Sonntag, 21. April 2019

Rekordverlust 2016 Unicredit muss 12 Milliarden Euro Verlust verkraften

Der Franzose Jean Pierre Mustier (Bild Archiv) will mit der bislang größten Kapitalerhöhung in der Wirtschaftsgeschichte die Unicredit wieder in die Spur führen

Milliardenschwere Abschreibungen werden der Unicredit für das vergangene Jahr nach ersten Berechnungen einen historisch hohen Verlust einbrocken. Unter dem Strich werde ein Minus von rund 12 Milliarden Euro stehen.

Die italienische Großbrank Unicredit hatte bereits im Dezember eine Reihe von Belastungen bekannt gegeben, die das Nettoergebnis schmälern werden. Zu den damals angekündigten Sonderaufwendungen in Höhe von 12,2 Milliarden Euro sei nun eine weitere Milliarde hinzu gekommen, teilte die Bank am Dienstag mit. Ohne Sondereffekte hätte die Bank nach eigenen Angaben schwarze Zahlen geschrieben. Ihre Jahresbilanz will die Bank am 9. Februar vorlegen.

Die Großbank ächzt angesichts der Wirtschaftsschwäche in Italien unter einem Berg fauler Kredite und will sich über mit die bislang größte Kapitalerhöhung in der Wirtschaftsgeschichte des Landes 13 Milliarden Euro an frischem Geld besorgen.

Die 2005 übernommene Hypovereinsbank (HVB) gilt dagegen als vergleichsweise gut kapitalisiert. Die "starke Kapital- und Liquiditätsausstattung" der Hypovereinsbank werde erhalten bleiben, versicherten die Italiener. Um wieder in die Spur zu kommen, greift Unicredit gleichwohl auch bei HVB zu. Die Mailänder ziehen im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro aus München ab. Dazu kommt noch der Gewinn aus dem vergangenen Jahr, der im Juni ebenfalls voll an die Mutter ausgeschüttet wird.

Die Unicredit versucht mit einem Konzernumbau, wieder auf die Beine zu kommen. 6500 Stellen fallen in der neuesten Sparrunde weg, davon alleine 1500 bei der Hypovereinsbank. Bereits Ende 2015 hatten die Münchner den Abbau von 1200 Jobs angekündigt. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier verkauft darüber hinaus Tochtergesellschaften und Beteiligungen, um Geld in die Kasse zu bekommen.

Kreisen zufolge verlangt die Europäische Zentralbank (EZB) von bestimmten Banken Klarheit darüber, wie sie mit ihren faulen Krediten fertig werden wollen. Die angefragten Institute seien dazu aufgefordert worden, ihre Pläne zum Abbau von Problemkrediten bis Ende Februar einzureichen, sagte eine eingeweihte Person am Montag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Dabei gehe es nicht um genaue Summen, sondern um eine grundlegende Strategie. Zuvor hatte Unicredit mitgeteilt, eine entsprechende Anfrage der EZB erhalten zu haben.

dpa-afx/Reuters

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