Massenentlassung per Zoom-Anruf Better.com-Chef entschuldigt sich

In einer Videoschalte hatte Vishal Garg rund 900 Angestellte der Firma Better.com gefeuert – und dafür massive Kritik kassiert. Nun räumte der Manager Fehler ein. Die Kündigungen bleiben aber wirksam.
Kündigung per Zoom: Better.com-Chef Vishal Garg zog viel Kritik auf sich

Kündigung per Zoom: Better.com-Chef Vishal Garg zog viel Kritik auf sich

Foto: Dado Ruvic / REUTERS

In Corona-Zeiten wird auch so manches unangenehme Personalgespräch per Videoanruf geführt, das gilt mitunter auch für Entlassungen. Die Vorgänge bei Better.com waren dann aber auch für diese ungewöhnlichen Zeiten bemerkenswert. Rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hatte Chef Vishal Garg rausgeworfen – auf einen Schlag und in knappen, kühlen Worten.

»Wenn Sie in diesem Call sind, gehören Sie zur unglücklichen Gruppe, die entlassen wird«, sagte Garg dem Sender CNN zufolge, dem ein Mitschnitt der Schalte vorlag. »Ihr Arbeitsverhältnis ist mit sofortiger Wirkung beendet«, sagte Garg demnach – und verwies auf die Personalabteilung, die sich dann wegen des Prozederes und etwaiger Abfindungen melden werde.

Das internationale Medienecho war erheblich gewesen, auch manager magazin berichtete. Nun hat sich Garg selbst geäußert und einen Brief auf der Webseite des Unternehmens veröffentlicht. Darüber berichtet unter anderem die britische BBC.

»Ich habe nicht den nötigen Respekt und die nötige Wertschätzung für die betroffenen Menschen gezeigt«, schreibt er darin. Die Kündigungen seien nötig gewesen, fährt er fort. Allerdings habe er selbst die Umsetzung »vermasselt« und die Betroffenen »bloßgestellt«.

In typischem PR-Sprech geht es weiter: »Es tut mir sehr leid und ich werde versuchen, aus der Situation zu lernen«, so Garg. Er wolle zukünftig der Chef sei, den seine Mitarbeiter erwarten dürften.

Better.com ist ein Hypothekenfinanzierer, der unter anderem vom japanischen Softbank-Konzern unterstützt wird. Better.com plant derzeit mithilfe einer SPAC (Special Purpose Acquisition Company), einer leeren Hülle, den Börsengang – und hat dafür zuletzt Hunderte Millionen Dollar Kapital gesammelt.

Harte Worte über die entlassenen Personen

Einer der Hauptgründe für den Rauswurf von rund neun Prozent der Belegschaft war dem US-Wirtschaftsmagazin »Fortune« zufolge die vermeintlich schlechte Leistung vieler Beschäftigter. Diese habe er mithilfe einer ausführlichen Datenanalyse eines Dienstleisters ausgewertet.

Mindestens 250 Beschäftigten hatte er laut dem Magazin vorgeworfen, nicht mehr als zwei Stunden pro Tag zu arbeiten. Das Medium zitiert aus einer internen E-Mail, in der Garg über diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geschimpft habe: »Die haben von euch gestohlen und ebenso haben sie von den Kunden gestohlen, die die Rechnungen zahlen, mit denen ihr eure Rechnungen bezahlt.«

CNN zufolge verlief die für Hunderte Beschäftigte unerfreuliche Telefonschalte mit dem Chef kühl und emotionslos. Unter den Entlassenen sollen viele Beschäftigte gewesen sein, die für Gleichberechtigung und Diversity zuständig waren.

jok