Börsenbarometer Wendelin Wiedeking

Unscheinbar mit großer Wirkung - der Porsche-Chef handelt, ohne großes Aufheben darum zu machen.

Hamburg - Anders als seine Autos sieht Porsche-Chef Wendelin Wiedeking eher unauffällig aus: Aschblonde Haare, Schnauzer, Brille - und die wahrscheinlich nicht einmal im schnittigen Porsche-Design. Aber er ist jemand, mit dem man rechnen muss, und das wussten auch jene, die ihn Anfang der neunziger Jahre zunächst in den Vorstand und dann auf den Chefposten beriefen. Damals war das Unternehmen ganz unten. Mieser Umsatz und Gewinn, schlechte Absatzzahlen, Streit zwischen Vorstand und den Familienstämmen Porsche und Piëch. Porsche galt als Übernahmekandidat.

Doch dann löste Wendelin Wiedeking den Vorstandsvorsitzenden Arno Bohn ab, und es ging aufwärts. Zielstrebig krempelte er die Firmenstrukturen um, die Hierarchieebenen wurden von sechs auf vier verringert, Arbeitsvorgänge komplett ausgelagert. Die Zahl der Führungskräfte vor allem im mittleren Management reduzierte er um weit mehr als ein Drittel. Insgesamt ließ er etwa 3000 Arbeitsplätze verschwinden, da war Wiedeking gnadenlos. Er ließ Ladenhüter wie den 928er und den 968er von der Liste streichen und feilte stattdessen den Klassiker, den 911er, technisch weiter aus.

Und dann landete Wiedeking seinen besten Coup. Innerhalb von nur vier Jahren ließ er den neuen Boxster entwickeln, den preisgünstigsten Porsche, den es je gab. Von seiner Auslieferung 1996 an fand er reißenden Absatz. Außerdem entwickelte sich unter seiner Führung die Accessoire-Linie mit Fahrrädern, Uhren und Kleidung zu einem immer wertvolleren Standbein.

Wendelin Wiedeking hat ein Händchen für Porsche, daran besteht kein Zweifel, und das konnte sich über Jahrzehnte entwickeln. Nach seinem Abitur 1972 studierte der 1952 in Ahlen Geborene Maschinenbau in Aachen. In dieser Zeit gründete er eigene kleine Firmen. Nach seiner Promotion 1983 kam er direkt zu Porsche. Er arbeitete als Referent des Vorstands Produktion und Materialwirtschaft. Abgesehen von einem kurzen Ausflug zu dem Automobilzulieferer Glyco blieb er dem Zuffenhausener Konzern treu.

Auf derzeit kursierende Gerüchte, er könne womöglich Jürgen Schrempp an der Spitze von DaimlerChrysler ablösen, antwortet Wiedeking: "Ich fühle mich bei Porsche sauwohl", und, "bringen Sie mich mit anderen Dingen nicht in Verbindung."

Katy Hillmann

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.