Freitag, 28. Februar 2020

Franzose vor Aufstieg bei italienischer Großbank Investmentbanker wird neuer Chef von UniCredit

Neuer UniCredit-Chef? Jean-Pierre Mustier.

Der Franzose Jean-Pierre Mustier wird neuer Chef der italienischen Großbank UniCredit. Der Verwaltungsrat habe sich bei einem Sondertreffen am Donnerstag auf den Investmentbanker festgelegt, teilte Unicredit am Nachmittag mit und bestätigte damit entsprechende Informationen von manager-magazin.de.

Der 55-Jährige soll seinen Job am 12. Juli antreten und damit Nachfolger des zurückgetretenen Federico Ghizzoni werden. Dieser war bei Aktionären in Ungnade gefallen wegen der schwachen Aktienkursentwicklung und der angespannten Kapitalausstattung der HypoVereinsbank-Mutter aus Mailand. Mustier, der früher das Investmentbanking von UniCredit und der Société Generale leitete, galt zuletzt als Favorit. Im Rennen waren auch der frühere Intesa-Sanpaolo -Chef Corrado Passera, UBI-Banca-Chef Victor Massiah, der Italien-Chef der Deutschen Bank, Flavio Valeri, und der Italien-Chef von Credit Agricole, Giampiero Maioli.

Die offizielle Genehmigung der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Führung der Bank hat Mustier noch nicht, sie sei aber beantragt, teilte Unicredit in der Mitteilung vom Donnerstag mit. Gerade bei kurzfristigen Personalentscheidungen ist es üblich, die EZB erst informell zu fragen und nicht den gesamten Prozess abzuwarten. Die EBZ als oberste Bankenaufseherin muss ihr Plazet bei der Berufung von Spitzenpersonal bei Großbanken geben.

Für den Franzosen ist es ein erstaunliches Comeback. Derzeit ist er Partner bei der vergleichsweise kleinen türkischen Fondsgesellschaft Tikehau Capital. In seine Zeit an der Spitze des Investmentbankings der französischen Societe Generale fiel der Handelsskandal um Jerome Kerviel, der zu Verlusten in Höhe von 4,9 Milliarden Euro führte. Später warf die Finanzaufsicht in seinem Heimatland Mustier Insiderhandel vor. Er wurde in diesem Zusammenhang zu einer Strafe von 100.000 Euro verurteilt. Mustier hatte stets seine Unschuld beteuert.

Bei der UniCredit muss er wieder für Vertrauen sorgen. Die italienischen Banken sitzen zusammen auf faulen Krediten von 360 Milliarden Euro, ein Drittel aller problembehafteten Darlehen in der Euro-Zone. Außerdem ist der UniCredit-Aktienkurs nach dem Ghizzoni-Rücktritt noch einmal um fast 40 Prozent eingebrochen.

Wichtigste Gewinnquelle der Italiener ist die deutsche Tochter HypoVereinsbank mit Sitz in München, die von dem selbstbewussten Ex-Goldman-Sachs-Partner Theodor Weimer geführt wird. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Insider, Mustier wolle die HVB trotz der angespannten Finanzlage der Mutter im Konzern halten. Er werde vielmehr die Online-Bank Fineco, die polnische Tochter Pekao und die Fondsgesellschaft Pioneer auf den Prüfstand stellen. Hier seien Verkäufe denkbar. Eine Trennung vom türkischen Geschäft werde wohl keine Priorität haben. Mustier plane, die Kernkapitalquote - ein Zeichen der finanziellen Stärke von Banken - um zwei Punkte auf 12,5 Prozent zu erhöhen.

Reuters, soc

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