Börsenbarometer 4/2005 Ackermann ist kein Vorbild

Kaum ein Topmanager löst so starke Reaktionen aus wie Josef Ackermann. Im Börsenbarometer, mit dem manager magazin regelmäßig die Stimmung deutscher Anleger auslotet, wird der Deutsche-Bank-Chef einerseits für seine rigide Kostenpolitik belohnt. Andererseits stoßen die von ihm geplanten Massenentlassungen auf heftige Kritik.
Von Matthias Kaufmann und Ulric Papendick

Hamburg - Die Ankündigung von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, trotz eines Milliardengewinns weitere Arbeitsplätze im Konzern abzubauen, stößt bei deutschen Aktionären auf Ablehnung. Drei von vier Privatanlegern sind der Ansicht, Ackermann missachte die Vorbildfunktion des Kreditinstituts und schmälere zugleich die langfristigen Wachstumsaussichten - nur ein Fünftel der Anleger hält Ackermanns Entlassungsvorhaben für richtig.

Platz 1: Wendelin Wiedeking trauen 72 Prozent der Befragten zu, den Kurs von Porsche weiter in die Höhe zu treiben.

Platz 1: Wendelin Wiedeking trauen 72 Prozent der Befragten zu, den Kurs von Porsche weiter in die Höhe zu treiben.

Foto: DPA
Platz 2: Günther Fielmann genießt das Vertrauen von 66 Prozent der Befragten. Im Vergleich zum vorigen Börsenbarometer vom November 2004 rückte er im Ranking um zwei Plätze vor.

Platz 2: Günther Fielmann genießt das Vertrauen von 66 Prozent der Befragten. Im Vergleich zum vorigen Börsenbarometer vom November 2004 rückte er im Ranking um zwei Plätze vor.

Foto: DDP
Platz 3: BMW-Chef Helmut Panke schlägt sich prächtig. 63 Prozent der Anleger vertrauen auf sein Management. Dennoch ist er im Ranking um einen Platz zurückgefallen.

Platz 3: BMW-Chef Helmut Panke schlägt sich prächtig. 63 Prozent der Anleger vertrauen auf sein Management. Dennoch ist er im Ranking um einen Platz zurückgefallen.

Foto: DPA
Drittletzter Platz: Bernd Pischetsrieder hat noch viel vor sich, um Volkswagen in Fahrt zu bringen. Nur 42 Prozent der befragten Anleger glauben, dass er das schaffen kann. Immerhin hat er sich damit im Vergleich zur November-Befragung um zwei Plätze nach vorne gearbeitet.

Drittletzter Platz: Bernd Pischetsrieder hat noch viel vor sich, um Volkswagen in Fahrt zu bringen. Nur 42 Prozent der befragten Anleger glauben, dass er das schaffen kann. Immerhin hat er sich damit im Vergleich zur November-Befragung um zwei Plätze nach vorne gearbeitet.

Foto: DDP
Vorletzter Platz: Werner G. Seifert wollte die Londoner Börse übernehmen - und scheiterte. Mit 42 Prozent bleibt sein Zustimmungswert konstant schlecht.

Vorletzter Platz: Werner G. Seifert wollte die Londoner Börse übernehmen - und scheiterte. Mit 42 Prozent bleibt sein Zustimmungswert konstant schlecht.

Foto: DDP
Schlusslicht: Der Vorstandsvorsitzende des Reifenherstellers Continental, Manfred Wennemer, hat seine Sanierungserfolge kaum für das persönliche Image nutzen können. Im Börsenbarometer vom November war er noch nicht aufgeführt. Gut ein Viertel der Befragten gab an, Wennemer nicht zu kennen - ein negativer Spitzenwert, den Wennemer mit SAP-Chef Henning Kagermann teilt.

Schlusslicht: Der Vorstandsvorsitzende des Reifenherstellers Continental, Manfred Wennemer, hat seine Sanierungserfolge kaum für das persönliche Image nutzen können. Im Börsenbarometer vom November war er noch nicht aufgeführt. Gut ein Viertel der Befragten gab an, Wennemer nicht zu kennen - ein negativer Spitzenwert, den Wennemer mit SAP-Chef Henning Kagermann teilt.

Foto: DPA


Gewinner und Verlierer:
Bitte klicken Sie auf ein Bild, um mehr über
das Abschneiden der Konzernchefs zu lesen.

Das ist ein Ergebnis des aktuellen Börsenbarometers, einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Anlegern, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid  im Auftrag des manager magazins durchführt. Das Börsenbarometer ermittelt alle drei Monate die Einstellung der Anleger gegenüber 20 deutschen Konzernchefs, die von der manager-magazin-Redaktion nominiert werden (siehe: "So ermittelt manager magazin das Börsenbarometer").

Dabei zollen die Aktionäre Ackermann auch Respekt für seine Entscheidung, trotz eines Gewinns von 2,5 Milliarden Euro weitere 6400 Arbeitsplätze abzubauen. So rangiert er - trotz der Kritik - bei der Frage, welchem Manager die Anleger am ehesten zutrauen, den Wert seines Unternehmens nachhaltig zu steigern, im vorderen Drittel.

