Samstag, 21. September 2019

Neue Führung für die Deutsche Bank Warum John Cryan der logische Ersatz für Anshu Jain ist

Muss jetzt ran: John Cryan, hier eine Aufnahme aus dem Juli 2010, als er noch Finanzvorstand des Deutsche-Bank-Rivalen UBS war.

In der März-Ausgabe 2014 erwähnte manager magazin erstmals John Cryan als möglichen Nachfolger für Anshu Jain. Unter dem Titel "Die Risikoanleihe" beschrieben wir die wichtige Rolle des Co-Vorstandschefs für Deutschlands wichtigste Bank und warum Cryan als Feuerwehrmann einspringen könnte. Nach dem nun erfolgten Chefwechsel dokumentieren wir den Beitrag, der Ende Februar 2014 erschien.

John Cryan (53) hat sich eine gesunde Work-Life-Balance zurechtorganisiert. Seit zwei Jahren steuert der Brite von London aus das Europa-Geschäft von Temasek, dem Staatsfonds von Singapur, in dem satte 125 Milliarden Euro stecken. Der Jobtitel ist wuchtig, die Verantwortung indes überschaubar: Lediglich 8 Prozent ihres Geldes haben die Asiaten in Unternehmen aus Europa investiert.

Mit der Balance in Cryans Leben könnte es bald vorbei sein. Dem Briten, 1960 geboren und 2008 bis 2011 Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS, droht sein Lebenslauf zum Verhängnis zu werden. Cryan ist international gut vernetzt, tadellos beleumundet und vor allem: seit Mai 2013 Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Das alles qualifiziert ihn für die Schlüsselrolle im Notfallszenario des gestressten Bankhauses: Ersatzmann für Anshu Jain (51), Co-Vorstandschef neben Jürgen Fitschen (65).

Jain steht wegen seiner Vergangenheit als wohl ausgebufftester Investmentbanker seiner Generation unter verschärfter Beobachtung der Finanzaufsicht Bafin, beträchtliche Teile deutscher Vorstandswelten sehen ihn mit großer Skepsis, vom deutschen Teil der Belegschaft ganz zu schweigen. "Wenn es darum geht, wer im Ernstfall für Jain an die Spitze rücken kann, fällt immer öfter Johns Name", heißt es aus der Konzernspitze.

Eine Untersuchung nach der nächsten rollt über die Bank hinweg. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wirft Jain mangelnden Aufklärungswillen bei zahlreichen Skandalen vor und unterzieht das Geldhaus gerade einer Sonderprüfung wegen mutmaßlicher Devisenmanipulationen. Wenn die Aufseher Jain, jahrelang für den Währungshandel mitverantwortlich, Regelverstöße nachweisen können, dann war es das wohl für ihn."Das Devisenthema hat sicherlich das Potenzial für einen Skandal", sagt Raimund Röseler (51), als Exekutivdirektor oberster Bafin-Bankenaufseher. Einige im Aufsichtsrat der Bank rechnen bereits mit dem Kriegsfall. "Der Bafin ist zuzutrauen, dass wir den Auftrag bekommen, uns von unseren Bankchefs zu trennen", heißt es dort.

© manager magazin 3/2014
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