Autoriese legt Rekordzahlen vor Carlos Tavares geht mit Stellantis auf Rendite-Rallye

Fusionen können funktionieren und Mehrwert schaffen - auch für die Aktionäre. Das demonstriert Stellantis-Chef Carlos Tavares mit der ersten Bilanz ein Jahr nach der Fusion zum viertgrößten Autobauer.
Hartes Kostenregime: Stellantis-Chef Carlos Tavares hat im vergangenen Jahr die operative Rendite des Massenherstellers auf beachtliche 11,8 Prozent geschraubt

Hartes Kostenregime: Stellantis-Chef Carlos Tavares hat im vergangenen Jahr die operative Rendite des Massenherstellers auf beachtliche 11,8 Prozent geschraubt

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Erst sanierte Carlos Tavares (63) Peugeot und Citroën, dann Opel und fusionierte schließlich die PSA-Gruppe mit Fiat Chryler zu Stellantis. Gerade mal ein Jahr nach dieser Fusion hat der Portugiese den Reingewinn des Konglomerats auf 13,4 Milliarden Euro fast verdreifacht. Der Konzernumsatz von Stellantis kletterte um 14 Prozent auf 152 Milliarden Euro, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

Die bereinigte operative Marge kletterte auf 11,8 Prozent, was ein für einen Massenhersteller sehr hoher Wert ist und über dem liegt, was das Management in Aussicht gestellt hatte. Zum Vergleich: Volkswagen lag zuletzt mit der Volumenmarke VW bei 5 Prozent. In Nordamerika, wo Stellantis mit Pick-ups und Geländewagen der Marken Jeep, Dodge und Ram stark vertreten ist, stand eine Rekordrendite von 16,3 Prozent zu Buche. Die hohe Marge geht auf Tavares' hartes Kosten-Regime zurück, das er bei auch bei Stellantis verfolgt. Vor der Fusion, die am 17. Januar 2021 in Kraft trat, lag das Ergebnis für die getrennten Unternehmen im Jahr 2020 etwa bei einem Drittel dessen, was Tavares nun mit Stellantis erreicht hat.

"Die heutigen Rekordergebnisse beweisen, dass Stellantis gut positioniert ist, um selbst in den unsichersten Marktumgebungen eine starke Leistung zu liefern"

Stellantis-Chef Carlos Tavares

"Die heutigen Rekordergebnisse beweisen, dass Stellantis gut positioniert ist, um selbst in den unsichersten Marktumgebungen eine starke Leistung zu liefern", sagte Tavares. Die Folgen des Chipmangels, der den Konzern im vergangenen Jahr etwa ein Fünftel der geplanten Produktion kostete, machte Stellantis - wie andere Autobauer auch - durch den Verkauf gewinnträchtiger Fahrzeuge wett. Die Kostenvorteile aus dem Zusammenschluss zum weltweit viertgrößten Autokonzern gab Stellantis mit 3,2 Milliarden Euro an. Anleger griffen nach der Veröffentlichung der Zahlen zu, die Stellantis-Aktie legte fast 5 Prozent zu.

Dividende steigt um 70 Prozent

An dem Erfolg will der Konzern unter seinem Kostenkiller Tavares die Aktionäre beteiligen: An sie sollen 3,3 Milliarden Euro ausgeschüttet werden, was einer Dividende von 1,05 Euro je Aktie entspricht. Auch die weltweit rund 300.000 Mitarbeiter profitieren. An sie schüttet Stellantis insgesamt 1,9 Milliarden Euro aus, 70 Prozent mehr als die kumulierten Zahlungen der Vorgängergesellschaften.

Im laufenden Jahr rechnet der Mehr-Markenkonzern mit einer zweistelligen operativen Rendite. Hohe Rohstoffkosten dürften die Branche weiter belasten, schätzte Finanzchef Richard Palmer. Gravierende Folgen der Sanktionen gegen Russland für das eigene Geschäft sehe er jedoch nicht. "Wir sind zuversichtlich, dass wir die Russland-Krise bewältigen können."

Trotz der Chipengpässe hat der Opel-Mutterkonzern Stellantis 2021 die eigenen Ziele für die Profitabilität übertroffen. Zwar bleiben der Mangel an Chips und hohe Kosten für Rohstoffe ein Thema, so Finanzvorstand Palmer. Besonders auf dem US-Markt sieht der Konzern aber noch Potenzial.

rei/Reuters, DPA, AP