Samstag, 14. Dezember 2019

Vom Fallschirmjäger zum Bank-CEO Unicredit-Sanierer Mustier - Traum aller Bankaktionäre

"Ich stehe auf Disziplin und kompromisslose Ausführung": Unicredit-CEO Jean Pierre Mustier bringt die Bank auf Vordermann.

Fallschirmjäger - kaum ein Job steht so sehr für Härte, Disziplin und Durchsetzungsvermögen wie dieser. Jean Pierre Mustier, der Chef der italienischen Großbank Unicredit Börsen-Chart zeigen, war mal ein solcher Fallschirmjäger - die genannten Eigenschaften hat er offenbar in sein heutiges Berufsleben mitgenommen.

Seit gut drei Jahren verantwortet Mustier die Geschicke der italienischen Bank, besser gesagt: Er bringt das Geldhaus wieder auf Vordermann. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt präsentierte er im Dezember 2016 seinen Sanierungsplan, der im Wesentlichen aus reihenweise drastischen Einschnitten bestand: Beteiligungsverkäufe, Stellenabbau, Filialschließungen sowie die Trennung von faulen Krediten, die sich zu jener Zeit im hohen zweistelligen Milliardenvolumen in den Büchern der angeschlagenen Bank befanden.

Er "stehe auf Disziplin und kompromisslose Ausführung", wurde Mustier seinerzeit in Medien zitiert. Und daran hält er sich: Entschlossen und diszipliniert setzt der Franzose sein Vorhaben um. Ganz der Fallschirmjäger eben.

Geholfen haben dürfte auch die Kapitalerhöhung um 13 Milliarden Euro, die Mustier gleich zu Beginn seiner Amtszeit durchdrücken konnte. Medien zufolge war es die größte Transaktion dieser Art in der italienischen Wirtschaftsgeschichte, durch die der Unicredit-CEO zugleich seine Macht gegenüber zuvor einflussreichen Anteilseignern stärkte.

14.000 Mitarbeiter weg, 1000 Filialen weniger

Drei Jahre später ist Unicredit mit dem Finanzkonzern von einst kaum noch zu vergleichen: 14.000 Mitarbeiter mussten gehen - viele davon auch bei der Unicredit-Tochter HVB in Deutschland -, beinahe 1000 Filialen wurden geschlossen. Verschiedene Konzernteile wie den Vermögensverwalter Pioneer, der zum französischen Konkurrenten Armundi wechselte, oder die Online-Tochter Fineco stieß Mustier ab.

Zuletzt wurde in dieser Woche publik, dass Unicredit auch seinen Anteil an der türkischen Bank Yapi Kredi reduziert. Die Kosten sanken bei der italienischen Großbank im Zuge des gesamten Prozesses Berichten zufolge um 1,7 Milliarden Euro.

Der Erfolg von Mustiers Maßnahmen lässt sich auch am Aktienkurs des Unternehmens ablesen. Seit Dezember 2016, als der Franzose seine Pläne kundtat, hat das Unicredit-Papier um rund 25 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Mit der Aktie der Commerzbank Börsen-Chart zeigen ging es im gleichen Zeitraum um 25 Prozent abwärts, mit jener der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen sogar um 50 Prozent.

Kein Wunder: Ein konsequenter Sanierer an der Spitze - davon können die Aktionäre hiesiger Großbanken nur träumen. Während Mustier bei Unicredit längst Erfolg an Erfolg reihte, mühte sich beispielsweise bei der Deutschen Bank ein CEO namens John Cryan einen Großteil seiner Amtszeit weitgehend vergeblich ab, die vielen Baustellen des Unternehmens in den Griff zu bekommen. Die Grundsanierung der Deutschen Bank, wie sie Mustier für Unicredit bereits 2016 in Angriff nahm, verkündete der aktuelle Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing schließlich erst im Sommer dieses Jahres. Und ob sie gelingen wird, ist längst noch nicht ausgemacht.

Auch die Commerzbank ging ihren Konzernumbau bislang offenbar nicht entschlossen genug an. Gerade erst fielen einer strategischen Neuausrichtung beinahe 10.000 Stellen zum Opfer, da verkündet CEO Martin Zielke schon den nächsten Plan: Im Rahmen von "Commerzbank 5.0" sollen weitere 4300 Jobs bei der Bank wegfallen.

Gleichzeitig rückt das Management der Commerzbank nach und nach von immer mehr Zielgrößen ab. Zuletzt nahm Zielke vor wenigen Wochen das Gewinnziel für 2019 zurück: Statt eines steigenden Jahresüberschusses sei nun ein sinkender zu erwarten, so der Commerzbank-Chef Anfang November.

Ganz anders Unicredit-Sanierer Mustier. Er verkündete Anfang November einen Anstieg des Quartalsgewinns exklusive Sondereffekte um ein Viertel und bekräftigte seine Ziele für das Gesamtjahr.

Auch die weiteren Einschnitte, die die Bank am heutigen Dienstag bekanntgab, dürften die Unicredit-Aktionäre kaum irritieren. Im Gegenteil: Mit weiteren Stellenstreichungen und Filialschließungen will der CEO die Kosten weiter drücken und den Gewinn erhöhen. Den Anteilseignern der Bank stellt er höhere Dividenden und Aktienrückkäufe in Aussicht, was diese offenbar begrüßen: Die Aktie von Unicredit notiert am frühen Dienstagnachmittag mit beinahe 2 Prozent im Plus.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Mustier weiß offenbar, dass die Unicredit-Investoren im Grunde noch unzufrieden sind. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete kürzlich sogar von Frust unter den Anteilseignern angesichts eines noch immer nicht zufriedenstellenden Börsenwerts der Bank. Ein Problem, das Ex-Fallschirmjäger Mustier offenbar weiterhin angehen will - so entschlossen, wie man es von ihm gewohnt ist.

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