Textildynastie löst sich auf C&A zieht sich auch aus China zurück

Der einst stolze Textilhändler schrumpft sein Reich. Nach Mexiko und Brasilien verkauft C&A auch sein China-Geschäft. Zudem stößt die Familie Brenninkmeijers zahlreiche Immobilienobjekte ab. Der Konzern wird filetiert.
C&A verkauft das China-Geschäft

C&A verkauft das China-Geschäft

Foto: C&A

Der Bekleidungshändler C&A verkauft sein China-Geschäft an die in Peking ansässige Private-Equity-Firma Zhongke Tongrong. Das meldete das Unternehmen am Donnerstag . Zum Verkaufspreis machte der Konzern keine Angaben. Mit dem Schritt veräußert die Familie Brenninkmeijer auch die letzte Bastion ihres einst ruhmreichen Konzerns außerhalb Europas.

Ende vergangenen Jahres hatte C&A das Geschäft in Brasilien an die Börse gebracht, im Frühjahr dieses Jahres erfolgte der Verkauf in Mexiko. "Wie Brasilien und Mexiko haben wir China immer als wichtigen Wachstumsmarkt für C&A gesehen", sagt Aufsichtsratschef Allan Leighton (67) in einer Mitteilung. "Wir haben jedoch früh verstanden, dass lokales Know-how mit einem starken Netzwerk entscheidend ist, um das volle Potenzial von C&A in diesem riesigen und komplexen Markt auszuschöpfen."

Seit dem Start in China 2007 sind die Brenninkmeijers kaum vorangekommen. Zuletzt sank die Zahl der Filialen um 18 auf 66. Nun bleibt C&A nur noch die Keimzelle: das Europageschäft. Dafür hat der Konzern gerade erst eine neue Chefin  engagiert, die frühere Ikea-Managerin Giny Boer. Auf die erste Frau an der Spitze des 1841 gegründeten Unternehmens, die sich ab September einarbeiten und zum Jahreswechsel das Kommando übernehmen soll, wartet eine Herkulesaufgabe.

Bevor der heutige Clanboss Martijn Brenninkmeijer (49) 2014 als Europa-Chef ausschied, hatte er mit seiner Agenda 2020 noch einen Umsatz von neun Milliarden Euro angepeilt, heute kommt C&A auf 5,5 Milliarden Euro. In Deutschland, dem mit Abstand wichtigsten Markt, sind die Erlöse seit 1991 von 8,4 Milliarden Deutsche Mark auf 2,3 Milliarden Euro abgesackt, das Ergebnis bewegt sich wie ein Jo-Jo zwischen Gewinn und Verlust. Infolge der Corona-Pandemie ist der Umsatz im zweistelligen Prozentbereich weggebrochen. Das Filialnetz steht vor harten Einschnitten.

Die Brenninkmeijers, die offenbar den Glauben an ihr einstiges Kerngeschäft verloren haben, verkaufen zudem über ihre Immobilienfirma Redevco zahlreiche Objekte, in denen der Clan C&A-Filialen betreibt, um das Risiko zu reduzieren. 2018 sickerten erstmals Pläne durch, den gesamten Konzern zu veräußern. Bisher fand sich jedoch kein Käufer. Also wird C&A filetiert und häppchenweise losgeschlagen. Die Brenninkmeijers hingegen legen ihr Geld über die im Schweizerischen Zug residierende Cofra Holding inzwischen lieber in Immobilien und Firmenbeteiligungen an.

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