Dienstag, 23. Juli 2019

Umbau der Deutschen Bank Ein guter Plan in schlechter Zeit

Deutsche Bank Chef Christian Sewing: Weg von den Kraftprotzen der Wall Street, hin zu den Unternehmenskunden

Mit dem Umbau, den Christian Sewing der Deutschen Bank verordnet, wird das Institut schlanker und einfacher. Ein Problem bleibt: Wie wachsen in Zeiten, in denen neue Konkurrenz ins Transaktionsbankgeschäft drängt, das der Bankchef in den Mittelpunkt stellt?

Gut 15 Monate Anlauf hat Christian Sewing gebraucht, um mit seinem großen Plan zur Rettung der Deutschen Bank loszulegen. Den hatte er schon seit seinem Antritt als Chef des Kriseninstituts im April 2018 in der Schublade - zumindest in groben Zügen. Am Sonntag hat er ihn dem Aufsichtsrat vorgestellt.

Sewing läutet damit eine neue Ära für die Traditionsbank ein. Schluss mit dem teuren Traum, mit den Kraftprotzen der Wall Street mithalten zu können. Das Investmentbankgeschäft, das in Teilen schon länger kein Geld verdient und dem Institut die Luft zum Atmen nimmt, wird zusammengestutzt. Schluss mit dem Eigenleben dieser Sparte, die jahrzehntelang ohne wirksame Kontrolle aus Frankfurt semi-autonom agieren konnte.

Sewing übernimmt jetzt parallel zur seiner CEO-Funktion die Leitung des Investmentbanking und macht den Umbau dort zur Chefsache. Schluss mit der Intransparenz. Sewing strukturiert die Geschäftsbereiche neu, so dass klarer wird, wo die Bank Geld verdient und wo die Zahlen rosa bis tiefrot sind.

Das Geldhaus wird schlanker, einfacher und um seinen Größenwahn ärmer

Mit diesem Plan kann er das Problem Nummer eins der Bank zu lösen: die hohen Kosten. Nach der Komplettsanierung wird das Geldhaus, das vor der Krise zeitweise die weltweit größte Bank war, schlanker, einfacher und um seinen Größenwahn ärmer.

Problem Nummer zwei könnte der Bank dagegen noch länger erhalten bleiben: die Wachstumsschwäche. Dass das Institut kontinuierlich schrumpft, ist mit dem Umbau nicht automatisch behoben. Es dürfte sich sogar zunächst noch beschleunigen.

Worauf es Sewing jetzt ankommt

Um das Problem in Angriff zu nehmen, stellt Sewing das Transaktionsbankgeschäft in den Mittelpunkt. Es kümmert sich um Produkte und Services, die Finanzabteilungen von Unternehmen brauchen - wie Zahlungsverkehr, Liquiditätsmanagement und Handelsfinanzierung. Sewing besinnt sich auf alte Stärken der Bank, die 1870 gegründet wurde, um die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und anderen Teilen der Welt zu fördern. Er gibt der taumelnden Bank wieder eine Richtung - weg von institutionellen Kunden wie Hedgefonds und Assetmanagern, hin zu Unternehmenskunden.

Der Plan hat allerdings einen großen Haken: Schlagkräftige und finanzstarke Banken wie Goldman Sachs drängen ins Transaktionsgeschäft. Blockchain, die Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin, dürfte das Geschäft umwälzen und den Kuchen für Banken verkleinern, wenn sich auch noch Technologiefirmen in dem Markt breit machen.

Sewings Umbau kommt daher zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, zumal sich die Konjunkturaussichten derzeit im Wochentakt verdüstern.

Mittelständler werden der "Unternehmensbank" zugeschlagen

Der Transaktionsbank werden künftig auch die kleineren und mittelständischen Firmen zugeschlagen, die derzeit noch Teil der Privat- und Firmenkundensparte sind. Das Ganze heißt das Unternehmensbank - eine Art One-Stop-Shop für alle Bedürfnisse von Unternehmen. Das setzt Investitionen voraus, vor allem in Technologie. Und da kommt das nächste Problem ins Spiel: Schon in der Vergangenheit hatte die Bank nicht genug Geld, um das Transaktionsbankgeschäft rasch schlagkräftiger zu machen. Angesichts einer Sanierung, die Milliarden verschlingt, wird das ein enormer Kraftakt.

18.000 Stellen weg, 7,4 Milliarden Euro Kosten - und eine Bad Bank

Der grundlegende Umbau wird die Deutsche Bank bereits 7,4 Milliarden Euro bis Ende 2022 kosten und 18 000 Stellen. Damit wird die Zahl der Mitarbeiter auf 74 000 sinken. Die jährlichen Ausgaben von zuletzt 22,8 Milliarden Euro sollen in diesem Zeitraum auf 17 Milliarden Euro sinken. Um das zu erreichen, setzt Sewing tiefe Schnitte. Risikogewichtete Aktiva im Umfang von 74 der insgesamt 347 Milliarden Euro will er abbauen. Er schließt in der Investmentbanksparte eine große Einheit: das Aktienhandelsgeschäft. Der Handel mit Anleihen wird verkleinert.

Das ist der wohl größte Unterschied zu den vorangegangenen Versuchen, die Bank zukunftsfest zu machen. Abteilungen wurden zwar immer wieder hier und da zurechtgestutzt. Was blieb, waren aber die hohen Kosten für den Betrieb der IT-Infrastruktur, die unabhängig von der Größe eines Teams aufrechterhalten werden muss. Macht man dagegen ganze Bereiche dicht, kann auch die dazugehörige IT abgeschaltet werden.

Der Abbau risikogewichteter Aktiva, die mit Eigenkapital unterlegt sind, setzt zudem Geld frei, um die Sanierung zu finanzieren. Hinzu kommt: Der Bankchef will die harte Eigenkapitalquote von derzeit 13,7 Prozent - im Branchenvergleich ist das recht üppig -absenken. Mindestens 12,5 Prozent sollen es künftig sein.

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In den vergangenen Jahren kürzte die Deutsche Bank weniger als Analysten, Regulierer und auch einige Investoren gefordert haben. Stets war noch die Hoffnung war, im nächsten Aufschwung vor allem im Handelsgeschäft wieder Marktanteile zu ergattern und sich zu erholen.

Auch Sewing ist eher verhalten gestartet und hat radikale Einschnitte erstmal zurückgestellt. Das ändert er jetzt. Es ist nicht zu wenig, was er sich vorgenommen, aber es kommt spät. Hoffentlich nicht zu spät.

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