Aktionärstreffen in Omaha Das Value-Imperium schlägt zurück

Warren Buffett ist zurück. Schon häufig wurde der Altmeister des Investments abgeschrieben, doch nun wendet sich das Blatt mal wieder zu seinen Gunsten. Und das passend zum ersten persönlichen Aktionärstreffen seit Beginn der Pandemie.
Kaufen – und abwarten: Value-Investoren wie Warren Buffett brauchen einen langen Atem

Kaufen – und abwarten: Value-Investoren wie Warren Buffett brauchen einen langen Atem

Foto: SCOTT MORGAN / REUTERS

Drei Deals innerhalb von sechs Wochen – kurz vor der Hauptversammlung in Omaha, Nebraska, am kommenden Samstag meldet sich Investorenlegende Warren Buffett (91) zurück. Die Aktie  seiner Investmentholding Berkshire Hathaway stieg Ende März auf ein Rekordhoch von 544.000 US-Dollar (509.771 Euro) und behauptet damit ihre Position als teuerstes Wertpapier der Welt.

Jahrelang warteten Buffetts Jünger vergebens auf seinen nächsten großen Deal. Die prall gefüllte Kriegskasse stieg mit 144 Milliarden US-Dollar auf ein Rekordniveau, doch der Starinvestor fand einfach keine guten Übernahmeziele, wie er selbst noch im Februar in seinem Brief an die Aktionäre  des Unternehmens beklagte. Die Unternehmensbewertungen seien immer noch zu hoch, monierte Buffett. So investierte er einfach in die eigene Firma und gab im vergangenen Jahr mit insgesamt 27 Milliarden Dollar so viel Geld wie noch nie für Aktienrückkäufe aus.

Doch dann witterte das "Orakel von Omaha", wie Buffett von seinen Anhängern genannt wird, offenbar wieder Chancen am Aktienmarkt. So kaufte seine Berkshire-Holding Anfang März dieses Jahres Aktien des US-Ölkonzerns Occidental Petroleum im Wert von 7,5 Milliarden US-Dollar und wurde mit einer Beteiligung von 13 Prozent zu einem der zehn größten Anteilseigner des Unternehmens. Kurz danach kündigte Buffett die Übernahme des US-Versicherers Alleghany für 11,6 Milliarden US-Dollar an. Das war die größte Übernahme für Berkshire Hathaway seit dem Jahr 2016.

Buffett hat Alleghany seit 60 Jahren beobachtet

Anfang April kaufte Buffetts Beteiligungsgesellschaft dann Aktien des US-Computerherstellers HP (früher Hewlett-Packard) im Wert von 4,2 Milliarden US-Dollar und sicherte sich damit mehr als 11 Prozent aller HP-Anteile. Damit schnellte die Beteiligung auf die zwölfte Position im Berkshire-Portfolio empor. Die drei größten Positionen sind nach wie vor Apple, die Bank of America und American Express.

Der Berkshire-Chef ist ein sogenannter Value-Investor. Das heißt, er setzt überwiegend auf etablierte und profitable Konzerne, die eine gute wirtschaftliche Verfassung, eine starke Wettbewerbsposition und eine Führungsriege nach seinem Geschmack besitzen – und deren Anteile unterbewertet sind. Zudem hat er sich dem Grundsatz verschrieben, nur in Unternehmen zu investieren, dessen Geschäftsmodell man auch wirklich versteht. Buffett lässt sich Zeit und prüft genau. Im Fall von Alleghany, erzählt er, habe er das Unternehmen seit sage und schreibe 60 Jahren genau beobachtet.

Diese Strategie zahlt sich nun nach einer längeren Durststrecke mal wieder für ihn aus. In Zeiten steigender Zinsen zur Bekämpfung der hohen Inflation und der explodierenden Energiepreise ist Berkshire ideal positioniert. Schließlich werden die alten Konzerne nicht so stark von den Zinssteigerungen getroffen wie junge Unternehmen, die noch wachsen und dafür eine Menge Geld benötigen. Zudem gehören dem Unternehmen Versicherungen wie Geico und General Re, die von den anstehenden Leitzinserhöhungen profitieren werden. Ebenso wie die Banken – zu Berkshires Portfolio gehört ja auch ein großer Anteil an der Bank of America.

