Sonntag, 25. August 2019

"Financial Times" dementiert Kooperation mit Shortsellern Wirecard hat angeblich "unwiderlegbare Beweise"

Markus Braun, Vorstandschef des Zahlungsabwicklers Wirecard, legt im Streit um die Berichterstattung mit der "Financial Times" nach
Peter Kneffel/DPA
Markus Braun, Vorstandschef des Zahlungsabwicklers Wirecard, legt im Streit um die Berichterstattung mit der "Financial Times" nach

Wirecard glaubt "unwiderlegbare Beweise" für eine angebliche Kooperation zwischen Mitarbeitern der renommierten "Financial Times" und Börsen-Spekulanten zu besitzen, heißt es. Die Londoner Wirtschaftszeitung dementiert entschieden.

Der Zahlungsdienstleister Wirecard sieht den Verdacht einer Zusammenarbeit zwischen Aktien-Spekulanten und der "Financial Times" (FT) bestätigt. Das Unternehmen habe Beweismittel an die Staatsanwaltschaft München I übergeben.

Zu den Beweismitteln zähle der Mitschnitt eines Gesprächs vom vergangenen Mittwoch zwischen zwei Investoren , in dem es um einen bevorstehenden Bericht der Londoner Zeitung über Wirecard gehe, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. In dem Mitschnitt erzähle einer der Investoren seinem Gesprächspartner, dass er den angeblich bevorstehenden FT-Bericht für eine millionenschwere Spekulation gegen Wirecard nutzen wolle.

Die Staatsanwaltschaft wollte sich am Montag nicht dazu äußern, Wirecard nahm ebenfalls keine Stellung. Eine Sprecherin der FT wies die Vorwürfe entschieden zurück: "Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der FT mit Shortsellern oder anderen Dritten, was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von FT-Artikeln über Wirecard betrifft", zitiert das "Handelsblatt" die Sprecherin.

Wirecard habe die "FT" in einem über die Anwaltskanzlei Herbert Smith Freehills übermittelten Schreiben aufgefordert, bis auf weiteres nicht mehr über das Unternehmen zu berichten und stattdessen eine interne Untersuchung über ein mögliches Fehlverhalten in der Redaktion zu starten, schreibt das "Handelsblatt".

Wirecard habe mit der Audiodatei "unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Financial Times und Shortsellern", heißt in dem Schreiben, das der Düsseldorfer Wirtschaftszeitung vorliege. Die Authentizität des Audio-Materials indes habe bislang nicht verifiziert werden können.

FT-Sprecherin dementiert: "Es gab keinerlei geheime Absprachen"

Die Aktie von Wirecard Börsen-Chart zeigen legte am Montagvormittag rund 1,4 Prozent zu, nachdem sie bereits am Freitag deutlich hinzugewonnen hatte. Am Freitag war bekannt geworden, dass Zahlungsabwickler in den deutschen Filialen der Aldi-Gruppe künftig einen Teil der Kartenzahlungen übernimmt.

Eine Reihe von kritischen Berichten der "FT" seit Anfang des Jahres hatte die Wirecard-Aktie immer wieder abstürzen lassen. Das Unternehmen und die deutsche Finanzaufsicht Bafin hegen den Verdacht, dass sich Leerverkäufer das zunutze gemacht haben.

Die Bafin hatte Leerverkäufe mit Wirecard-Aktien im Frühjahr sogar für zwei Monate verboten. Dem "Handelsblatt" zufolge hatte die "Financial Times" tatsächlich einen weiteren Bericht über Wirecard geplant und dem Unternehmen dazu einen Fragenkatalog zukommen lassen.

rei mit Reuters

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