Blackrock-Chef Fossile Brennstoffe für Übergang teilweise notwendig

Blackrock fordert dazu auf, den Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft nicht mit Macht durchzusetzen. Energieversorgung müsse bezahlbar bleiben, sonst drohe sozialer Unfrieden. Der Rückzug aus fossilen Brennstoffen müsse daher mit Augenmaß erfolgen.
Jährlicher Brief an die Konzerne: Larry Fink will Stakeholder Werte

Jährlicher Brief an die Konzerne: Larry Fink will Stakeholder Werte

Foto: Shannon Stapleton / REUTERS

Blackrock-Chef Larry Fink (69) fordert dazu auf, die Bevölkerung beim klimaneutralen Umbau der Wirtschaft mitzunehmen. "Um etwa eine bezahlbare Energieversorgung während des Übergangs zu gewährleisten, werden in bestimmten Regionen fossile Brennstoffe wie Erdgas sowohl bei der Stromerzeugung und Wärmegewinnung als auch für die Wasserstoffherstellung weiter eine zentrale Rolle spielen", schreibt Fink in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an die Chefs von Konzernen weltweit, an denen der weltgrößte Vermögensverwalter beteiligt ist.

Regierungen und Unternehmen müssten "dafür sorgen, dass Menschen weiterhin Zugang zu einer verlässlichen und erschwinglichen Energieversorgung haben", schreibt Fink. "Nur so gestalten wir eine grüne Wirtschaft, die niemanden zurücklässt und keinen sozialen Unfrieden stiftet."

Blackrock steigt nicht aus allen Öl- und Gasfirmen aus

Der Blackrock-Chef warnt zugleich vor einer weiteren Engergiepreis-Rally: "Pläne, die nur darauf abzielen, das Angebot an Energie aus fossilen Brennstoffen zu verringern, die Nachfrage aber außer Acht lassen, werden die Energiepreise nach oben treiben. Treffen wird das vor allem jene, die es sich am wenigsten leisten können. Die Folgen wären eine noch stärkere Polarisierung beim Thema Klimawandel und ein Untergraben des Fortschritts."

Kapital aus ganzen Branchen abzuziehen oder die Finanzierung CO2-intensiver Anlagen von den öffentlichen in die Privatmärkte zu verlagern, werde die Welt nicht zum Netto-Null-Ziel führen, mahnte Fink in dem Brief weiter. Blackrock verfolge nicht die Strategie, generell aus allen Öl- und Gasunternehmen auszusteigen, führt Fink aus: "In vielen CO2-intensiven Branchen gibt es vorausschauende Unternehmen, die ihr Geschäft transformieren und damit einen entscheidenden Beitrag zur Dekarbonisierung der Wirtschaft leisten. Wir sind davon überzeugt, dass die Firmen, die den Wandel anführen, unseren Kunden enorme Anlagechancen bieten."

Zentrum für Stakeholder-Kapitalismus geplant

Zugleich fordert der weltgrößte Vermögensverwalter dazu auf, auch die Interessen der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Es gehe bei einem solchen Stakeholder-Kapitalismus nicht um Politik. "Auch nicht um eine soziale oder ideologische Agenda. Er ist Kapitalismus," so Fink. In einer global vernetzten Welt müssten Unternehmen für alle ihre Stakeholder Werte schaffen und gleichzeitig deren Wertschätzung erhalten. Nur so könnten Firmen für ihre Aktionäre langfristig Werte schaffen.

"Wir sind überzeugt, dass sich Unternehmen besser entwickeln, wenn sie sich ihrer Rolle in der Gesellschaft bewusst sind und im Interesse ihrer Mitarbeiter, Kunden, Gemeinschaften und Aktionäre handeln", heißt es in dem Brief mit dem Titel "Die transformative Kraft des Kapitalismus". Das solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass faires Streben nach Gewinn immer noch das sei, was Märkte antreibe. Fink kündigte die Gründung eines Zentrums für Stakeholder-Kapitalismus an, eines Forums für Forschung, Dialog und Diskussionen. Es soll die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Stakeholdern untersuchen.

sio/reuters