und Börsenneuling Doordash, der seinem Chef Tony Xu für das Jahr 2020 eine Vergütung in Höhe von rund 400 Millionen Dollar gönnte – auch diese überwiegend in Aktienoptionen. Im Gegensatz zu Doordash ist die Vergütung von Palantir-Chef Karp nicht daran gebunden, dass die Aktie ein bestimmtes Kursziel erreicht. Einzige Voraussetzung war lediglich der erfolgreiche Börsengang im September.

Karp ist Topverdiener 2020 – doch im Gesamtvergleich nur Dritter

Alex Karp ist mit seinem zehnstelligen Jahreseinkommen nicht einmal der Topverdiener unter den US-CEOs. Einsamer Spitzenreiter ist bislang weiterhin Tesla-Chef Elon Musk (50), der für das Jahr 2018 ein Vergütungspaket im Wert von 2,25 Milliarden Dollar einstrich. Musks Rekordpaket ist ebenfalls an die Entwicklung der Aktie sowie an das Erreichen bestimmter Jahresziele gebunden. An zweiter Stelle zwischen Musk und Karp rangiert Blackstone-CEO Stephen Schwarzman (74), der für das Jahr 2008 rund 1,3 Milliarden Dollar Vergütung kassierte. Das Spitzentrio Karp, Schwarzman und Musk hebt sich deutlich vom Durchschnitt ab: Im Schnitt verdiente der Chef eines im S&P 500 Index notierten Unternehmens im Jahr 2020 rund 13,4 Millionen Dollar.

Der Chef der US-Investmentgesellschaft Blackstone sollte aber aus mehreren Gründen kein Vorbild für Alex Karp sein: Wenige Monate nach dem Zahltag für Schwarzman begann die weltweite Finanzkrise.

la
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