"Gravierende Mängel" Bafin verhängt Neukundenverbot bei Wirecard-Nachfolger Unzer

Die Finanzaufsicht hat bei dem Heidelberger Zahlungsdienstleister Unzer Probleme mit Geldwäsche sowie Transaktionen mit Scheinfirmen festgestellt. Jetzt schickt die Bafin einen Sonderbeauftragten und ordnet ein Neukundenverbot an.
Will die Mängel korrigieren: Unzer-Chef Robert Bueninck

Will die Mängel korrigieren: Unzer-Chef Robert Bueninck

Foto: Unzer GmbH

Gravierende Mängel in der Unternehmensführung und mangelhafte Kontrollmechanismen: Die Vorwürfe der Finanzaufsicht Bafin gegen den deutschen Zahlungsdienstleister Unzer wiegen schwer. Die Bafin ordnete ein Neukundenverbot bei der Unzer-Tochter Unzer E-Com GmbH an und bestellte Mitte August einen Sonderbeauftragen für die Payment-Firma, wie die Finanzaufsicht am Mittwoch mitteilte. "Eine Sonderprüfung, die von der Bafin in Auftrag gegeben wurde, ergab eine Vielzahl von zum Teil gravierenden Mängeln in den Bereichen der angemessenen Maßnahmen der Unternehmenssteuerung, Kontrollmechanismen und Verfahren," erklärte die Behörde.

Das Heidelberger Unternehmen will der deutsche Payment-Champion werden, doch mutiert aufgrund seiner Probleme im Kampf gegen Geldwäsche eher zum Wirecard-Nachfolger. Das manager magazin hatte kürzlich berichtet , dass die Finanzaufsicht dem Payment-Dienst darum eine harte Wachstumsbremse verordnen könnte. Die ist mit dem Neukundenverbot nun gekommen.

Unzer wolle weiterhin mit der Finanzaufsicht kooperieren und die Compliance-Prozesse stärken, hieß es in einer Stellungnahme vom Unternehmen. "Gleichzeitig werden wir die von der Bafin beanstandeten Prozesse vollumfänglich korrigieren und vertrauensvoll mit dem Sonderbeauftragten zusammenarbeiten", sagte Unzer-Chef Robert Bueninck (42).

Finanzaufsicht stellt Verbindungen zu Scheinfirmen fest

Die Aufseher stellten der Bafin zufolge schwerwiegende Mängel in Verbindung mit dem Geldwäschegesetz fest. "Die gravierendsten Mängel betrafen eine spezielle Zahlungsdienstleistungskonstruktion mit mehreren hundert Händlern, der Großteil davon Scheinfirmen." Das Monitoring der Transaktionen sei demnach bei dem Payment-Unternehmen aus Heidelberg "lückenhaft oder nicht vorhanden".

Unzer bietet internationale Zahlungsabwicklung und Risikomanagement für Händler und bedient nach eigenen Angaben über 70.000 Firmen. Unzer ging aus der früheren Heidelpay hervor, die der US-Finanzinvestor KKR 2019 übernommen hatte.

Geschäfte "ungewöhnlich profitabel"

Den Aufsehern fiel außerdem auf, dass die Geschäfte von Unzer zwischen 2018 und 2021 "ungewöhnlich profitabel" gewesen seien, woraus ein sehr hohes Risiko für kriminelle Geldwäscheaktivitäten resultierte. Nun darf Unzer bis zur Behebung der Mängel keine Neukunden aufnehmen. Der Sonderbeauftragte wird der Bafin über die Umsetzung der Forderungen berichten.

Die von der Bafin festgestellten gravierenden Mängel bezögen sich insbesondere auf ein Produkt, das bereits im Juni 2021 gestoppt worden sei, teilte Unzer in einer Stellungnahme mit. Zuvor und auch im Zuge der Prüfung habe sich Unzer von einer kleineren Zahl von Kunden getrennt, bei denen festgestellt worden sei, dass sie die Anforderungen in Sachen Compliance und Risikoprävention nicht erfüllten.

dri/Reuters
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