Traditionsstandort BASF schließt Werk in Leuna

Da waren es nur noch drei: Das Werk in Leuna ist eines von vieren, in denen BASF hierzulande Kunststoffgranulat produziert. Jetzt will der Dax-Konzern den Standort dicht machen.
BASF-Werk in Schwarzheide: Nach der Leuna-Schließung wird der Dax-Konzern Granulat aus Kunststoff nur noch an drei Standorten in Deutschland produzieren

BASF-Werk in Schwarzheide: Nach der Leuna-Schließung wird der Dax-Konzern Granulat aus Kunststoff nur noch an drei Standorten in Deutschland produzieren

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Der Chemiekonzern BASF will seinen Produktionsstandort in Leuna bis zum 30. April 2022 schließen. Damit soll die Herstellung von Granulat aus Kunststoff künftig auf drei Standorte in Deutschland konzentriert werden, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Betroffen von der geplanten Schließung seien rund 100 Mitarbeiter. Die Produktion soll in den verbleibenden Anlagen der BASF in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), Schwarzheide (Brandenburg) und Rudolstadt (Thüringen) erfolgen. Das Granulat wird zum Beispiel in der Automobilindustrie verwendet.

BASF kündigte an, mit dem Betriebsrat in Leuna unverzüglich Verhandlungen über die geplante Standortschließung aufnehmen zu wollen. Es gehe um einen Interessenausgleich sowie einen Sozialplan, um wirtschaftliche Nachteile der betroffenen Arbeitnehmer abzumildern, heißt es in der Mitteilung.

Leuna ist eng mit der Geschichte der BASF verbunden. In deren Auftrag wurde der Industriestandort 1916 als Ammoniakwerk Merseburg gegründet, wie ein Sprecher der Infraleuna GmbH sagte. Nach der Fusion der deutschen Chemiekonzerne zur IG Farben wurden die Leunawerke zur größten Anlage, die Kohle verflüssigte, um das später kriegswichtige Leuna-Benzin herzustellen. In der DDR wurde die Produktion mit zeitweise 30.000 Beschäftigten von Braunkohle auf Erdöl aus der Sowjetunion umgestellt.

Heute arbeiten am Standort Leuna gut 10.000 Menschen in 100 Firmen rund um die Raffinerie des französischen Konzerns Total. Die Infrastrukturgesellschaft vermarktet das 1300 Hektar große Industriegelände, das nach 1990 im Zuge des Strukturwandels der ostdeutschen Chemie entstand.

cr/dpa-afx
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