Boeing 747 vor dem Aus Das leise Ende des Jumbo-Jets
Als Frachter weiterhin gefragt, als Passagierjet vor dem Aus: Boeings 747
Foto: STEPHEN BRASHEAR/ AFPBei Airbus ist das Aus des A380 beschlossene Sache; nun verdichten sich auch bei Jumbo-Pionier Boeing die Anzeichen, dass die Ära der Riesen-Flugzeuge vor ihrem Ende steht. Neuester Anhaltspunkt: Boeing hat eine Formulierung aus seinen Geschäftsberichten gestrichen, wonach bislang immer noch der Fortbestand des Modells evaluiert werde. Insider sagten der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg, dies lege nahe, dass in etwa zwei Jahren die letzte 747 aus den Boeing-Werkshallen im US-Bundesstaat Washington rollen werde .
Boeing selbst dementierte die Schlussfolgerung gegenüber Bloomberg nicht. Man habe "bei einer Baurate von einem halben Flugzeug pro Monat noch mehr als zwei Jahre Produktion" in den Büchern, teilte das Unternehmen mit. Darüber hinaus "werden wir weiterhin die richtigen Entscheidungen treffen, um die Produktionslinie gesund zu halten und die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen."
Auch wenn sich Boeing mit dem Verweis auf die Kundenwünsche alle Optionen offen halten mag: Der Branchentrend spricht gegen die Fortführung der 747-8. Fluglinien in aller Welt sind in den vergangenen Jahren weg von den Vier-Turbinen-Kolossen A380 und 747 und hin zu effizienteren zweistrahligen Maschinen geschwenkt. Das hatte bereits den Airbus A380 vom Hoffnungsträger zum Milliardengrab werden lassen. Laut Bloomberg sind die gut ein Dutzend Maschinen in Boeings Auftragsbüchern auch allesamt Frachtversionen der 747, im Passagierbereich hätten Airlines schon seit Jahren keine neuen Jumbos bestellt.
Das Ende der Ikone dürfte für Boeings neuen Chef David Calhoun (63) damit absehbar gewesen sein. Der im Januar angetretene Manager hat ohnehin an verschiedenen Fronten zu kämpfen: Nach dem Desaster mit dem einstigen Hoffnungsträger 737 Max muss nicht nur dessen Reputation, sondern die des gesamten Unternehmens auf Vordermann gebracht werden. Zudem steht er im eigentlich boomenden Rüstungsbereich vor einem strategischen Dilemma .
Air Force One als Schlussakt?
Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Krise der Luftfahrt beschleunigen nun den Abschied der Riesenflieger noch einmal, weil die angeschlagenen Airlines noch stärker auf die Kosten schauen. Air France-KLM etwa hat im Mai den Betrieb seiner A380-Flotte eingestellt - eigentlich hatte diese noch bis 2022 fliegen sollen. Ersetzt werden sollen sie durch kleinere, effizientere Modelle wie den Airbus A350 oder Boeings Langstreckenjet 787. Laut einer Schätzung der Credit Suisse stehen aktuell über 90 Prozent aller 747 und A380 am Boden.
Für ein Ende von Boeings 1970 angetretener 747 spricht auch, dass Zulieferer Triumph Ende vergangenen Jahres die Fabrik dichtgemacht hat , in der die Rumpfteile für den Jumbo produziert wurden.
Sollten bei Boeing nun tatsächlich keine weiteren Orders für die Passagierversion des Jumbo-Jets eingehen, für einen passenden Schlussakt wäre gesorgt: Letzter Besteller wäre dann US-Präsident Donald Trump (74), der 2017 auf Basis des Modells eine neue Air Force One in Auftrag gab.