Auch von den ohnehin schon hohen Energiepreisen, die durch den Krieg in der Ukraine noch angetrieben werden, profitiert Buffetts Holding. Die Beteiligung an dem US-Ölkonzern Chevron hat Berkshire im vierten Quartal 2021 um 33 Prozent erhöht. Der jüngste Kauf von Occidental-Papieren wirkt ebenfalls stützend. Inzwischen wird am Markt sogar spekuliert, dass Berkshire den Ölkonzern vollständig übernehmen will.

Während die Aktienmärkte einbrechen, gewinnt die Berkshire-Aktie

Anleger honorieren die jüngsten Portfolio-Entscheidungen von Berkshire. Das Papier der Klasse A , an dem die meisten Stimmrechte gebunden sind, legte in diesem Jahr 12 Prozent zu. Der US-Aktienindex S&P 500 , mit dem sich Buffet gern misst, verlor dagegen seit Anfang des Jahres rund 10 Prozent. Am 29. März dieses Jahres erreichte die Berkshire-Aktie mit 544.000 Dollar sogar ein neues Rekordhoch.

Selbst die neuen großen Investmentstars wie Cathie Wood (66) überflügelte Buffett in diesem Jahr. Die Performance seiner Holding ist nun wieder besser als die des Ark Innovation ETF von "Queen Cathie", die mit riskanten Investments in junge Technologieaktien und hoch bewertete Tech-Stars wie Tesla zuvor hervorragende Ergebnisse erzielte. Doch seit Ende 2021 leiden Tech-Aktien unter heftigen Kurseinbrüchen.

Gute Voraussetzungen also für das Aktionärstreffen in Omaha, das nun zum ersten Mal seit der Pandemie wieder in Präsenz stattfindet. "Sagt alle anderen Termine ab", schrieb Buffett in seinem Brief an die Aktionäre. "Omaha wartet auf euch." Rund 40.000 Buffett-Pilger aus aller Welt werden der Einladung des Starinvestors in den US-Bundesstaat Nebraska wohl in diesem Jahr folgen. Wer es nicht nach Omaha schafft, kann sich die Hauptversammlung am 30. April immerhin noch im Livestream  anschauen.

Buffetts Vermögen wächst um weitere 12 Prozent

Aktienexperte Hendrik Leber (65) erwartet allerdings keine großen Überraschungen von der Hauptversammlung. "Mit Ausnahme des Apple-Investments hatte Buffett in den vergangenen Jahren wenig außergewöhnliche Investments zu bieten", erklärte der Chef der Vermögensverwaltungsgesellschaft Acatis im Gespräch mit manager magazin. Vielmehr rechnet Leber mit Informationen über die komplizierte Zins-Inflations-Situation. "Wie sieht Buffett das aktuelle Makroumfeld? Werden die steigenden Zinsen wirklich die Inflationsrate bremsen?"

Buffett selbst kann der Zinswende gelassen entgegensehen. Als größter Anteilseigner von Berkshire Hathaway profitiert der Investor natürlich auch persönlich von der Performance des Unternehmens. Allein seit Jahresbeginn ist sein Vermögen laut dem von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Milliardärsindex um 12 Prozent auf 122 Milliarden Dollar gestiegen . Der Investor ist derzeit der fünftreichste Mensch der Welt. Und das, obwohl es an den Börsen weltweit abwärts ging.

Ans Aufhören denkt Buffett aber trotz Reichtum und seines fortgeschrittenen Alters noch immer nicht. In Omaha wird er selbst wieder ganz vorn auf der Bühne stehen. Sein Nachfolger Greg Abel (59), der derzeit die Energiesparte Berkshire Hathaway Energy leitet, muss sich weiter mit der zweiten Reihe zufriedengeben.