Online-Broker Trade Republic heizt Wettbewerb mit 2 Prozent Zinsen an

Der Online-Broker Trade Republic bietet Kunden ab sofort 2 Prozent Zinsen auf das Geldguthaben ihrer Verrechnungskonten. Firmenchef Hecker spricht vom höchsten effektiven Zinssatz auf dem Markt und will damit seine Wachstumsstory retten.
Wettbewerb um Kunden: "Jetzt das Zinskonto anzubieten ist für uns der nächste logische Schritt", sagt Trade Republic-Chef Christian Hecker

Wettbewerb um Kunden: "Jetzt das Zinskonto anzubieten ist für uns der nächste logische Schritt", sagt Trade Republic-Chef Christian Hecker

Foto: Thomas Trutschel / imago images/photothek

Der Online-Broker Trade Republic lässt seine Kunden von den wieder steigenden Zinsen profitieren und heizt damit den Wettbewerb in der Branche an. Jeder Kunde soll ab sofort 2 Prozent effektiven Jahreszins auf das Geldguthaben seines Verrechnungskontos erhalten, kündigte Trade Republic am Mittwoch in Berlin an. Die Zinsen sollen monatlich ausgezahlt werden.

Das Angebot gelte für Geldguthaben bis zu 50.000 Euro. Mit dem Schritt wolle Trade Republic Europas größte Sparplattform werden. Der Schritt ist zugleich eine Kampfansage an die niederländische ING, die ihren Bestandskunden derzeit lediglich 0,3 Prozent Zinsen anbietet. Gleichzeitig benötigt Trade Republic neue Kunden, da das starke Wachstum der Corona-Zeit inzwischen nachgelassen hat und der Broker auch unter der jüngsten Börsenschwäche leidet.

Das Fintech-Unternehmen der Gründer Christian Hecker (33), Thomas Pischke (32) und Marco Cancellieri (28) ist mit einer Bewertung von knapp fünf Milliarden Euro eine der wertvollsten europäischen Techfirmen. Der 2015 gegründete Handybroker bietet provisionsfrei ETF- und Aktiensparpläne sowie Anlagen in Kryptowährungen an. Trade Republic wuchs in Corona-Zeiten rasant, jetzt aber machen die Rezession und Mängel am alten Geschäftssystem dem Unternehmen zu schaffen .

"Wir bieten effektiv 2 Prozent per annum an, für alle Bestandskunden, für alle Neukunden", sagte Hecker der Nachrichtenagentur Reuters. "Da ist auch kein Sternchen dran, das ist nicht zeitlich limitiert." Das, was Trade Republic anbiete, sei der höchste effektive Zinssatz per annum, den es im deutschen Markt gebe.

Phase der Negativzinsen vorbei

Aus Sicht von Hecker ist die Phase der Negativzinsen in Europa auf absehbare Zeit vorbei. "Wir stehen jetzt wahrscheinlich vor mehreren Jahren der positiven Zinsen", führte er aus. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Kampf gegen die hohe Inflation im Sommer 2022 die Zinswende vollzogen und mittlerweile vier mal in Folge die Schlüsselsätze in zum Teil ungewöhnlich großen Schritten angehoben. Die Negativ-Zinsen wurden abgeschafft: Der Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten und der aktuell der maßgebliche Zinssatz für die Finanzmärkte ist, liegt inzwischen bei 2,0 Prozent. Noch im Juni 2022 war dieser negativ gewesen, was Strafzinsen für die Institute bedeutete. EZB-Präsidentin Christine Lagarde (67) hat zudem weitere Zinsanhebungen in Aussicht gestellt.

Das Bestandsgeschäft von Trade Republic sei schon relativ groß, sagte Hecker weiter. "Jetzt das Zinskonto anzubieten ist für uns der nächste logische Schritt." Trade Republic sei in den vergangenen Jahren zu einem der größten Broker in Europa aufgestiegen. "Wir haben heute schon weit mehr als eine Million Kunden und verwalten mehrere Milliarden an Kundenvermögen", erläuterte er.

Im vergangenen Jahr hatte Trade Republic eine weitere Finanzierungsrunde über 250 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wurde diese vom kanadischen Pensionsfonds Ontario Teachers.

Das abrupte Ende der Nullzinsära, Inflation, Krieg, Energiekrise und die allgemein düsteren Aussichten machen es für viele der eben noch gehypten Firmen schwerer Kapital aufzutreiben. Investoren und Wagnisfinanzierer werden wählerischer, der Druck auf die oftmals defizitären Disruptoren steigt, deutlich schneller profitabel zu werden.

dri/Reuters
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