Börse Dax schließt im Minus, Gold und Silber klettern weiter

Das Ringen um ein Corona-Hilfspaket in den USA und die Furcht vor einer Konjunkturabkühlung schlägt Aktien-Anlegern auf die Kauflaune. Der Dax schließt im Minus. Gold und Silber setzen ihre Kursrally fort.
Dax schwankt: Siemens und Adidas legen zu, Gold notiert auf Rekordniveau

Dax schwankt: Siemens und Adidas legen zu, Gold notiert auf Rekordniveau

Foto: DANIEL ROLAND/ AFP

Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nach einer Berg- und Talfahrt letztlich moderate Einbußen hinnehmen müssen. Die Quartalsberichtssaison der Unternehmen bot dabei Licht und Schatten. Der Dax , der im Hoch und Tief jeweils etwas mehr als ein Prozent verloren beziehungsweise gewonnen hatte, schloss mit einem Minus von 0,54 Prozent bei 12.591 Punkten. Der MDax  sank um 0,27 Prozent auf 26.803 Zähler. Der EuroStoxx50  verlor 0,8 Prozent auf 3243 Zähler. In den USA lagen die Kurse an der Wall Street kaum verändert.

Im frühen Handel hatte der Dax noch einen weiteren Versuch unternommen, über die Hürde von 12.750 Punkten zu springen. Allerdings ging ihm dabei wegen der bekannten Risikofaktoren rasch die Kraft aus. Zwischen der weiter grassierenden Corona-Pandemie, der Hängepartie in den USA beim Schnüren eines weiteren Hilfspakets und dem anhaltenden Säbelrasseln zwischen den Vereinigten Staaten und China fehlte es den Anlegern einmal mehr an der nötigen Zuversicht.

Der Dollar fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief, weil immer mehr Experten befürchten, dass die Erholung der weltgrößten Wirtschaft vom Rückschlag durch die Corona-Krise langsamer verlaufen werde als in anderen Ländern. Auch die Bank of England (BoE) schlug vorsichtigere Töne an als zuletzt. Die Notenbanker rechnen nun damit, dass die britische Wirtschaft erst Ende nächsten Jahres und nicht wie bislang angenommen bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 das Vorkrisenniveau erreicht. Den Leitzins beließen die Währungshüter bei 0,1 Prozent. Das Pfund legte daraufhin bis zu 0,6 Prozent zu auf 1,3185 Dollar. Der skeptische Ausblick der BoE drückte den britischen Leitindex FTSE 100 1,2 Prozent nach unten.

Gold und Silber verteuern sich deutlich

Gold  verteuerte sich um bis zu 1,5 Prozent auf 2069,21 Dollar je Feinunze (31 Gramm). Silber  kostete mit 28,42 Dollar 5,2 Prozent mehr als am Vortag. "Auch wenn es mit dem schwachen US-Dollar, negativen Realzinsen und der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken weiterhin gute Gründe für steigende Gold- und Silberpreise gibt, nimmt die Dynamik mittlerweile exzessives Ausmaße an", sagte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. "Eine Korrektur wird daher zunehmend wahrscheinlich."

Für etwas Unterstützung sorgten neue Daten vom US-Arbeitsmarkt, der sich in der vergangen Woche ein wenig entspannt hat. Doch bleibt mit rund 1,19 Millionen die Zahl der Menschen, die vergangene Woche einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe stellten, noch hoch. Am Freitag will das US-Arbeitsministerium die monatliche Arbeitsmarktstatistik vorlegen.

MunichRe, Lufthansa, Henkel, Beiersdorf auf den Verkauflisten

Zu den größten Kursverlierern im Dax gehörte die Münchener Rück  mit einem Minus von 1,9 Prozent. Die Absage und Verschiebung von Großveranstaltungen, die Schließung von Betrieben sowie weitere Belastungen durch die Corona-Pandemie haben dem weltgrößte Rückversicherer einen Gewinneinbruch eingebrockt. Auch Anteilsscheine der Lufthansa  gaben nach einem zunächst freundlichen Start 1,2 Prozent nach. Die Airline rechnet mit einer noch längeren Flaute in der Corona-Krise als bislang angenommen und schließt auch betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus.

Henkel  büßten 0,6 Prozent ein und Beiersdorf  am Dax-Ende sogar 5,6 Prozent. Bei Henkel zog JPMorgan-Analystin Celine Pannuti vom ersten Halbjahr ein enttäuschtes Fazit. Bei Beiersdorf zielten Experten negativ darauf ab, dass der Konzern in diesem Jahr mit einer bereinigten operativen Rendite "signifikant" unter dem Vorjahreswert rechnet.

Dagegen legten Aktien von Adidas  1,9 Prozent zu. Die Corona-Krise traf das Geschäft des Sportausrüsters im zweiten Quartal nicht ganz so hart wie befürchtet. Nach einem operativen Verlust im zweiten Quartal rechnet der Konzern im dritten Quartal wieder mit einem operativen Gewinn.

Adidas, Covestro, Siemens gefragt

Zum größten Gewinner im Dax wurden die Aktien von Covestro  mit einem Plus von 3,7 Prozent. Hier half eine Kaufempfehlung des Bankhauses Metzler.

Aktien von Siemens  zogen 1,6 Prozent an. Der Münchner Technologiekonzern ist im dritten Quartal robust durch die Corona-Krise gekommen. So spürte der Konzern zwar weiter die Nachfrageschwäche in Schlüsselindustrien wie der Autobranche und dem Maschinenbau. Jedoch schnitt Siemens deutlich besser ab als von Analysten erwartet. Unter dem Strich belastete die Ausgliederung des Energiegeschäfts und führte zu einem deutlichen Gewinnrückgang. Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr bleibt das Management weiterhin vorsichtig.

Unterdessen schwelt der Streit zwischen USA und China weiter. Die US-Regierung will auf breiter Front "nicht vertrauenswürdige" Apps aus China von Smartphones der Amerikaner fernhalten. "Apps aus der Volksrepublik China bedrohen unsere Privatsphäre, verbreiten Computerviren und streuen Propaganda und Falschinformationen", erklärte US-Außenminister Mike Pompeo in der Nacht zum Donnerstag. Sie sollten aus den App Stores in den USA entfernt werden.

Damit könnte der Streit beider Länder in die nächste Runde gehen. Analyst Jim Reid von der Deutschen Bank führte die wieder zunehmende Risikoscheu an den Börsen auf die andauernden Spannungen zwischen den USA und China zurück.

la/rei/dpa-afx/Reuters
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