Sonntag, 21. April 2019

Jubelmeldung ohne Substanz Wie die feine Privatbank Hauck & Aufhäuser ihre Bilanz vernebelt

Das Gebäude der Privatbank Hauck und Aufhäuser in München.

4. Teil: 3. Kapitel: Eine rechnerische Annäherung an den passiven Unterschiedsbeitrag

Der Wert der Anteile, die "Hauck & Aufhäuser" an verbundenen Kreditinstituten hält, hat sich 2017 laut Jahresabschluss um 71 Mio. Euro verändert - diese Differenz muss auf die beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften zurückzuführen sein (jedenfalls gibt es keine andere schlüssige Erklärung). Das Eigenkapital dieser beiden Firmen betrug per Jahresende 114 Mio. Euro. Hieraus ergibt sich ein passiver Unterschiedsbetrag von 114 - 71 = 43 Mio. Euro. Da es sich bei einer der beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften um die Tochter der anderen handelt (das geht aus dem luxemburgischen Handelsregister hervor), muss hiervon das Eigenkapital der kleineren Gesellschaft (6 Mio. Euro) noch abgezogen werden. Bleibt ein passiver Unterschiedsbetrag (beziehungsweise ein "Lucky Buy") von 37 Mio. Euro.

Diese 37 Mio. Euro entsprechen von der Größenordnung her nun mehr oder weniger den besagten "sonstigen betrieblichen Erträgen" in Höhe von 34,6 Mio. Euro. "Finanz-Szene.de" schlussfolgert daher, dass diese Bilanzposition im Großen und Ganzen aus der Erstkonsolidierung der beiden Sal.-Oppenheim-Gesellschaften stammen dürfte. Daraus wiederum ergibt sich aus unserer Sicht die folgende Vermutung: Der ausgewiesene Vorsteuergewinn in Höhe von rund 29,5 Mio. Euro dürfte ganz wesentlich nicht operativ erzielt worden sein.

Hauck & Aufhäuser stellt hierzu auf Anfrage klar, dass der Verdacht, 2017 könnte es einen operativen Verlust gegeben haben, "falsch" sei. Eine Sprecherin verweist in diesem Zusammenhang unter anderem darauf, dass die "sonstigen betrieblichen Erträge" zum Beispiel auch auf Erträge aus Devisengeschäften zurückzuführen seien.

Darüber hinaus teilt H&A in einer schriftlichen Stellungnahme mit:

  • "Das veröffentlichte operative Ergebnis (Lagebericht Abschnitt 3.6.2.1) reflektiert die Erfolgsspaltung der Gewinn- und Verlustrechnung und unterscheidet zwischen dem "operativen Ergebnis" und dem "außerordentlichen Ergebnis". Hauck & Aufhäuser hat als Kreditinstitut bei der Bilanzierung über die allgemeinen Rechnungslegungsvorschriften auch die speziell für Kreditinstitute geltenden Bestimmungen der §§ 340 ff. HGB und der RechKredV zu beachten. Hieraus ergeben sich formelle und materielle Unterschiede zur Bilanzierung bei Nichtbanken."
  • In der Analyse von "Finanz-Szene.de" fehle "die vollständige Anwendung der Konsolidierungsgrundsätze nach deutschem Handelsrecht".
  • "Im Konzern entstand zum Zeitpunkt der Erstkonsolidierung von beiden Oppenheim-Gesellschaften im Zuge der Kapitalkonsolidierung ein passiver Unterschiedsbetrag, der auf Grund seines Eigenkapitalcharakters erfolgswirksam im Konzern vereinnahmt wurde. Ferner mussten im Konzern Wertberichtigungen auf Beteiligungen vorgenommen werden und in der Bank entstanden Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen."

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