Ermittlungen ausgeweitet Geldwäsche-Verdacht gegen Wirecard

Jetzt auch noch Geldwäsche: Die Staatsanwaltschaft München weitet ihre Ermittlungen gegen Wirecard-Verantwortliche immer weiter aus.
Ob er das erklären kann? Der damalige Wirecard-Chef Markus Braun (r.) neben Finanzchef Alexander von Knoop, im April 2019.

Ob er das erklären kann? Der damalige Wirecard-Chef Markus Braun (r.) neben Finanzchef Alexander von Knoop, im April 2019.

Foto: Michael Dalder/ REUTERS

Im Skandal um den insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard  geht die Staatsanwaltschaft München nun auch dem Verdacht der Geldwäsche nach. "Wir ermitteln wegen Geldwäscheverdachts gegen Verantwortliche des Unternehmens und gegen Unbekannt", sagte eine Sprecherin der Strafverfolgungsbehörde am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft prüfe eine Reihe entsprechender Anzeigen aus dem laufenden und aus dem vergangenen Jahr. Eine Wirecard-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

Wirecard war nach Aufdeckung eines Bilanzlochs von 1,9 Milliarden Euro  im Juni zusammengebrochen. Bislang hatte die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang wegen Betrugs, Bilanzfälschung und Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen Vorstandschef Markus Braun (51) und weitere Manager Ermittlungen aufgenommen, unter anderem Brauns Vertrauten Jan Marsalek (40), der weiterhin flüchtig ist. Wegen des Verdachts verschiedener Finanzstraftaten im Umfeld von Wirecard sind weltweit Strafverfolgungsbehörden aktiv, unter anderem in den USA, in Singapur und auf den Philippinen.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass US-Behörden einer möglichen Verwicklung Wirecards in einen 100 Millionen Dollar schweren Fall von Bankbetrug mit Marihuana-Handel nachgehen. Demnach sollen zwei Geschäftsleute zusammen mit Zahlungsabwicklern US-Banken über die Herkunft der Gelder getäuscht haben, um unbemerkt gegen Handelsverbote verstoßen zu können. Zwei Insider bestätigten einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal".

Wirecard entwickelt sich damit zum facettenreichsten Kriminalfall der Dax-Geschichte. Seine Aufklärung bekommt auch dadurch besondere Brisanz, weil zwischen einzelnen Kontrollinstanzen noch über die Verantwortung für den Skandal gestritten wird. In der Vergangenheit wurden gegen Wirecard immer wieder Vorwürfe laut, die auch den Aktienkurs massiv bewegten. In Deutschland sahen Finanzaufsicht Bafin und Staatsanwaltschaft lange Zeit nur Anhaltspunkte für Marktmanipulation durch Außenstehende. Das Amtsgericht München urteilte dann allerdings in zwei Fällen, dass es dafür keine ausreichenden Beweise gebe. Ein Ermittlungsverfahren gegen Investoren und Journalisten wegen des Verdachts der Marktmanipulation dauert nach Angaben der Staatsanwaltschaft München noch an. Der Wirtschaftsprüfer EY testierte die Bilanzen des Zahlungsdienstleisters jahrelang ohne Einschränkung.

Bereits 2010 und 2015 nahmen die Münchner Strafverfolger Wirecard wegen Geldwäscheverdachts ins Visier. Ein umfangreiches Ermittlungsverfahren sei 2012 nach zwei Jahren mangels Tatverdachts eingestellt worden, sagte eine Sprecherin. In einem weiteren Verfahren durchsuchten die Münchner Ermittler im Jahr 2015 im Auftrag der USA Büros von Wirecard. Was aus diesem Verfahren wurde, ist nicht bekannt. Die Münchner verweisen auf eine Zuständigkeit des US-Justizministeriums. Das Ministerium lehnte eine Stellungnahme ab.

soc/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.