Wells-Fargo-Vorstände müssen verzichten Skandal-Bank streicht Chef 41 Millionen Dollar Boni

Wells-Fargo-Chef John Stumpf

Wells-Fargo-Chef John Stumpf

Foto: GARY CAMERON/ REUTERS

Der Wells-Fargo-Skandal trifft nun auch die persönliche Finanzplanung von Bankchef John Stumpf: Dem Vorstandschef dürften bald 41 Millionen Dollar fehlen. So viel sind die Aktienoptionen wert, die Stumpf eigentlich noch als Gehaltsbestandteile der vergangenen Jahre zustehen - und die die Bank ihm nun aber gestrichen hat. Auch die ehemalige Privatkundenchefin der Bank, Carrie Tolstedt, soll auf 19 Millionen Dollar verzichten.

Hintergrund ist ein Skandal, der das Geldhaus seit mehreren Wochen erschüttert - und der dazu geführt hat, dass es seinen Titel als größte Bank der Welt nach Börsenwert verloren hat.

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Tausende Mitarbeiter der Bank sollen Kunden über Jahre systematisch zum Kauf teurer Finanzprodukte überredet und mehr als zwei Millionen teils gebührenpflichtige Konten ohne deren Wissen eingerichtet haben. Die US-Politik ist empört. Dieses Verhalten sei nicht zu akzeptieren, schimpfte Finanzminister Jack Lew. An diesem Donnerstag muss Vorstandschef Stumpf vor einem Parlamentsausschuss in Washington aussagen. Es geht vor allem um die Frage, ob die Bank ihren Mitarbeitern zu hohe Verkaufsziele gesetzt und sie so in unlautere Praktiken getrieben hat.

Ehemalige Mitarbeiter verklagen Wells Fargo

Der Konzern hat seine Verkaufsziele inzwischen geändert. Bereits Anfang September hatte er einer Strafe von 185 Millionen Dollar zugestimmt. Zudem wurden rund 5300 Mitarbeiter wegen unangemessenen Verhaltens entlassen. Nach eigenen Angaben hat die Bank betroffenen Kunden auch 2,6 Millionen Dollar an Gebühren zurückerstattet.

Der Skandal hat die Erfolgsgeschichte von Wells Fargo arg angekratzt. Das einst eher kleine Institut war nach der Finanzkrise und der Übernahme des angeschlagenen Konkurrenten Wachovia gigantisch gewachsen. 2015 hatte es die chinesische ICBC als nach Börsenwert größte Bank der Welt abgelöst. Erst in den vergangenen Wochen hat sie diesen Status wieder verloren, weil der Aktienkurs als Folge des Skandals deutlich gesunken ist.

Für Vorstandschef Stumpf ist das auch persönlich ein schwerer Rückschlag. Er ist insgesamt seit fast 35 Jahren im Unternehmen und steht seit 2007 an der Spitze. Mit den 41 Millionen Dollar verliert er laut "Wall Street Journal" rund ein Viertel dessen, was er in seiner gesamten Laufbahn bei Wells Fargo verdient hat. Die Zeitung beruft sich dabei auf eine Untersuchung des Personalberaters Overture Group.

Zuletzt hatte der Wells-Fargo-Skandal für Schlagzeilen gesorgt, weil ehemalige Beschäftigte, die teils wegen ihrer Bedenken gegenüber der Geschäftspraxis gefeuert worden sein sollen, in Kalifornien eine Sammelklage gegen das Bankhaus eingereicht haben - 2,6 Milliarden Dollar schwer.

luk, stk / afp