Sonntag, 21. April 2019

Jubelmeldung ohne Substanz Wie die feine Privatbank Hauck & Aufhäuser ihre Bilanz vernebelt

Das Gebäude der Privatbank Hauck und Aufhäuser in München.

3. Teil: 2. Kapitel: Ganz ohne guten Willen - der "Lucky Buy" von Hauck & Aufhäuser

Hauck & Aufhäuser hat 2017 zwei bedeutende Zukäufe getätigt, nämlich die Deutsche-Bank-Töchter Sal. Oppenheim jr. & Cie. Luxembourg S.A. und Sal. Oppenheim Asset Management Services S.à r.l.

Hierzu ein kleiner Exkurs: Wenn ein Unternehmen ein anderes kauft, dann entsteht dabei häufig ein rechnerischer Verlust. Das liegt normalerweise daran, dass der Käufer dem Unternehmen eine höhere Ertragskraft zubilligt und mehr bezahlt, als das akquirierte Unternehmen Eigenkapital ausweist. Um diesen "rechnerischen Verlust" im Zuge der Erstkonsolidierung auszugleichen, wird ein sogenannter aktiver Unterschiedsbetrag gebildet, besser bekannt als "Goodwill".

Einen ähnlichen Effekt würde man zunächst auch bei den Hauck-Aufhäuser-Sal-Oppenheim-Transaktionen vermuten. Die Analyse von "Finanz-Szene.de" zeigt jedoch: Die Erstkonsolidierung führte gerade nicht zu einem aktiven Unterschiedsbetrag - sondern im Gegenteil zu einem passiven Unterschiedsbetrag. Das heißt: H&A zahlte für die beiden Gesellschaften weniger, als die beiden Firmen Vermögen aufwiesen.

Für den passiven Unterschiedsbetrag aus der Erstkonsolidierung gibt es nun zwei Fachbegriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen: "Badwill" und "Lucky Buy". Handelt es sich um einen "Badwill", dann erwartet der Käufer eine zunächst schwache Geschäftsentwicklung - und zahlt darum weniger, als die Vermögenswerte auf dem Papier wert sind. Der "Badwill" ist also eine Art Schuld, die zu passivieren und im Zeitablauf aufzulösen ist, um die erwarteten Verluste zu decken.

Ganz anders verhält es sich mit dem "Lucky Buy". Hier geht der Käufer davon aus, ein Schnäppchen getätigt zu haben. Also kann er sich, wenn er möchte, den Unterschiedsbetrag gleich als Profit in die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) schreiben. Genau das ist bei "Hauck & Aufhäuser" offenkundig geschehen.

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