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RWE Big Spender

Vorsteher Großmann will den Energiekonzern künstlerisch aufwerten - mit eigenem Geld.
aus manager magazin 6/2008

An Selbstbewusstsein mangelt es dem Manne nicht. Von Markus Lüpertz (67) ist der Ausspruch überliefert: "Ich bin der größte Künstler, den ich kenne - und ich kenne viele."

Dass umgekehrt auch viele ihn sowie seine Arbeit kennen und schätzen, wirkt sich sehr zum geschäftlichen Vorteil des Starmalers und Bildhauers aus. RWE-Chef Jürgen Großmann (56) etwa ist seit Jahren ziemlich gut bekannt mit Lüpertz. Man spielt Skat miteinander. Ex-Kanzler Gerhard Schröder (64) gehört der illustren Runde ebenfalls an.

So verwundert es nicht, dass eine Lüpertz-Skulptur nun auch im Foyer der RWE-Zentrale in Essen liegt: ein mehrteiliges Ensemble aus Gips und Styropor, Entwurfsmodelle für das Objekt "Mercurius", das vor dem Bonner Post-Tower künstlerisch Dienst tut. Mitte April wurde die Ausstellung eröffnet. Auch der Künstler war anwesend, was so viel Aufregung hervorrief wie sonst nur ein Besuch des Bundeskartellamts.

Wie so vieles, hat auch dieser Kunstgenuss eine schweißtreibende Vorgeschichte. Einige Misstöne soll es im RWE-Topmanagement gegeben haben.

Und auch den Verantwortlichen des Essener Folkwang-Museums ist nicht so recht zum Feiern zumute, seitdem der berühmte Großmann-Freund beim Stromkonzern stilprägend wirkt. Das Museum hat einen Kooperationsvertrag mit RWE, der bis 2010 läuft. Eine Million Euro jährlich lässt sich der Konzern das Sponsoring kosten. Regelmäßig stellten Folkwang-Künstler im RWE-Foyer aus - dieser Platz ist nun belegt.

Auf dem Weg ins Büro hatte sich Großmann oft über die Folkwang-Exponate geärgert, die aus seiner Sicht bisweilen nicht über das Niveau eines Volkshochschulkurses hinauskamen.

Als Eigentümer der Stahlfirma Georgsmarienhütte ist Großmann es gewohnt, schnelle und manchmal auch einsame Entscheidungen zu treffen. So geschah es auch in diesem Fall: Großmann kaufte das Lüpertz-Werk, bezahlte es aus eigener Tasche (die Rede ist von 150 000 Euro) und wollte schon die Halle für die Erzeugnisse des Kartenkumpels durchfegen lassen. Bis man ihm bedeutete, es wäre ratsam, zuvor das zuständige Gremium zu fragen, sprich: den RWE-Vorstand. Schließlich, das leuchtete Großmann ein, befinde man sich in den Räumlichkeiten der RWE AG - und nicht in seinen Privatgemächern.

RWE-Vorständler reagierten denn auch säuerlich, dass man sie vor (fast) vollendete Tatsachen stellte. Die toten Trümmer von Lüpertz finden einige Strommanager gewöhnungsbedürftig.

Es ist genug Zeit für eine Annäherung. Die Kunststücke sollen als Dauerleihgabe Großmanns so lange liegen bleiben, wie der Gönner im Amt verweilt, also - nach jetzigem Erkenntnisstand - bis Oktober 2012. Dietmar Student

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