Bayer-Hauptversammlung Anleger erwarten Ende der Glyphosat-Klagewelle

Am 19. Mai entscheidet ein US-Bezirksrichter, ob es im Glyphosat-Drama endlich zu einem Abschluss kommt. Anleger leiden seit Jahren. Die Fondsgesellschaft Deka will den Bayer-Vorstand nicht entlasten: Für sie ist der von Werner Baumann geführte Konzern nur noch ein "Schatten seiner selbst."
Geld vernichtet: Die von Konzernchef Werner Baumann eingefädelte Monsanto-Übernahme hat sich für Bayer als Milliardengrab erwiesen. Bis heute leidet der Konzern unter der US-Klagewelle wegen Glyphosat

Geld vernichtet: Die von Konzernchef Werner Baumann eingefädelte Monsanto-Übernahme hat sich für Bayer als Milliardengrab erwiesen. Bis heute leidet der Konzern unter der US-Klagewelle wegen Glyphosat

Foto: REUTERS

Aktionäre von Bayer sind leidgeprüft: Die toxische Übernahme von Monsanto beschäftigt sie mittlerweile im fünften Jahr, und es ist weiter offen, wann der Pharma- und Agrarchemiekonzern endlich einen Schlussstrich unter die Glyphosat-Klagewelle in den USA ziehen kann. "Bayer muss die Klagerisiken und Altlasten von Monsanto abschließend in den Griff bekommen", forderte Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment anlässlich der virtuellen Hauptversammlung von Bayer am Dienstag. Der im vorigen Jahr beschlossene außergerichtliche Vergleich sei zwar positiv zu sehen. Jetzt müsse aber auch eine Lösung für künftige Klagen gefunden werden. "Weitere Fehltritte kann sich das Management nicht erlauben."

Doch dieser wichtige Teil des Glyphosat-Vergleichs, bei dem es um die Handhabung und Beilegung künftiger Klagen wegen des Unkrautvernichters geht, hängt weiter in der Schwebe. Eine Anhörung zu einer neuen Einigung mit Klägeranwälten bei dem zuständigen US-Bezirksrichter Vince Chhabria verschiebt sich erneut auf den 19. Mai. Ursprünglich war diese schon für den 31. März geplant. Bayer-Chef Werner Baumann verwies auf "rein terminliche Gründe".

Die Folge der Unsicherheit: Aktionäre meiden Bayer. Während der Dax seit Monaten von Rekord zu Rekord eilt, hat sich der Börsenwert von Bayer  binnen drei Jahren mehr als halbiert. Ursprünglich wollte Baumann durch die Monsanto-Übernahme den Konzern vor einer feindlichen Übernahme schützen. Inzwischen ist Bayer weit weniger wert als vor der Übernahme und als Börsen-Leichtgewicht umso stärker gefährdet.

Der Einigung, die Bayer Anfang Februar bekannt gegeben hatte , muss Chhabria noch eine vorläufige Genehmigung erteilen. Baumann sagte, er sehe dem Termin "optimistisch entgegen". "Wir sind überzeugt, dass die Einigung fair für alle Parteien ist und werden uns weiter dafür einsetzen." Generell könnten finale Genehmigungen zu solchen Vereinbarungen ein Jahr oder auch länger dauern. Bayer durchdenke "selbstverständlich auch alternative Wege." Näher äußerte er sich dazu aber nicht.

Baumann rechnet mit knapp 12 Milliarden Dollar Gesamtkosten

Für die Produkthaftungsverfahren zu Glyphosat in den USA erwartet Baumann derzeit Gesamtkosten für vorgesehene Vergleiche bestehender Klagen von bis zu 9,6 Milliarden US-Dollar. Für Regelungen zu zukünftigen Klagen rechnet er mit etwa zwei Milliarden Dollar, wie er bekräftigte. "Wir sind fest entschlossen, die Rechtsstreitigkeiten so schnell wie möglich in einem vernünftigen Rahmen beizulegen." Bayer gehe bei den Glyphosat-Klagen auf alle Kanzleien zu, die aktuelle Fälle vertreten. "Die Entscheidungen über Einigungen liegen dazu allerdings nicht alleine bei uns." Der nächste Glyphosat-Prozess sei derzeit für das dritte Quartal terminiert.

Die Fondsgesellschaft Deka hatte angekündigt, den Bayer-Vorstand auf der Hauptversammlung nicht entlasten zu wollen, für sie ist der Konzern nur noch ein "Schatten seiner selbst". Die DWS wollte sich "aufgrund der bisher nicht gelösten Rechtsunsicherheiten in den USA und den Nachhaltigkeitsrisiken" enthalten, Union Investment wollte Vorstand und Aufsichtsrat dagegen entlasten. 2019 hatten von der Monsanto-Übernahme enttäuschte Aktionäre den Vorstand um Werner Baumann nicht entlastet - ein bis dahin einmaliger Vorgang im Dax.

la/reuters
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