US-Großbank Wells Fargo fordert 75 Millionen von Ex-Bossen

Nach einem Skandal um Scheinkonten setzte die US-Großbank Wells Fargo eine interne Untersuchungskommission ein. Ergebnis: Das Geldhaus habe eine "aggressive Verkaufskultur" geschaffen - die Verantwortlichen sollen jetzt zahlen.
Wells-Fargo-Schriftzug

Wells-Fargo-Schriftzug

Foto: © Rick Wilking / Reuters/ REUTERS

Im Skandal um fingierte Konten bei Wells Fargo  hat der Verwaltungsrat die Ursachenforschung abgeschlossen und der US-Großbank schwerwiegende kulturelle und strukturelle Probleme attestiert. Das Management habe eine "aggressive Verkaufskultur" geschaffen, so ein Ergebnis des 113 Seiten starken Berichts, der auf Interviews mit rund hundert aktuellen und ehemaligen Managern basiert.

Die Untersuchung mündet in der Forderung, insgesamt 75 Millionen Dollar von Ex-Bankchef John Stumpf und der ehemaligen Chefin des Privatkundengeschäfts, Carrie Tolstedt, zu kassieren.

Wells Fargo hatte vor Monaten bereits eingeräumt, dass Angestellte mehr als zwei Millionen Spar- und Kreditkartenkonten ohne Erlaubnis der Kunden eingerichtet hatten - um die vorgegebenen Ziele zu erreichen.  Tausende Mitarbeiter wurden im Zuge des Skandals gefeuert, auch Vorstandschef John Stumpf musste seinen Posten räumen.

Zuletzt hatte die zweitgrößte US-Bank einen Vergleich über 110 Millionen Dollar mit Sammelklägern geschlossen . Zudem hatte Wells Fargo Geldstrafen in Höhe von mehr als 185 Millionen Dollar von mehreren US-Behörden akzeptiert.

Die aggressive Verkaufskultur, so der Untersuchungsbericht, habe auch durch einen schwachen Vorstandschef und weitreichende dezentrale Strukturen gedeihen können. Der damalige Vorstandschef Stumpf habe seiner Privatkundenchefin Tolstedt blindlings vertraut, er habe sie "Amerikas beste Bankerin" genannt.

Nachdem erste interne Kritik an dem Scheinkonten-System aufkam, habe Stumpf zu langsam reagiert. Seiner Meinung nach, so der Verwaltungsrat, hätten nur wenige Mitarbeiter den Skandal verursacht.

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