EU-Sanktionen Weitere Airlines meiden weißrussischen Flugraum

Air France-KLM, Singapore Airlines, Finnair: Mehrere Fluggesellschaften folgen den EU-Sanktionen und machen einen Bogen um Weißrussland. Die Lufthansa prüft noch, Minsk aus ihrem Flugplan zu streichen.
Umgelenkt: Flugroute des Ryanair-Flugs Athen-Vilnius von Sonntag auf der Website Flightradar24

Umgelenkt: Flugroute des Ryanair-Flugs Athen-Vilnius von Sonntag auf der Website Flightradar24

Foto: Beata Zawrzel / imago images/NurPhoto

Nach der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk werden weitere Fluggesellschaften den belarussischen Luftraum vorerst meiden. Air France, Finnair, KLM und Singapore Airlines kündigten an, ihre Flugrouten anzupassen. Die französische Fluggesellschaft Air France erklärte, sie werde gemäß dem Sanktionsbeschluss der EU ihre Flüge im belarussischen Luftraum "bis auf Weiteres" aussetzen.

Auch Singapore Airlines kündigte an, die Flüge Richtung Europa umzuleiten, um Belarus nicht zu überfliegen. "Die Sicherheit unserer Kunden und Crews hat oberste Priorität", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft aus Singapur. Auch die finnische Airline Finnair, die polnische Lot und die niederländische Fluggesellschaft KLM beschlossen, vorerst nicht mehr durch den belarussischen Luftraum zu fliegen. Bereits am Montag hatten die Fluggesellschaften Lufthansa, SAS und AirBaltic gleichlautende Maßnahmen angekündigt.

Ob auch Flüge mit Belarus als Zielland betroffen sind, war zunächst noch nicht klar. Die Lufthansa wollte noch im Laufe des Tages entscheiden, ob und wann sie wieder nach Belarus fliegt. Voraussichtlich bis Mittag dürfte klar sein, ob am Mittwochabend ein geplanter Direktflug von Frankfurt nach Minsk stattfinden werde, sagte eine Konzernsprecherin am Dienstag. Man bewerte die Situation fortlaufend und sei im Kontakt mit den zuständigen Behörden.

Auch britische Flugzeuge sollen auf Anordnung der Regierung in London den belarussischen Luftraum meiden. Die Ukraine entschied, den Flugverkehr mit dem Nachbarland einzustellen.

Belavia setzt Flüge nach London und Paris aus

Erzwungenermaßen setzte die staatliche Fluggesellschaft von Belarus ihre Flüge nach London und Paris bis Ende Oktober aus. Belavia reagiere damit auf ein Verbot von Frankreich und Großbritannien für Maschinen aus der Ex-Sowjetrepublik, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Man bedauere die aktuelle Situation, "die wir nicht ändern können". Vom Flughafen der belarussischen Hauptstadt Minsk waren für diesen Dienstag zudem Flüge nach Berlin und Warschau geplant. Zunächst wurde am Vormittag jedoch allein die Verbindung nach Paris zunächst gestrichen.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten am Montagabend die Sperrung des Luftraums für Flugzeuge aus Belarus sowie ein Landeverbot auf EU-Flughäfen vereinbart. Sie riefen Airlines aus der EU auf, das autoritär regierte Land nicht mehr zu überfliegen. Die EU reagierte damit auf die erzwungene Landung einer Ryanair-Maschine in Minsk und die Festnahme des bekannten Oppositionellen Roman Protassewitsch.

Belarus hatte das Flugzeug am Sonntag auf dem Weg von Athen nach Vilnius unter dem Vorwand einer Bombendrohung und mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. Dort wurden der in Polen und Litauen im Exil lebende Regierungskritiker Roman Protasewitsch (26) und seine aus Russland stammende Freundin festgenommen.

An Bord der Ryanair-Maschine waren nach Ansicht von Unternehmenschef Michael O'Leary (60) auch Agenten des Geheimdienstes KGB. "Es wirkt, dass es die Absicht der Behörden war, einen Journalisten und seine Reisebegleiterin (aus dem Flugzeug) zu entfernen", sagte der Chef der irischen Billigfluglinie am Montag dem irischen Radiosender Newstalk. "Wir vermuten, dass auch einige KGB-Agenten am Flughafen (in Minsk) abgeladen wurden." O'Leary sagte, es handle sich um einen "Fall von staatlich unterstützter Entführung, (...) staatlich unterstützter Piraterie".

ak/AFP, dpa-afx, Reuters
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