Italiens Großbank stärkt Kapital in Polen Unicredit bekommt Milliarden für polnische Bank

Tafelsilber verkauft: Die Bank Pekao zählt zu den Ertragsbringern für Unicredit

Tafelsilber verkauft: Die Bank Pekao zählt zu den Ertragsbringern für Unicredit

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Die angeschlagene italienische Großbank Unicredit verschafft sich durch den Verkauf eines großen Teils der polnischen Bank Pekao finanzielle Luft. Für 10,6 Milliarden Zloty (2,4 Milliarden Euro) trennen sich die Italiener von weiteren 32,8 Prozent, wie die beiden Banken am Donnerstag mitteilten. Die Anteile gehen an den staatlich kontrollierten polnischen Versicherer PZU und den Entwicklungsfonds PFR des Landes. Damit sinkt die verbliebene Unicredit-Beteiligung an Pekao auf 7,3 Prozent. Dieser Anteil soll in Kürze über die Börse in Warschau abgestoßen werden.

Durch den nun vereinbarten Anteilsverkauf rechnet Unicredit  mit einem Anstieg der harten Kernkapitalquote - einem wichtigen Gradmesser für die Stabilität einer Bank - um 0,55 Prozentpunkte. Für weitere rund 142 Millionen Euro trennte sich Unicredit zudem von Beteiligungen an drei polnischen Vermögensverwaltern. Damit schafft Vorstandschef Jean Pierre Mustier weitere Fakten, bevor er in der kommenden Woche seine genaue Strategie vorstellt und vermutlich eine bis zu 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ankündigt.

Der Franzose hatte am Montag betont, sich nicht von der politischen Unsicherheit in Italien nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum bremsen lassen zu wollen. Unicredit-Aktien verloren am Mittwochvormittag an der Mailänder Börse gut 0,5 Prozent an Wert. Seit Wochenbeginn haben die Papiere in einer wahren Rally aber immer noch mehr als ein Fünftel zugelegt. Damit wird Unicredit an der Börse wieder mit gut 15 Milliarden Euro bewertet. Dennoch bleiben die Papiere mit einem Jahresverlust von mehr als 50 Prozent einer schwächsten europäischen Banktitel.

Seit Mustiers Amtsantritt im Juli hat die Verbesserung der Kapitalpuffer für die Bank oberste Priorität. Damit will der Manager das Institut für die erwarteten schmerzhaften Aufräumarbeiten stärken. Unicredit sitzt auf einem Berg fauler Kredite, den die Bank nur mit Verlusten schnell abbauen kann.

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Bereits im Juli hatte sich die Unicredit von 10 Prozent der Pekao-Aktien getrennt und zudem Anteile an der Onlinebank Fineco zu Geld gemacht. Das hatte geholfen, die Eigenkapitalquote bereits im dritten Quartal um 0,5 Prozentpunkte auf 10,8 Prozent zu verbessern.

Kurz vor einem Verkauf steht auch die Fondstochter Pioneer. Am Montag bestätigte Unicredit, in exklusive Verhandlungen mit dem französischen Vermögensverwalter Amundi eingetreten zu sein. Der Preis wird auf bis 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Unicredit hatte sich 1999 auf dem Höhepunkt der Privatisierungswelle in Polen zusammen mit der Allianz  gut 50 Prozent der Anteile an Pekao gesichert. Bis heute hat sich der Aktienkurs des Instituts mehr als verdoppelt. Die aktuelle national-konservative Regierung in Warschau versucht aber inzwischen, das Rad zurückzudrehen und will die Bankenbranche wieder stärker in polnischen Besitz bringen.

Das nun vereinbarte Pekao-Geschäft enthält dabei eine Klausel, die für Unicredit noch teuer werden könnte. Für drei Jahre haften die Italiener noch für Belastungen, die sich aus möglichen neuen regulatorischen Vorgaben ergeben könnten. Dabei geht es etwa um das Risiko von in Polen ausgegeben Krediten in Schweizer Franken. Damit sind viele Privatleute ein teures Fremdwährungsrisiko eingegangen.

Der geplante Verkauf des Kerngeschäfts der zur österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) gehörenden Raiffeisen Bank Polska an die polnische Alior Bank ist derweil geplatzt. Beide Institute hätten sich nicht auf den Verkauf geeinigt und die Verhandlungen beendet, gab die RBI in einer Börsenpflichtmitteilung am Mittwochabend bekannt.

Der geplante Verkauf sei Teil des im Februar 2015 bekanntgegebenen Transformationsprogramms zur Stärkung der Kapitalquoten gewesen, teilte die RBI weiter mit. Angesichts bereits umgesetzter Maßnahmen und unter Berücksichtigung des Gewinns im dritten Quartal gehe die RBI davon aus, das Ziel der Kapitalquoten auch ohne weitere Sondermaßnahmen zu erreichen.

Zu den bedeutenden Auslandsbanken, die an ihrem Polen-Geschäft festhalten, zählt die Commerzbank . Deren polnische Tochter mBank ist nicht nur die einzige aus der Sanierung verbliebene nennenswerte Auslandspräsenz, sie dient auch als Showcase für die digitale Transformation des Konzerns.

ak/dpa-afx/reuters