Zur Ausgabe
Artikel 10 / 50
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Aufsteiger Buchmacher baff

Außenseiter im Bertelsmann-Vorstand
Von Klaus Boldt
aus manager magazin 6/2008

Leichte Kopflosigkeit und ein schönes Entsetzen machten sich breit in New York, als der Abschied von Peter Olson (58) bekannt wurde (siehe mm 4/08), der als Chef von Random House (RH), der weltgrößten Buchverlagsgruppe, eine der mächtigsten Figuren des internationalen Kultur- und Feuilletonbetriebs ist. Die Aufregung legte sich nicht, als der RH-Eigner Bertelsmann aus "Guders Low" den Nachfolger Olsons bekannt gab: Markus Dohle (39), derzeit noch wohnhaft in Herzebrock, eben bei Gütersloh. Dohle ist zwar ein allgemein anerkanntes Wunder an Tatkraft und Innovationsfreude. Allerdings verfügt er nicht über jene Mittel, mit denen er darüber hinwegtäuschen könnte, dass er von der Welt der Autoren, Agenten und Verleger nicht allzu tiefe Kenntnisse besitzt: Er leitete bisher die Drucksparte des Konzerns, und zwar derart erfolgreich, dass er nur schwer zu ersetzen sein wird.

Als sich Dohle, der auch Olsons Platz im Konzernvorstand einnimmt, am 19. Mai den Führungskräften in der RH-Zentrale am Broadway vorstellte, war der Empfang recht kühl. Was den Wirtschaftsingenieur und "publishing outsider" ("New York Times") für diesen Posten qualifiziert (oder geeigneter erscheinen ließ als Jörg Pfuhl oder Gail Rebuck, die sich als Leiter der deutschen beziehungsweise britischen RH-Filialen Hoffnungen gemacht hatten), wird sich bald herausfinden lassen.

Olson, der als Anwalt und Banker selbst aus der Fachfremde kam und im Sommer eine Professur in Harvard antreten will, hatte zuletzt sinkende Einnahmen (1,84 Milliarden Euro) und Gewinne (173 Millionen Euro) melden müssen. Trotz aller Skepsis gilt Dohle weithin als exzellente Wahl. Er soll ein famoser Verkäufer sein und auch recht angenehm im Umgang. Klaus Boldt

Zur Ausgabe
Artikel 10 / 50
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel