Unerlaubte Absprachen JPMorgan verbannt Händler aus Chatrooms

Chatten verboten: JPMorgan untersagt seinen Händlern virtuelle Unterhaltungen. Laut einem Insider liegt das nicht nur an den Skandalen um Zinsmanipulation - sondern vor allem an "unpassenden Äußerungen".
New Yorker JPMorgan-Zentrale: Chatrooms gesperrt

New Yorker JPMorgan-Zentrale: Chatrooms gesperrt

Foto: AP/dpa

London - Mit JPMorgan Chase verbietet nach Angaben eines Insiders nun auch die größte US-Bank ihren Händlern in Folge der Manipulationsskandale die Nutzung von Chatrooms. Die Angestellten dürfen die virtuellen Treffpunkte auch nicht mehr für soziale Zwecke nutzen, erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Das Verbot betreffe Chatrooms mit mehr als zwei Teilnehmern und werde noch in dieser Woche in Kraft treten. Der bilaterale Austausch zwischen JPMorgan-Händlern mit Kollegen anderer Banken werde ebenfalls überprüft, hieß es weiter. JPMorgan lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Die Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden, die weltweit dem Verdacht von Manipulationen wichtiger Indizes und Referenzkurse durch eine Vielzahl von Banken nachgehen. Die Branchenaufseher durchforsten Tausende dieser Kurz-Botschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren sie schon Ungereimtheiten bei der Ermittlung des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen. Allein der Libor-Skandal hat die Branche bereits Milliarden von Dollar an Strafzahlungen gekostet.

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Das Verbot der Chatrooms bei JPMorgan habe jedoch nicht direkt mit den Ermittlungen der Behörden wegen des Verdachts von Devisen-Manipulationen zu tun, erklärte der Insider. Vielmehr werde die Nutzung bereits seit Anfang des Jahres überprüft und nicht erst seit Beginn der Ermittlungen im Juni. "Hier ging es immer um mehr als um Devisen", erklärte der Insider. Die informelle Atmosphäre der Chatrooms erhöhe ganz allgemein die Gefahr, dass sich Angestellte "unpassend" äußerten.

Andere Banken hatten zuletzt ähnliche Schritte unternommen. So gab erst Anfang des Monats die Deutsche Bank  bekannt, die Nutzung von Multi-Party-Chatrooms im Devisenhandel zu untersagen. Nach Reuters-Informationen haben auch die zusammen mit der Deutschen Bank im Devisenhandel weltweit führende US-Investmentbank Citigroup , die britische Barclays  und die UBS  Internet-Chats verboten.

ts/rtr
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