Investoren zögern Bauindustrie mit größtem Einbruch seit 2012

Die Aufträge der deutschen Baubranche sind im April so stark eingebrochen wie seit knapp zehn Jahren nicht mehr. Die Bestellungen im Bauhauptgewerbe fielen um 16,4 Prozent niedriger aus als im Vormonat. Dieser war allerdings von vielen Großprojekten geprägt.
Umsatzrückgänge erwartet: Auch die Bauindustrie spürt die Folgen von Lieferengpässen und hoher Inflation

Umsatzrückgänge erwartet: Auch die Bauindustrie spürt die Folgen von Lieferengpässen und hoher Inflation

Foto: Jan Woitas / DPA

Die Baubranche hat im April einen herben Rückgang im Neugeschäft hinnehmen müssen. Die Auftragseingänge sanken preisbereinigt (real) um 16,4 Prozent zum starken Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Einen kräftigeren Rückgang gegenüber dem Vormonat habe es zuletzt im November 2012 mit minus 20,1 Prozent gegeben. Die Branche bekomme inzwischen die zunehmende Verunsicherung der Investoren im Zuge des Ukraine-Krieges zu spüren, erklärte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

"Wie von uns befürchtet, stellen die Investoren ihre Projekte aufgrund der unsicheren Lage und der starken Preissteigerungen zurück", sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Im Vergleich zum April des Vorjahres verringerte sich das Ordervolumen preisbereinigt ebenfalls deutlich um 9,7 Prozent. Nominal lag der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe wegen gestiegener Baupreise mit einem Volumen von 7,9 Milliarden Euro um 0,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Der Bauwirtschaft machen Lieferengpässe und rasant gestiegene Preise für Materialien wie Stahl und Bitumen zu schaffen. Die Aussichten für die Branche, die der Corona-Krise dank des Immobilienbooms getrotzt hatte, haben sich damit eingetrübt. Im April sank der Umsatz preisbereinigt um 9,5 Prozent zum Vorjahresmonat, wie die Wiesbadener Statistiker weiter berichteten. In den ersten vier Monaten verbuchte die Branche dagegen insgesamt noch ein leichtes Plus von real 0,8 Prozent.

Die deutsche Bauindustrie hatte jüngst wegen Unsicherheit durch den Ukraine-Krieg, Lieferengpässe und teure Materialien ihre Prognose gesenkt. Sie erwartet dieses Jahr preisbereinigt Umsatzrückgänge.

hr/dpa-afx, Reuters
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