Sonntag, 21. April 2019

Sonderdividende an kranke Mutter HVB muss Unicredit drei Milliarden Euro zahlen

HVB: Drei Milliarden Euro für die Mutter

Deutsche Aufsichtsbehörden schlagen Alarm. Die italienische Bank Unicredit bereitet eine 13 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung vor - und zieht von ihrer Tochter HVB drei Milliarden Euro ab.

Die kriselnde italienische Großbank Unicredit greift in die Taschen ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB). Das Mailänder Institut zieht im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro aus München ab, teilte UniCredit am Montag mit.

Die deutschen Aufsichtsbehörden sehen mit Sorge, dass die HVB durch den Mittelabfluss geschwächt wird, wie ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte. "Wir sind nicht erfreut." Parallel erhöht die Europäische Zentralbank den Druck auf die größte italienische Bank, die aktuell an einer 13 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung arbeitet.

Bis Ende Februar muss Unicredit der EZB einen Plan für den Abbau fauler Kredite vorlegen, wie das Geldhaus einräumte. Die Kapitalquote der Bank sei wegen hoher Abschreibungen Ende 2016 auf rund 8 Prozent gefallen. Damit unterschreitet das Institut die individuellen Kapitalvorgaben der EZB (SREP-Quote) um etwa 2 Prozentpunkte, was die Aufsicht jedoch zeitweise akzeptieren will.

Anleger reagierten verschnupft: Aktien der UniCredit brachen am Montag in der Spitze um mehr als 5 Prozent ein.

1500 Jobs sollen allein bei der HVB wegfallen

Unicredit leidet seit Jahren unter der Wirtschaftsflaute in Italien. Der neue Vorstandschef Jean Pierre Mustier will deshalb mit der größten Kapitalerhöhung in der Wirtschaftsgeschichte des Landes die Löcher in der Bilanz stopfen und den Abbau fauler Kredite finanzieren. Zudem sollen weitere 6500 Stellen gestrichen werden, davon rund 1500 bei der HVB. Der Umbau führte im vierten Quartal zu Abschreibungen von 12,2 Milliarden Euro.

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Die Mailänder haben die HVB 2005 geschluckt und hadern seit Jahren damit, dass sie nicht frei über das Kapital der deutschen Tochter verfügen können. Das war maßgeblich auf den Widerstand der deutschen Bankenaufsicht zurückzuführen, deren Haltung manche UniCredit-Manager als provinziell empfanden. Als die EZB im November 2014 die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone übernahm, wurden die Karten jedoch neu gemischt.

Viele Experten haben erwartet, dass ausländische Banken wie Unicredit und ING unter EZB-Aufsicht einfacher Kapital von ihren deutschen Töchtern abziehen können, schließlich hat die EZB vor allem die Kapitalausstattung im Konzern im Blick. "Das bewahrheitet sich jetzt", sagt ein deutscher Bankenaufseher.

Die harte Kernkapitalquote der HVB, die durch die Sonderdividende Insidern zufolge von 24 auf rund 19 Prozent fallen wird, bleibe zwar trotz des Abflusses nach Italien überdurchschnittlich. "Aber natürlich hätten wir es lieber gesehen, wenn das Kapital in Deutschland verbleibt." Die Bafin, die Bundesbank und die EZB wollten sich nicht äußern.

Müssen im Ernstfall doch wieder die Nationalstaaten einspringen?

Der Grund für die deutsche Skepsis sind Erfahrungen aus der Finanzkrise. Damals mussten alle Privatbanken einspringen, als die Deutschland-Tochter von Lehman Brothers von ihrer amerikanischen Mutter mit in den Abgrund gezogen wurde. "Globale Banken sind zu Lebzeiten global, aber beim Sterben national", konstatierte seinerzeit Mervyn King, der ehemalige Chef der Bank of England.

Mittlerweile gibt es in Europa zwar einheitliche Regeln zum Umgang mit Krisenbanken samt einem Abwicklungsfonds. Allerdings haben selbst einige Bankenaufseher Zweifel, dass dieser Fonds ausreicht, falls eine Großbank ins Wanken gerät. Experten glauben vielmehr, dass im Ernstfall - wie bei der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena - doch wieder Nationalstaaten einspringen werden.

Unicredit hatte den Kapitalabzug aus Deutschland bereits im Dezember auf einer Investorenkonferenz angekündigt - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Nun erklärte das Institut in den Unterlagen für seine Kapitalerhöhung, dass es von seinen Tochtergesellschaften - dazu gehört neben der HVB auch die österreichische Bank Austria - im laufenden Jahr Kapitalspritzen von 4,1 Milliarden Euro erwartet. 2019 sollen weitere 1,7 Milliarden Euro fließen - der Großteil davon erneut aus München.

Reuters

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