Verlag von Stephen King Bertelsmann sticht Murdoch mit Milliardenübernahme aus

Für knapp zwei Milliarden Euro übernimmt Bertelsmann die US-Verlagsgruppe Simon & Schuster, die unter anderem Erfolgsautor Stephen King unter Vertrag hat. Der Medienriese aus Gütersloh baut damit seine Position als weltgrößter Buchverlag aus.
Nimmt das Geld aus der Portokasse: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Nimmt das Geld aus der Portokasse: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Der Medienkonzern Bertelsmann kauft die US-Verlagsgruppe Simon & Schuster mit Erfolgsautor Stephen King (73) und baut damit seine Position als weltgrößter Buchverlag aus. Der Gütersloher Konzern übernimmt die Verlagstochter von Viacom CBS für rund 2,18 Milliarden Dollar (1,83 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (55) sprach von einem Meilenstein zur Stärkung des globalen Inhaltegeschäfts. "Das Buch ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugleich für Bertelsmann." Es habe seit Verlagsgründung vor 185 Jahren "nichts von seiner Attraktivität verloren." Man stemme den Deal aus Barmitteln und wolle den Kauf im Laufe des nächsten Jahres abschließen. Bertelsmann stach damit Rupert Murdochs (89) News Corp. aus.

Simon & Schuster, die Heimat von Autoren wie Stephen King, John Irving (78) und Hillary Clinton (73), soll als eigene Einheit unter dem Dach der inzwischen 100-prozentigen Bertelsmann-Tochter Penguin Random House weitergeführt werden. Der 1924 gegründete Verlag mit seinen rund 2000 Neuerscheinungen im Jahr beschäftigt weltweit rund 1500 Menschen und erwirtschaftete 2019 etwa 814 Millionen Dollar Umsatz. Rund 85 Prozent der Umsätze entfallen auf die USA. "Simon & Schuster stärkt die Präsenz von Bertelsmann weltweit und insbesondere in seinem zweitgrößten Markt USA." Personelle Änderungen an der Führungsspitze seien nicht geplant.

Bertelsmann hat die Bestsellerfamilie Obama unter Vertrag

Die Verlagsgruppe Penguin Random House beschäftigt mit seinen mehr als 320 Verlagen rund 10.000 Mitarbeiter auf sechs Kontinenten und publiziert jährlich etwa 15.000 Neuerscheinungen. Vorige Woche kam der erste Band der Memoiren des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama (59, "Ein verheißenes Land") auf den Markt. Insgesamt erschien das Buch zeitgleich in 26 Sprachen, allein in den USA mit einer Erstauflage von drei Millionen Exemplaren. Mit der Familie Obama hat Bertelsmann gute Erfahrung gemacht. Das Buch "Becoming" von der früheren First Lady der USA, Michelle Obama (56), wurde 15 Millionen Mal verkauft und damit zu einem der größten Bestseller der vergangenen Jahre.

Kartellrechtliche Bedenken wegen Simon & Schuster spielte Rabe herunter. Er sei zuversichtlich, dass die Wettbewerbshüter in den USA und in anderen Ländern dem Kauf zustimmen. Penguin Random House und Simon & Schuster kämen in den USA zusammen nur auf einen Umsatzanteil von unter 20 Prozent. Zudem müsse man berücksichtigen, dass der Onlinehändler Amazon eine immer größere Rolle auf dem Buchmarkt spiele.

Bertelsmann und seine Fernsehtochter RTL Group spüren derzeit wie alle Medienunternehmen die Folgen der Viruspandemie. Der Bertelsmann-Umsatz sank in den ersten neun Monaten um 6,3 Prozent auf zwölf Milliarden Euro. Angaben zum Gewinn macht der Medienkonzern nicht. Aber Rabe sagte, seit dem Sommer liefen die Geschäfte auf breiter Front sehr gut. "Wir sind in einem starken vierten Quartal." Kontrolliert wird Bertelsmann nach wie vor von der Eigentümerfamilie Mohn. Bertelsmann ist als Minderheitsgesellschafter auch am manager magazin beteiligt.

mg/Reuters/dpa-afx
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.