Bundesbank rechnet ab 2021 mit mehr als 6000 Insolvenzen pro Quartal Banken müssen sich für Pleitewelle wappnen

Banken und Sparkassen haben in der Corona-Krise bislang ihre Aufgabe erfüllt, die Kreditvergabe läuft. Doch der Härtetest steht dem Finanzsystem noch bevor - die Bundesbank appelliert an die Geldhäuser, trotz steigender Insolvenzen weiter Kredite zu vergeben.
Bankenviertel in Frankfurt am Main: Die Banken sollen ihre Kapitalpuffer in der Krise nutzen und weiter Kredite vergeben, mahnt die Bundesbank

Bankenviertel in Frankfurt am Main: Die Banken sollen ihre Kapitalpuffer in der Krise nutzen und weiter Kredite vergeben, mahnt die Bundesbank

Foto: DPA

Die Banken in Deutschland müssen sich in der Corona-Pandemie auf eine Welle von Firmenpleiten und steigende Kreditausfälle einstellen. "Im gesamten Unternehmenssektor könnten die Insolvenzen in den ersten Monaten des Jahres 2021 auf über 6000 pro Quartal steigen", warnte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch (54) am Dienstag bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts 2020. Das wäre ein Anstieg um mehr als 35 Prozent, aber weniger als in der globalen Finanzkrise, als etwa 8000 Unternehmen pro Quartal pleitegingen. Bislang ist die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen als Hilfsmaßnahme gegen die Folgen der Pandemie seit dem 1. März ausgesetzt - daher gibt es noch keine steigenden Insolvenzzahlen aus den vergangenen zwei Quartalen.

Die Kreditausfälle dürften sich Anfang 2021 auf 0,8 Prozent des Kreditbestands vervierfachen, die Belastungen auf rund 13 Milliarden Euro summieren, sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Dieses Szenario sei für die Kreditinstitute verkraftbar. Ein deutlich stärkerer Anstieg der Insolvenzen sei aber nicht ausgeschlossen.

Wie stark die Krise einzelne Banken trifft, hängt von deren jeweiligen Kreditportfolio ab. "Es können schon bei dem ein oder anderen Institut gravierende Schäden entstehen", sagte Wuermeling. Zudem erhöht die Corona-Pandemie den Druck auf die chronisch ertragsschwachen deutschen Geldhäuser, die seit Jahren unter den niedrigen Zinsen und dem harten Wettbewerb leiden. "Es ist unschön, wenn bei stotterndem Motor auch noch ein Reifen platzt", sagte Wuermeling. Nach der Krise müsse Deutschland zu einem wirklich nachhaltigen Bankensystem kommen. "Dazu sind weitaus größere Anstrengungen erforderlich."

Geldschleusen offen halten - trotz steigender Zahl von Firmenpleiten

Die zu Ausbruch der Krise befürchtete Kreditklemme ist bislang ausgeblieben. "Das deutsche Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen. Bislang hat es in der Corona-Pandemie seine zentralen Funktionen erfüllt", sagte Buch. Die Banken sollten die im Frühjahr von den Aufsehern gewährten Erleichterungen verwenden, um die Geldschleusen trotz wachsender Kreditausfälle offenzuhalten. "Banken sollten ihre Kapitalpuffer nutzen, um Verluste aufzufangen und die Wirtschaft weiter angemessen mit Krediten zu versorgen", forderte Buch. "Sie sollten gleichzeitig die Ausschüttung von Gewinnen begrenzen."

Auch wenn das Finanzsystem die Auswirkungen der Corona-Pandemie bisher gut verkraftet hat, dürften die bestehenden Verwundbarkeiten mittelfristig zunehmen, warnte Buch. Die weiterhin niedrigen Zinsen könnten dazu führen, dass Marktteilnehmer auf der Suche nach Rendite höhere Risiken eingingen. "Diesen Aufbau von Risiken müssen wir weiter im Blick behalten", sagte sie. "Die in der Krise temporär genutzte aufsichtliche Flexibilität bedeutet nicht, dass die Anforderungen an die Widerstandskraft des Finanzsystems dauerhaft sinken."

la/reuters/dpa
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