Börsenbarometer 7/2002 Die Geschichte eines Abstiegs

Genau wie die Volks(zorn)-Aktie kennt auch Ron Sommers Weg nur eine Richtung: steil abwärts. Der Telekom-Chef landet im mm-Ranking der prominentesten Konzernherren erstmals auf dem letzten Platz.
Von Ulric Papendick und Brigitte Lausberg

Hamburg - Ron Sommer bleibt wirklich nichts erspart. Der Vorstandschef der Deutschen Telekom  ist Deutschlands unbeliebtester Topmanager. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter Deutschlands Privatanlegern, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid in Zusammenarbeit mit Kirchhoff Consult exklusiv für das manager magazin durchgeführt hat.

Nur 20 Prozent der privaten Aktionäre in Deutschland glauben demnach, dass Sommer den Aktienkurs des angeschlagenen Telekommunikations-Konzerns wieder nachhaltig steigern kann. Drei Viertel der Investoren haben sich vom ehemaligen Börsenstar abgewandt.

Vorfahrt für Automanager

Als das manager magazin im Februar des vergangenen Jahres erstmals die Aktionäre befragte, wie sie die Leistung der deutschen Spitzenmanager einschätzen, waren noch 53 Prozent der Anleger der Ansicht, Sommer werde dem Aktienkurs seines Konzerns zu einem neuerlichen Höhenflug verhelfen.

Die Realität sieht anders aus: Die Magenta-Aktie fiel Mitte Juni erstmals unter die wichtige Zehn-Euro-Marke und der zuletzt auf der Hauptversammlung sogar ausgepfiffene und verhöhnte Telekom-Chef belegt im Börsenbarometer den letzten Rang.

Angesehenster deutscher Konzernlenker ist - wie bereits vor drei Monaten - BMW-Primus Helmut Panke. 74 Prozent der Befragten sind der Meinung, der frisch gekürte Vorstandschef werde den BMW-Aktienkurs nachhaltig steigern können. Panke führt im Börsenbarometer vor Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (70 Prozent Zuspruch), VW-Vormann Bernd Pischetsrieder (ebenfalls 70 Prozent) und DaimlerChrysler-Lenker Jürgen Schrempp (63 Prozent).

Investoren halten Aktien die Treue

Einen wenig gelungenen Einstand in die Riege der zur Wahl gestellten Unternehmenschefs erwischte Kajo Neukirchen. Der ruppige Chef von MG Technologies ersetzt im Börsenbarometer Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, den die mm-Redaktion nach der faktischen Übernahme seines Unternehmens durch France Telecom nicht mehr nominiert hatte.

Die Umfrage zeigt zugleich: Trotz der desolaten Entwicklung an den Weltbörsen halten die deutschen Privatanleger den Aktien die Treue. Jeder zweite Befragte nennt Aktien oder Aktienfonds als bevorzugte Anlageform. Dabei favorisieren die Investoren Papiere aus der Chemie- und Pharmaindustrie, gefolgt von der Informationstechnologie.

Die detaillierte Analyse zum Börsenbarometer lesen Sie im manager magazin (siehe: Ausgabe 7/2002 - "Vertrauens-Verlust") . Wie die deutsche Wirtschaftselite bei den Anlegern im Einzelnen abschneidet, erfahren Sie hier .

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