Börsenbarometer Zweifelhafter Erfolg

Egal ob "Schneller Brüter", E-Plus oder Kernkraft-Ausstieg, die Geschichte von RWE ist eng mit Dietmar Kuhnt verbunden.

Hamburg - Wie bei so vielen deutschen Unternehmen steht auch bei RWE ein Jurist an der Konzern-Spitze. Dietmar Kuhnt, 1937 in Breslau geboren und mit seinen Eltern im zweiten Weltkrieg nach Neuss geflüchtet, studierte nach dem Abitur in Köln und Freiburg Jura und promovierte 1966 in Strafrecht.

Seinen ersten Job fand Kuhnt als Assistent der Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Essen. 1968 wechselte er als Justitiar in die Rechtsabteilung der RWE und wurde 1977 deren Leiter.

1982 wurde Kuhnt zum Direktor befördert und war in Personal-Union auch für das Kernenergieprojekt "Schneller Brüter" mit verantwortlich. Zusätzlich war er federführend an der Übernahme der Deutschen Texaco, der heutigen DEA, beteiligt.

1989 wurde der zweifache Vater in den Vorstand der RWE-Energie AG berufen. 1992 wurde er deren Vorstandsvorsitzender und gleichzeitig Vorstandsmitglied der RWE Holding. Im Januar 1995 rückte er auch dort an die Spitze.

In die Ägide Kuhnt fallen die schweren Niederlagen der RWE. Aus der unter ihm forcierten Telekommunikation hat sich der Energie-Konzern mittlerweile zurückgezogen. Und das Aus für das Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich (Schaden laut RWE rund 11,5 Milliarden Mark) bedeutete eine herbe Schlappe.

Erfolge erzielte der RWE-Chef vor allem bei der Übernahme des Konkurreneten VEW und bei den Verhandlungen um den Ausstieg aus der Kernenergie. In zähen Auseinandersetzungen mit der rot-grünen Bundesregierung erreichte Kuhnt großzügig bemessene Restlaufzeiten. Ob dieser Konsens wirklich ein Erfolg war, darf spätestens nach den Vorfällen rund um die Castor-Transporte bezweifelt werden.

Arne Stuhr