Einigung im US-Hypothekenstreit Credit Suisse zahlt 5,3 Milliarden Dollar

Tidjane Thiam: Der Credit-Suisse-Chef wehrte sich lange gegen die Höhe der Forderung, willigte dann aber ein, weil er eine Klage fürchtete

Tidjane Thiam: Der Credit-Suisse-Chef wehrte sich lange gegen die Höhe der Forderung, willigte dann aber ein, weil er eine Klage fürchtete

Foto: Ennio Leanza/ dpa

Die Auseinandersetzung um umstrittene US-Hypothekengeschäfte kommt die Credit Suisse teuer zu stehen. Die nach der UBS zweitgrößte Schweizer Bank muss insgesamt rund 5,3 Milliarden Dollar zahlen, um das Thema abhaken zu können, teilte die Bank am Freitag mit.

Die Zahlung setze sich zusammen aus einem Bußgeld von 2,48 Milliarden Dollar und Entschädigungszahlungen für die Verbraucher von 2,8 Milliarden Dollar. Die Entschädigungen sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren entrichtet werden. Der mit dem US-Justizministerium ausgehandelte Vergleich müsse noch unterschrieben und vom Credit-Suisse-Verwaltungsrat genehmigt werden. Das Institut lege zur Finanzierung der Zahlungen im vierten Quartal zusätzlich zwei Milliarden Dollar beiseite, sodass der Konzern im Gesamtjahr erneut rote Zahlen schreiben dürfte.

Kurz zuvor hatte auch die Deutsche Bank eine Einigung mit dem US-Justizministerium bekannt gegeben. Demnach muss die Bank für Ihre Tricksereien auf dem US-Immobilienmarkt 3,1 Milliarden Dollar zahlen. Analog zu den Schweizern fallen weitere 4,1 Milliarden Dollar fallen in den nächsten fünf Jahren für Verbraucherentschädigungen.

Credit-Suisse-Zahlung etwa in Höhe der Forderungen

Die Strafzahlungen der Credit Suisse liegen im Rahmen der Forderungen der Amerikaner von fünf bis sieben Milliarden Dollar, gegen die sich die Bank Insidern zufolge wochenlang gewehrt hatte. Doch offenbar zog die Bank eine hohe Zahlung einer möglichen Klage vor, mit der die Amerikaner gedroht hatten. Händler gingen in einer ersten Einschätzung davon aus, dass Credit Suisse das Geld ohne eine weitere Kapitalerhöhung zusammenbringen dürfte. Vorbörslich kletterten die Aktien der Credit Suisse um 2,4 Prozent.

Die Rückstellungen für sämtliche Rechtsstreitigkeiten beliefen sich Ende 2015 auf 1,6 Milliarden Franken. Im November hatte die Bank weitere 357 Millionen Franken beiseite gelegt, ein großer Teil davon in Zusammenhang mit Hypothekenfällen. Der Hypothekenstreit ist der größte offene Rechtsfall für die Credit Suisse, betrifft aber nicht nur das Zürcher Institut. Unter anderem stehen auch Erzrivale UBS sowie die Deutsche Bank im Visier der US-Justiz. Die Frankfurter erreichten in der Nacht auf Freitag ebenfalls eine Grundsatzeinigung mir dem Justizministerium, die sie mehr als sieben Milliarden Dollar kostet.

Die Strafe wegen Tricksereien am Immobilienmarkt ist für die Credit Suisse nicht die erste Multi-Milliarden-Buße. 2014 hatte das Institut wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung amerikanischer Kunden 2,8 Milliarden Dollar bezahlt, die bis dahin höchste Geldstrafe in der Schweizer Bankengeschichte.

Viele Großbanken haben sich auf dem amerikanischen Immobilienmarkt über Jahre viel Geld verdient. Sie vergaben Hypotheken an mittellose Familien und blähten damit ihr Kreditgeschäft auf. Die Risiken wurden anschließend an Investoren weitergereicht - in Form von hochkomplexen Anleihen, die den Banken ebenfalls hohe Gebühren in die Kasse spülten. Der Kollaps dieses Marktes im Jahr 2007 war ein Auslöser der Finanzkrise.

Rei/Reuters
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