Montag, 22. April 2019

Jubelmeldung ohne Substanz Wie die feine Privatbank Hauck & Aufhäuser ihre Bilanz vernebelt

Das Gebäude der Privatbank Hauck und Aufhäuser in München.

5. Teil: 4. Kapitel: Der Verkauf einer alten H&A-Tochter an eine der neuen Gesellschaften

Neben der Erstkonsolidierung der Sal.-Oppenheim-Gesellschaften stieß "Finanz-Szene.de" bei den Recherchen auf eine weitere spannende Begebenheit: Am 28. Dezember 2017 - also kurz vor Jahresende - verkaufte H&A eine ihrer schon bestehenden Töchter (es handelte sich um die Hauck & Aufhäuser Investment Gesellschaft S.A.) an eine der frisch hinzugewonnenen Sal.-Oppenheim-Gesellschaften. Auch wenn im Geschäftsbericht an keiner Stelle explizit erwähnt wird, welcher Preis hierfür floss, so lassen sich doch auch zu dieser Transaktion ein paar Rückschlüsse ziehen.

An mehreren Stellen im Abschluss heißt es nämlich, dass der Gewinn aus der Veräußerung der bilanziellen Rücklagenposition dem "Fonds für allgemeine Bankrisiken" zugeführt wurde. De facto ging es also um eine stille Reserve, die auf Basis eines Wertgutachtens in der Bank gehoben und sodann in den Risikenfonds eingestellt wurde. Diese Zuführung betrug laut Lagebericht 54,4 Mio. Euro. Zugleich ist aus der eigentlichen Bank ein Buchwert von 8,9 Mio. Euro abgegangen - womit sich ein Kaufpreis von 63,3 Mio. Euro. ergibt. Diese Summe deckt sich mit Angaben, die sich wiederum im luxemburgischen Handelsregister finden.

Hauck & Aufhäuser betont in diesem Zusammenhang, dass der Kaufpreis "durch eine externe Bewertung von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer bestimmt wurde". Weiter heißt es in der Stellungnahme: "In der Bank entstand aus dem konzerninternen Verkauf […] ein Ertrag von außerordentlicher Höhe, der dem Fonds für allgemeine Bankrisiken der Bank zugeführt wurden. Der Fonds für allgemeine Bankrisiken erhöhte sich in der Bank im Berichtsjahr um 54.367 Tsd. Euro auf 64.569 Tsd. Euro. Im Konzern erhöhte sich der Fonds für allgemeine Bankrisiken von 4.427 Tsd. Euro auf 9.744 Tsd. Euro."

5. Kapitel: Wie H&A den Speck vom Schwein trennt, obwohl das Schwein noch lebt

Wie ist der "Tochter an die Tochter verkauft"-Deal nun bilanziell einzuordnen? Zunächst einmal hat die Transaktion keinen (größeren) GuV-Effekt in der Konzernbilanz, da die gehobenen Reserven ja dem "Fonds für allgemeine Bankrisiken" zugutekamen. Allerdings: Durch den Deal wurde quasi der Speck vom Schwein getrennt. Und diesen Speck könnte Hauck & Aufhäuser als Muttergesellschaft nun theoretisch nach Bedarf verzehren, in dem die Rücklagen aus dem Fonds einfach aufgelöst werden (alternativ kann das Eigenkapital natürlich auch genutzt werden, um mehr Geschäft zu machen). Per se ist gegen die ganze Transaktion natürlich nichts einzuwenden. Die Frage allerdings lautet: Ist die Tochter wert, was das Gutachten ermittelt hat? War also die Reserve, die gehoben wurde, überhaupt in der Form vorhanden?

Hier lautet die Antwort aus Sicht von "Finanz-Szene.de": Naja … Denn den Recherchen zufolge bewertet das Gutachten die Gesellschaft mit dem gut 20-Fachen des Eigenkapitals beziehungsweise mit dem knapp 20-Fachen des Nachsteuerergebnisses. Zum Vergleich: Die von der Deutschen Bank mit Ach und Krach an die Börse gebrachte DWS kommt gerade mal auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13.

Hauck & Aufhäuser merkt hierzu an: "Die Bewertung basiert auf den Prinzipien aus dem Standard S1 'Grundsätze für die Durchführung von Unternehmensbewertungen' (IDW S1) und den IDW Accounting Principles 'Anwendung der Grundsätze von IDW S1 bei der Bewertung von Beteiligungen und anderen Gesellschaftsanteilen für die Zwecke der Erstellung von Abschlüssen in Übereinstimmung mit Deutsches Handelsrecht' (IDW RS HFA 10)".

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