Schulterzucken im U-Ausschuss Wirecards Bilanzchef wusste angeblich von nichts

Als Bilanzchef von Wirecard saß Stephan von Erffa im Herzen eines der größten Bilanzskandale Deutschlands - doch er will von nichts gewusst haben. Im Bundestags-Untersuchungsausschuss zeigte er mit dem Finger auf jemand anderen.
Weltweit gesucht: Wirecards Ex-Vorstand Jan Marsalek gilt als Hauptverantwortlicher für den Bilanzskandal - auch Ex-Bilanzchef Stephan von Erffa will ihm die Schuld zuschieben

Weltweit gesucht: Wirecards Ex-Vorstand Jan Marsalek gilt als Hauptverantwortlicher für den Bilanzskandal - auch Ex-Bilanzchef Stephan von Erffa will ihm die Schuld zuschieben

Foto: Sean Gallup / POOL / EPA

Er galt als Schlüsselzeuge, der frühere Bilanzchef von Wirecard. Wie der milliardenschwere Betrug unentdeckt bleiben konnte, wusste aber auch Stephan von Erffa am Donnerstag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Bundestages nicht zu erklären.

Er habe nichts bemerkt, beteuerte von Erffa. Die Schuld für den Skandal trage der flüchtige Ex-Vorstand Jan Marsalek (40), zeigte sich der ehemalige Bilanzchef überzeugt. Beweisen könne er das aber nicht. Marsalek war für das operative Geschäft zuständig. Medienberichten zufolge soll er nach Russland geflüchtet sein.

Von Erffa entschuldigte sich für den milliardenschweren Finanzskandal bei dem Münchener Zahlungsabwickler. Es täte ihm leid, dass mit den bestehenden Mechanismen und Organen innerhalb des einstigen Dax-Konzerns der Betrug nicht aufgeflogen sei, so 46-Jährige. "Es war für mich unvorstellbar, das so was passieren konnte." Viele Beteiligte hätten eine "gewisse Verantwortung", dem wolle er sich auch nicht entziehen. Er sei "vielleicht zu gutgläubig gewesen", hätte hartnäckiger nach Belegen fragen können.

Wirecard war im Juni 2020 nach der Aufdeckung eines 1,9 Milliarden Euro großen Lochs in der Bilanz in die Pleite gerutscht. Schon Jahre vor der Insolvenz hatte es Warnhinweise gegeben, weswegen die Aufsichtsbehörde Bafin, das Bundesfinanzministerium und die Wirtschaftsprüfer EY massiv in der Kritik stehen. Die Münchener Staatsanwaltschaft wirft mehreren Ex-Managern unter anderem gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor.

Bilanzchef will von Betrug nichts gewusst haben

Von Erffa, der wegen einer möglichen Verstrickung in Untersuchungshaft sitzt, war als Chef der Bilanzabteilung dafür zuständig, die Einzelabschlüsse der Töchter zu prüfen und im Konzern zu konsolidieren. Seit 2007 war er mit den Bilanzen betraut. "Uns kamen nie Zweifel, dass etwas nicht authentisch ist." Er habe kein Wissen vom Betrug gehabt. Die Bilanzen seien stets nach bestem Wissen und Gewissen geprüft worden. Auch EY habe sicherlich keine Kenntnis vom Betrug gehabt.

rei/Reuters