Kurzfristiger Chefwechsel Beiersdorf-Chef schmeißt hin - Vincent Warnery übernimmt

Turbulenzen an der Spitze des Dax-Absteigers Beiersdorf: Konzernchef Stefan De Loecker verlässt den Konzern kurzfristig. Schon zum 1. Mai übernimmt Vincent Warnery, der gerade auf dem Abgang schien.
Abgang: Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker gibt sein Amt zum 1. Mai auf

Abgang: Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker gibt sein Amt zum 1. Mai auf

Foto: Christian Charisius/ picture alliance/dpa

Der Hamburger Konsumgüterkonzern Beiersdorf trennt sich überraschend von seinem Vorstandschef. Der Aufsichtsrat habe sich mit Stefan De Loecker (53) "einvernehmlich auf die Beendigung seines Vorstandsmandats zum 30. Juni geeinigt", teilte das im März in den Nebenwerteindex MDax abgestiegene Unternehmen am Dienstagabend nach Börsenschluss mit. Einen Grund für den vorzeitigen Abschied nannte Beiersdorf nicht. De Loecker führt den Hersteller von "Nivea"-Pflegeprodukten und "Tesa"-Klebeband erst seit gut zwei Jahren.

Sein Nachfolger wird zum 1. Mai der im Vorstand bisher für das Drogeriegeschäft und Nordamerika zuständige Vincent Warnery (52). Der Vertrag des Franzosen sei zugleich um fünf Jahre bis 2027 verlängert worden. Nach Informationen des manager magazins sah es kurz zuvor noch ganz anders aus : Der ehemalige L'Oréal-Manager Warnery wollte gehen und schlug auch ein Angebot aus, anstelle von De Loecker Vorstandschef zu werden. Jetzt bleibt er doch - und rückt umgehend an die Spitze.

In einem internen Schreiben, das manager magazin vorliegt, erklärte De Loecker sich selbst zum Akteur der Entscheidung. Nach "sorgfältiger Abwägung während der vergangenen Wochen" habe er "für mich entschieden, dass dies der richtige Moment ist, um weiterzuziehen". Nach drei Jahrzehnten in der Branche "weiß ich, dass ich die richtige Entscheidung treffe. Auch dieses Mal."

Beiname "König"

Ein geordneter Übergang zeichnete sich auch zuvor schon nicht ab. Unter Stefan De Loeckers Führung wurden etliche Topmanager und Topmanagerinnen ausgewechselt. Die Großaktionärsfamilie Herz machte angesichts der mauen Ergebnisse Druck . Die Ankündigung vom Dienstagabend sorgte dennoch für Knalleffekt.

Aufsichtsratschef Reinhard Pöllath (73) dankte De Loecker, "seine Unternehmensstrategie hat alle überzeugt". Der Belgier habe "das Unternehmen entscheidend und bleibend vorangebracht". Warnery wiederum bringe "den richtigen Schwung in unsere gemeinsamen Anstrengungen für Beiersdorfs Zukunft".

Warnery betonte, er habe "in den letzten Jahren sehr vertrauensvoll mit Stefan De Loecker an der 'C.A.R.E.+' Strategie gearbeitet". Zugleich sei Beiersdorf "ein herausragendes Unternehmen mit großem Potenzial". Intern trug der Franzose, der für Marken wie "Eucerin", "La Prairie" oder "Hansaplast" verantwortlich war, mitunter schon den Beinamen "König". Umstritten war unter anderem die Konzernstruktur: Während De Loecker Verantwortung in die Regionen delegierte, gilt Warnery als Anhänger der vom Branchenführer L'Oréal bekannten zentralen Kontrolle. Auch De Loeckers Strategie gilt als zu zaghaft. Die Berater der Boston Consulting Group sollen dem Konzern eine weitere Perspektive zeigen.

ak/Reuters