Banker mit Vergangenheit Boris Collardi verlässt Schweizer Bank Pictet

Boris Collardi war Chef von Julius Bär, als es dort Probleme mit Geldwäsche gab, und wechselte dann zu Pictet. Jetzt verlässt Collardi die Privatbank - offenbar eilig und ohne Angabe von Gründen.
Boris Collardi

Boris Collardi

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Der Schweizer Vermögensverwalter Pictet verliert einen prominenten Teilhaber. Boris Collardi (47) habe "nach sorgfältiger Überlegung und in Absprache mit dem Teilhabergremium" entschieden, von seiner Funktion zurückzutreten und das Unternehmen Anfang September zu verlassen, wie das Genfer Traditionshaus am Mittwoch mitteilte. Der ehemalige Chef von Julius Bär war vergangenes Jahr von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma) wegen Versäumnissen der Zürcher Privatbank bei der Bekämpfung von Geldwäsche während seiner Zeit dort gerügt worden. Pictet hatte sich damals hinter Collardi gestellt, der Mitte 2018 zu dem Institut gestoßen war.

Einen Grund für Collardis Ausscheiden nannte Pictet nicht. Dass man als Teilhaber die Bank verlässt, gilt in der Branche als bemerkenswert. Ein Sprecher des Managers sagte, Collardis Schritt stehe in keinem Zusammenhang mit der Verwarnung der Finma. "Er hat sich nach fast 30 Jahren im Private Banking, davon 20 Jahre in leitenden Funktionen, entschieden, seine eigenen Projekte in anderen Sektoren zu verfolgen."

Pictet hat den Gewinn im ersten Halbjahr auf 636 Millionen Franken mehr als verdoppelt - auch dank eines außerordentlichen Erlöses aus dem Verkauf des Firmensitzes in Genf. Diesen herausgerechnet stieg das Nettoergebnis gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 45 Prozent auf 464 Millionen Franken. Der Bank zufolge ist es das beste Halbjahresergebnis in der Firmengeschichte. Kunden hätten dem Institut Netto-Neugelder in Rekordhöhe anvertraut. Die verwalteten oder verwahrten Vermögen stiegen per Ende Juni auf 690 Milliarden Franken von 609 Milliarden Ende 2020.

cr/Reuters