Bundesliga erwägt Einstieg von Investoren Bayern München droht der TV-Geld-Knick

Die Einnahmen der Bundesliga aus TV-Rechten brechen dramatisch ein - und selbst der FC Bayern München fürchtet um seinen Großteil. Die Liga hat konkrete Angebote von Finanzinvestoren.
Global Player: Auch die Bayern-Spieler Leon Goretzka, Douglas Costa, Thomas Müller und Leroy Sane bringen nicht mehr das ganz große Geld ein

Global Player: Auch die Bayern-Spieler Leon Goretzka, Douglas Costa, Thomas Müller und Leroy Sane bringen nicht mehr das ganz große Geld ein

Foto: Tom Weller / dpa

Bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga geht es in einer Woche um mehrere Milliarden Euro. Auf der Tagesordnung steht neben der zuletzt heftig umstrittenen Verteilung des TV-Geldes auch ein anderer finanziell wichtiger Punkt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur will DFL-Boss Christian Seifert (51) über Gespräche mit Finanzinvestoren berichten. Dabei geht es um den Verkauf von Anteilen an der DFL-Tochtergesellschaft Bundesliga International GmbH.

Die Bundesliga benötigt neue Einnahmequellen, denn ab der kommenden Saison gibt es weniger Geld aus der Vermarktung der Medienrechte zu verteilen. Daher hatte das DFL-Präsidium Ende Oktober "erstmals über Investorenangebote für eine Tochtergesellschaft der DFL GmbH beraten", wie es bei der Liga hieß. "Um diesbezügliche Optionen vor allem unter strategischen Gesichtspunkten bestmöglich prüfen und bewerten zu können, wird die DFL Informationsgespräche mit an Minderheitsanteilen interessierten Unternehmen aus dem Bereich 'Private Equity' vorbereiten."

Das ist nach dpa-Informationen inzwischen geschehen, Seifert hat verschiedene Optionen geprüft und will einen Tag nach der DFL-Präsidiumssitzung am Sonntag alle Clubvertreter informieren. Nach Angaben der Agentur Bloomberg gibt es mit Advent International und BC Partners ernsthafte Interessenten.

Die italienische Serie A ist schon weiter. Sie hat den Weg für den Verkauf eines 10-Prozent-Anteils an der Gesellschaft für ihre Medienrechte frei gemacht und erhält dafür 1,7 Milliarden Euro. Der entscheidende Unterschied zum Bundesligamodell ist jedoch, dass es in Italien um alle Medienrechte geht. Die DFL prüft hingegen nur den Verkauf von Anteilen an der internationalen Vermarktung, die unter der Corona-Pandemie gerade besonders leidet. Nach Angaben des "Kicker" gibt es für die laufende Saison aus diesem Topf lediglich 179 Millionen Euro statt der ursprünglich geplanten 250 Millionen.

Ein Sechstel der globalen TV-Erlöse landet bei Bayern München

Serien-Meister Bayern München kassiert demnach aus den internationalen Rechten mit 31,1 Millionen Euro den größten Anteil, während Arminia Bielefeld und der 1. FC Union Berlin jeweils nur 2,38 Millionen Euro erhalten und die gesamte 2. Bundesliga sich 8,01 Millionen Euro teilen muss. Diese Verteilung sorgt gerade bei kleineren Clubs für Ärger.

Insgesamt werden laut "Kicker" in dieser Saison 1,448 Milliarden Euro aus nationaler und internationaler Vermarktung an die 36 Vereine ausgeschüttet. Davon erhalten die Bayern 105,4 Millionen Euro. Auf den Plätzen zwei und drei der Rangliste folgen demnach Borussia Dortmund (94,95 Millionen) und Bayer Leverkusen (88,07 Millionen).

In der kommenden Saison gibt es noch weniger zu verteilen, wie der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge (65) zuletzt beim sogenannten G15-Gipfel sagte: "Wir werden national geschätzt wohl etwa 200 Millionen Euro weniger TV-Einnahmen und auch etwa knapp 100 Millionen Euro weniger internationale TV-Einnahmen haben."

Die DFL wollte sich zu diesen Zahlen nicht äußern. Seifert hatte aber bereits erklärt, dass von den 4,4 Milliarden Euro aus den neuen Vierjahresverträgen für den deutschen Medienmarkt in der nächsten Spielzeit nur knapp über eine Milliarde zur Verteilung bereitsteht. Da kommt ein "großes Interesse von Investoren an der DFL und ihren Geschäftsfeldern", wie Seifert es im "Handelsblatt" nannte, gerade recht. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf von maximal 30 Prozent der Anteile an Bundesliga International könnten auch Investitionen in ein ehrgeiziges Projekt getätigt werden: Es gibt die Idee einer App, mit der die deutsche Liga in einigen Märkten die bewegten Bilder direkt vermarkten könnte.

Andere Profiligen bangen um Staatshilfe

Im Vergleich zu anderen Profiligen stehen Erste und Zweite Bundesliga komfortabel da. Die übrigen hängen am Tropf des Staats - und stehen nun vor der Frage, ob die Zufuhr im kommenden Jahr versiegt.

Zwar will der Bund die deutschen Profiligen auch 2021 mit 200 Millionen Euro unterstützen, doch womöglich kommt das Geld gar nicht an. Laut EU-Recht nämlich soll jeder Klub angeblich nur einmal die maximal 800.000 Euro Unterstützung erhalten können. Damit kämen viele Vereine im Basketball, Handball und Eishockey für eine Förderung in 2021 nicht mehr infrage.

ak/dpa-afx, sid
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