Nachbesserungen gefordert US-Richter lässt Glyphosat-Vergleich von Bayer weiter offen

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern kann das Glyphosat-Thema noch immer nicht zu den Akten legen. Der zuständige US-Richter ist auch mit dem neuen Vergleichsvorschlag nicht einverstanden.
Jahrelanger Rechtsstreit: Die juristische Auseinandersetzung um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup hatte sich Bayer mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto im Jahr 2018 eingekauft

Jahrelanger Rechtsstreit: Die juristische Auseinandersetzung um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup hatte sich Bayer mit der milliardenschweren Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto im Jahr 2018 eingekauft

Foto: Patrick Pleul/zb/dpa

Ein wichtiger Teil des milliardenschweren Glyphosat-Vergleichs von Bayer in den USA hängt weiter in der Schwebe. Die Einigung von Bayer mit Klägeranwälten für den Umgang mit möglichen künftigen Glyphosat-Klagen müsse für gesunde Menschen, die dem Mittel im Unkrautvernichter Roundup ausgesetzt waren und in Zukunft erkranken, noch mal nachgebessert werden, erklärte der zuständige US-Bezirksrichter Vince Chhabria am Mittwoch.

Der Richter bemängelte, dass derzeit gesunde Roundup-Anwender den Vergleichsvorschlag nicht verstehen könnten, da er "von einem Problem spricht, das zu weit entfernt ist". Es würde daher "eine Weile dauern", bevor er über den Antrag auf vorläufige Genehmigung entscheide, "vorausgesetzt, Sie ziehen ihn nicht zurück", sagte er mit Blick auf den deutschen Pharma- und Agrarchemiekonzern.

Die Bayer-Aktie  zeigte sich am Donnerstag Morgen kaum verändert, nachdem sie am Vortag bereits nachgegeben hatte. Ein Händler kommentierte, der Worst Case sei zwar ausgeblieben, aber auch die ersehnte Einigung sei wieder einmal verschoben.

Chhabria hatte bereits im vergangenen Jahr Kritik an der ursprünglichen Einigung geübt, worauf Bayer den Antrag auf vorläufige Genehmigung dieses Vorschlags zurückgezogen und im Februar ein überarbeitetes Konzept vorgelegt hatte. Aber auch zu diesem Vorschlag hatte sich der Richter bereits kurz vorher kritisch geäußert.

Bayer wies die Vorwürfe stets zurück

Das zwei Milliarden Dollar teure Paket ist Teil des umfangreicheren, rund 11,6 Milliarden schweren Glyphosat-Vergleichs von Bayer. Die Klagewelle wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des Unkrautvernichters hatte sich Bayer mit der milliardenschweren Übernahme des US-Konzerns Monsanto eingehandelt. Vergeblich versucht das Unternehmen bislang, einen Schlussstrich unter das Debakel zu ziehen. Der Umgang mit künftigen Glyphosat-Klagen ist ein entscheidender Bestandteil des Vergleichs, da der Leverkusener Konzern eine Lösung finden muss, das Risiko künftiger Klagen zu mindern, ohne seinen glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup dafür vom Markt zu nehmen.

Die Vorwürfe gegen Glyphosat hat Bayer stets zurückgewiesen. Behörden weltweit, darunter die US-Umweltbehörde EPA und die Europäische Chemikalienagentur, haben das Herbizid als nicht krebserregend eingestuft. Allein die Krebsforschungsagentur IARC bewertete den Wirkstoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend". Auf diese Einschätzung beriefen sich die Kläger.

mg/Reuters