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Börsen-Bösewicht

Gold-Zack: Trotz aller Flops zählt Gründer Walther zu den Profiteuren des Neuen Marktes.
aus manager magazin 9/2001

Was wäre der Neue Markt ohne Dietrich Walther (59) und seine Gold-Zack AG? Gäbe es das Emissionshaus in Mettmann nicht, die Frankfurter Wachstumsbörse wäre um 20 Dutzend Unternehmen und 1,8 Milliarden Mark Marktkapitalisierung ärmer - hätte allerdings auch ein paar Probleme weniger. Alles hatte so euphorisch begonnen. Aber mit den ersten Flops wandelte sich das Bild vom Aktionärsbeglücker zum Börsenbösewicht. Kaum ein anderer nutzte den Boom so skrupellos und strapazierte das Vertrauen der Anleger ähnlich ausdauernd wie der westfälische Selfmade-Mann.

Die Folgen sind unübersehbar: Nur zwei der von Gold-Zack an den Neuen Markt gebrachten Firmen notieren im August 2001 überhaupt noch über dem Ausgabekurs. Mit dem IT-Haus Prodacta und dem Altenheimbetreiber Refugium stehen inzwischen sogar zwei Walther-Schützlinge unter der Herrschaft der Insolvenzverwalter.

Die Pleitekandidaten stehen beispielhaft für die Auswahl der Firmen, denen Gold-Zack in den vergangenen Jahren zum Kapitalmarktdebüt verhalf: Die Substanz von Prodacta und Refugium war schwach, die Wachstumsprognosen waren waghalsig und die Geschäftsmodelle zweifelhaft.

Vor allem der Ettlinger IT-Dienstleister Prodacta, an dem Walthers Gold-Zack heute noch rund 4 Prozent hält, wäre wohl besser nie an den Neuen Markt gegangen. Schon die Kosten des Börsengangs im Frühjahr 1999 überforderten die Firma. Rund 5,2 Millionen Mark mussten die Gründer hierfür ausgeben - knapp ein Fünftel des damaligen Umsatzes von rund 27 Millionen Mark.

Die restlichen 23 Millionen Mark, die der Börsengang in die Kasse des IT-Dienstleisters spülte, gingen für den Ausbau von Schulungs- und Softwareinfrastruktur drauf. Schließlich sollte sich der Umsatz bis Ende 2000 auf 80 Millionen Mark steigern.

Das allerdings erwies sich schnell als Illusion. Tatsächlich kam Prodacta auf gerade einmal 32,5 Millionen Mark. Weil sich die Kosten der völlig überdimensionierten Computer- und Schulungskapazitäten mit den mageren Umsätzen nicht einspielen ließen, verbrannte das IT-Haus monatlich bis zu zwei Millionen Mark seiner Barreserven.

So wurde aus dem für 2000 erwarteten Gewinn von 4,3 Millionen Mark ein Minus von 27,6 Millionen Mark.

Auf das Desaster hätte Walther vorbereitet sein können. Ein vor dem Prodacta-IPO für den Konsortialführer Gontard-Metallbank angefertigtes Wirtschaftsprüfer-Gutachten nährte erhebliche Zweifel an der Börsentauglichkeit. Walther will davon nichts mitbekommen haben.

Immerhin kann er sich zugute halten, dass er die völlig überforderten Gründer im Frühsommer 2000 aus dem Unternehmen drängte, sie zum Verkauf ihrer Aktien zwang und den Erlös in die Sanierung steckte.

Eigenes Geld mochte er dabei allerdings nicht investieren. Anfang August 2001 scheiterte der letzte Versuch, Prodacta bei einem kapitalkräftigen Konkurrenten unterzubringen. Walther lehnte es entgegen früheren Zusagen ab, noch einmal mit einer Kapitalerhöhung von 2,5 Millionen Mark auszuhelfen. Für den Vorstand des IT-Hauses wurde der Gang zum Insolvenzrichter unausweichlich.

Das nun will sich Walther nicht vorwerfen lassen. Schuld haben stets andere. Weil die Deutsche Börse künftig jene Unternehmen vom Neuen Markt ausschließt, deren Aktienkurs unter die Grenze von einem Euro sinkt, seien Penny-Stocks wie Prodacta nun einmal nicht mehr zu retten.

Viel schlimmer als der Prodacta-Flop traf Walther der Absturz des Altenheimbetreibers Refugium. Denn hier muss er sich persönliches Versagen vorwerfen lassen. Undurchsichtige Immobiliengeschäfte des Refugium-Gründers Paul Kostrewa (57) brachten die im Sommer 1997 am Neuen Markt gestartete Firma an den Rand des Ruins. Walther als zeitweiliger Aufsichtsratschef hatte all das viel zu spät bemerkt.

Aus Sorge um sein Image ließ er deshalb in bewährter Manier aufräumen. Er feuerte Kostrewa, kassierte dessen Anteile und steckte den Erlös in die Restrukturierung.

Gleichzeitig sicherte sich Walther mit der Pako die Immobilienholding Kostrewas. Der damalige Gold-Zack-Chef kontrollierte damit als Vermieter die meisten Gebäude, in denen Refugium seine Heime betreibt.

Eine für den Refugium-Chef Klaus Küthe (57) wenig erbauliche Situation. Denn Walther - dem vor allem an der Sanierung der Pako gelegen war - senkte die Mieten bei weitem nicht so stark, wie es notwendig gewesen wäre, um der Refugium eine wirtschaftliche Basis zu verschaffen.

Seine Zusage vom Jahresanfang, die Refugium-Kasse mit 40 Millionen Mark aufzufüllen, zog Walther wieder zurück. Gegenüber potenziellen Aufkäufern weigerte er sich, die Mieten zu reduzieren. Als er im April 2001 der Refugium die Mietverträge kündigte, war das Insolvenzverfahren nur noch eine Frage der Zeit.

Natürlich liegt das wieder nicht an ihm, sondern an den Refugium-Verantwortlichen. Die hätten es weder verstanden, mit den Pflegekassen günstigere Konditionen auszuhandeln, noch sei es ihnen gelungen, ihre Kosten in den Griff zu bekommen.

Trotz allem gehört Walther aber immer noch zu den großen Gewinnern des Neuen Marktes. Als Alleinvorstand zahlte er sich 1999 ein Gehalt von rund 5,7 Millionen Mark.

Was wäre Dietrich Walther ohne den Neuen Markt? Dietmar Palan

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