Interviews "Hausberater nicht zu empfehlen"

Aus größeren Unternehmen sind Consultants kaum noch wegzudenken. Zu Recht? manager-magazin.de sprach mit Jürgen Heraeus, Oberaufseher bei Heraeus, Eon-Lenker Wulf Bernotat und Bayer-Chef Werner Wenning über ihre Erfahrungen mit Unternehmensberatern.

Jürgen Heraeus, Vorsitzender des Heraeus-Aufsichtsrats

mm.de: Wozu braucht man Managementberater, wo man doch Manager hat?

Heraeus: In der Regel sollte das Management seine Probleme selbst lösen, denn dafür wird es gut bezahlt. Leider stellt man bisweilen Korrelationen fest zwischen der Höhe der Managementvergütung und der Höhe der Ausgaben für Beratung.

mm.de: Was sollte ein Unternehmensberater heute in erster Linie können?

Heraeus: Unternehmensberater können sehr nützlich sein für eine Strategieausarbeitung, insbesondere auch bei kleineren Unternehmen, die hierfür nicht genug Personalkapazität vorhalten können. Darüber hinaus kann ein Unternehmensberater nützlich sein, wenn es divergierende Interessen im Vorstand gibt oder zwischen Vorstand und Aufsichtsrat, um hier als "Neutraler" seine Stellungnahme abzugeben.

mm.de: Sollte man sich auf einen bevorzugten "Hausberater" (für grundlegende Themen wie Unternehmensstrategie) festlegen - oder häufiger wechseln?

Heraeus: Einen Hausberater würde ich nicht empfehlen. Einmal nistet dieser sich dann ein, weil er im Budget für die kommenden Jahre diese Posten schon fest eingebucht hat. Zum anderen ist die Themenvielfalt, wenn man denn schon Berater engagiert, so groß, dass man hierfür auch Spezialisten haben sollte.

mm.de: Sind Unternehmensberater ihr Geld wert oder sind sie zu teuer?

Heraeus: Große Unternehmensberatungen haben hohe Strukturkosten und teure Mitarbeiter. Daher nehmen sie ungern ein Beratungsmandat unter einer Millionen Euro an, das meistens auch in einem Folgemandat endet. Unternehmensberater, das sollte man nicht vergessen, haben ihr eigenes Business, bei dem sie ihren Gewinn optimieren müssen. Gut, wenn dies parallel auch für das beratene Untenehmen der Fall ist.

"Über den Tellerrand schauen"

Wulf Bernotat, Eon-Vorstandsvorsitzender

mm.de: Wozu braucht man Managementberater, wo man doch Manager hat?

Bernotat: Weil Managementberater nicht managen. Das ist auch nicht ihre Funktion. Sie können dem Unternehmen aber helfen, über den Tellerrand zu schauen und neue Sichtweisen in die Diskussion einbringen.

mm.de: Was sollte ein Unternehmensberater heute in erster Linie können?

Bernotat: Unternehmen sind nur dann langfristig erfolgreich, wenn sie sich kontinuierlich an den Marktanforderungen ausrichten. Dabei können Unternehmensberater helfen. Berater sollten in der Lage sein, dem Management gezielt aufzuzeigen, was die branchenbesten Lösungen sind und wo diese noch nicht erreicht sind. Aber es ist Aufgabe des Managements, klare Ziele zu setzen und die identifizierten Entwicklungspotenziale umzusetzen.

mm.de: Sollte man sich auf einen bevorzugten "Hausberater" (für grundlegende Themen wie Unternehmensstrategie) festlegen - oder häufiger wechseln?

Bernotat: Nicht jeder Berater ist auf jedem Gebiet gleich gut. Daher fragt man für eine bestimmte Fragestellung auch immer mehrere Berater an und wählt den jeweils besten aus. So kommen im Laufe der Zeit automatisch verschiedene Berater zum Zuge.

mm.de: Sind Unternehmensberater ihr Geld wert oder sind sie zu teuer?

Bernotat: Ein Unternehmensberater kann nur gut sein, wenn der Auftraggeber eine präzise Vorstellung der Aufgabe hat und den Berater entsprechend anleitet. Nur so bringt Beratung wirklich etwas und ist ihr Geld wert.

"Einsatz nur projektbezogen"

Werner Wenning, Bayer-Vorstandsvorsitzender

mm.de: Wozu braucht man Managementberater, wo man doch Manager hat?

Wenning: Grundsätzlich werden Unternehmensberater nur projektbezogen eingesetzt, beispielsweise bei einer Akquisition oder der Entwicklung eines Restrukturierungsprogramms. In solchen Fällen benötigen Unternehmen unter Umständen spezielles Know-how. Mit ihrer Außensicht und einschlägigen Erfahrung gewährleisten gute Berater objektive und zielführende Lösungen. Große Projekte erfordern außerdem vorübergehend zusätzliche personelle Ressourcen, denn das laufende Geschäft darf nicht vernachlässigt werden. Auch aus diesem Grund kann es notwendig sein, ein Beratungsunternehmen einzuschalten.

mm.de: Was sollte ein Unternehmensberater heute vor allem können?

Wenning: Unternehmensberater müssen die Fähigkeit besitzen, die Probleme des Kunden zu verstehen und den spezifischen Auftrag richtig zu erfassen. Nur dann können sie passende Lösungsansätze anbieten und realisieren. Darüber hinaus sollte ein Consultant für eine erfolgreiche Arbeit in "gemischten" Projektteams mit verschiedenen Hierarchiestufen des Kunden angemessen kommunizieren können. Idealerweise sollte ein Unternehmensberater, der sich um einen Auftrag bewirbt, bereits Erfolge in vergleichbaren Projekten vorweisen können.

mm.de: Sollte man sich auf einen bevorzugten "Hausberater" festlegen - oder häufiger wechseln?

Wenning: Dafür gibt es keine feste Regel. Projekte sind verschieden, und grundsätzlich wird der Berater engagiert, der über die entsprechende Expertise verfügt und das überzeugendste Konzept vorlegt. Bewerber, mit denen ein Unternehmen bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hat, können in einem Auswahlprozess Pluspunkte haben. Solche "Preferred Supplier" werden bei Ausschreibungen auch bevorzugt angesprochen.

mm.de: Sind Unternehmensberater ihr Geld wert oder sind sie zu teuer?

Wenning: Das hängt entscheidend davon ab, wie sorgfältig der Auftraggeber bei der Aufgabenbeschreibung und der Auswahl des Beratungsunternehmens vorgeht. Wird ein Projekt dementsprechend optimal geplant und gesteuert, ist die erbrachte Leistung der Unternehmensberater in der Regel auch ihr Geld wert.

Methode: So wurden die besten Berater ermittelt


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