Journalisten brachten Skandal ins Rollen Ermittlungen gegen Wirecard-Enthüller der "FT" eingestellt

Die Berichte der "Financial Times" hatten die Aufdeckung des milliardenschweren Bilanzskandals um Wirecard erst angeschoben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen zwei Enthüllungsjournalisten eingestellt.
Wirecard: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs

Wirecard: Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs

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LISI NIESNER / REUTERS

Im Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard hat die Staatsanwaltschaft München I die Verfahren gegen zwei Journalisten der "Financial Times" in London eingestellt. Die Behörde teilte am Donnerstag mit, die Berichterstattung der beiden sei grundsätzlich zutreffend und "jedenfalls vom Standpunkt der damaligen Informationslage aus weder falsch noch irreführend" gewesen.

Die britische Zeitung hatte seit 2015 regelmäßig über Unstimmigkeiten in den Bilanzen des Zahldienstleisters berichtet und so die Aufdeckung des Skandals ins Rollen gebracht. Wegen der Artikel stürzte der Aktienkurs der Wirecard AG  ab und verlor in wenigen Tagen fast die Hälfte seines Wertes. Wirecard und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatten Strafanzeige wegen des Verdachts einer Marktmanipulation gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Journalisten. Der Verdacht lautete, die Reporter könnten mit Börsenspekulanten gemeinsame Sache machen, um von den zu erwartenden Kursverlusten nach Bekanntwerden der Berichte über Wirecard zu profitieren.

"Anhaltspunkte, dass die Beschuldigten selbst bewusst Inhalt und Zeitpunkt ihrer Berichte Dritten bekannt gegeben hätten und damit Insiderinformationen weitergegeben haben, ergaben sich nicht", hieß es von der Staatsanwaltschaft am Donnerstag weiter. Allerdings werde gegen mögliche sogenannte Shortseller weiter ermittelt. Darunter sind ebenjene Börsenspekulanten zu verstehen, die womöglich vor dem Erscheinen der Artikel auf Kursverluste wetteten, um so Geld zu verdienen. Denn die Ermittlungen, so die Staatsanwaltschaft, deuteten darauf hin, dass vielleicht bislang Unbekannte vom Erscheinen der Berichte wussten.

Der inzwischen aus dem Dax geflogene Münchener Zahlungsdienstleister Wirecard hatte im Juni Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt und in der Folge Insolvenz angemeldet. Die Münchener Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Unternehmen seit 2015 Scheingewinne auswies, und ermittelt wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun wurde verhaftet, der frühere Finanzchef Jan Marsalek befindet sich auf der Flucht. Im Herbst soll ein Untersuchungsausschuss im Bundestag den Fall aufarbeiten.

cs/Reuters, dpa-afx
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