Insgesamt hat der Chef der Deutschen Bank  seinen Zustimmungswert um 11 Prozentpunkte erhöhen können, verglichen mit dem vorherigen Börsenbarometer im November. Damals nahm er noch Rang 15 ein, diesmal teilt er sich Platz 6 auf der Managerrangliste mit Siemens-Vormann Klaus Kleinfeld und Puma-Lenker Jochen Zeitz.

Ernste Sorge um das Bankgeheimnis

Fielmann steigt in der Anlegergunst

Ganz oben auf der Managertreppe steht seit langem Wendelin Wiedeking. 72 Prozent der Befragten trauen dem Vormann von Porsche  zu, den Börsenwert des Sportwagenbauers weiter nachhaltig steigern zu können. Den zweiten Platz mit einer Zustimmung von 66 Prozent belegt Brillenmulti Günther Fielmann , gefolgt von Helmut Panke, Vorstandslenker von BMW , auf Rang drei.

Ganz am unteren Ende des Treppchens steht Manfred Wennemer (Platz 20). Trotz glänzender Zahlen trauen nur noch 41 Prozent der Befragten dem Chef von Continental  zu, den Aktienkurs des Hannoveraner Automobilzulieferers weiter nachhaltig zu steigern.

Wennemer liegt damit knapp hinter Werner Seifert, Chef der Deutschen Börse , und VW-Vormann Bernd Pischetsrieder (beide 42 Prozent Zustimmung). Seifert sorgte mit seinem mittlerweile gescheiterten Plan, die Londoner Börse zu übernehmen, für Unverständnis. Für Pischetsrieder, der gleichauf mit Seifert auf Platz 18 liegt, ist das bereits eine Verbesserung. Beim vorigen Börsenbarometer musste der Lenker von Volkswagen  noch mit dem letzten Platz vorlieb nehmen.

Schmerzhafter Abschied vom Bankgeheimnis

Neben dem Ranking der Vorstandschefs werden im Börsenbarometer das Meinungsbild zu aktuellen Anlegerthemen und das allgemeine Investitionsklima erfasst. So wurde diesmal nach der Einschränkung des Bankgeheimnisses gefragt. Ab 1. April haben Finanz- und Sozialämter Zugriff auf wichtige Kontodaten, ohne dass die Überprüften davon erfahren müssen. Das Ziel der Politik ist es, Steuerbetrügern leichter auf die Spur zu kommen - doch vom Schutz sensibler persönlicher Daten könnte nicht viel übrig bleiben.

Das zumindest ist eine Befürchtung, die viele private Anleger teilen. Zwar glaubt ein gutes Fünftel der befragten Aktionäre, dass dieser Datenzugriff zu mehr Steuergerechtigkeit führen wird. Die große Mehrheit jedoch - 74 Prozent - rechnet damit, dass die neue Regelung eine große Kapitalflucht aus Deutschland auslösen wird.

In der Umfrage reflektieren die Anleger auch die Entwicklung der wichtigsten Indizes. Was den Dax angeht, sind sie überwiegend optimistisch und erwarten, dass das gute Niveau um 4000 Punkte gehalten werden kann. Immerhin ein Drittel glaubt sogar, dass der Index auf 4500 Zähler steigen könnte, während nur eine Minderheit mit einem Absturz rechnet.

Hohe Erwartungen an Konsumgüter

Hohe Erwartungen an Konsumgüter

Bei den bevorzugten Anlageformen zeigt sich einmal mehr, dass Aktien wieder im Kommen sind. Inzwischen erwartet gut die Hälfte der Befragten die besten Profite von Aktienfonds, das sind 5 Prozentpunkte mehr als im November.

Auch Aktien konnten in dieser Größenordnung zulegen. Insgesamt 21 Prozent der Anleger erwarten, dass sich ein direktes Investment in Aktien in den kommenden zwölf Monaten am attraktivsten entwickeln wird. Immer weniger versprechen sich die Befragten dagegen von festverzinslichen Wertpapieren.

Die Lieblingsbranchen der Investoren bleiben nach wie vor Informationstechnik, Chemie und Pharma sowie Telekommunikation. Die Mehrzahl der Branchen wird jedoch skeptischer betrachtet als noch im vergangenen Quartal, was sich in der Statistik mit Abschlägen von 1 bis 3 Prozentpunkten niederschlägt.

Das Versicherungsgewerbe erlebt einen Einbruch von 5 Prozentpunkten. Es wird damit auf die hinteren Ränge verwiesen, wo sich sonst nur die "handfesten" Branchen finden. Schlusslichter bleiben die Automobil- und die Bauindustrie - Walter Bau lässt grüßen.

Demgegenüber konnte die Chemie- und Pharmaindustrie um vier Prozentpunkte zulegen und das Konsumgütergeschäft - vielleicht am überraschendsten - sogar um 7 Prozentpunkte. Hier vermuten vor allem die weiblichen Befragten ein großes Potenzial.

Börsenbarometer: So ermittelt mm das Anlageklima Börsenbarometer: Die Ergebnisse zum Herunterladen

Verwandte Artikel