UBS-Chef Ermotti Zum Abschied der höchste Gewinn seit fünf Jahren

Sergio Ermotti kann zu seinem Abschied von der UBS glänzende Zahlen präsentieren: Das Geschäft mit vermögenden Kunden bescherte der Schweizer Bank den höchsten Gewinn in einem dritten Quartal seit fünf Jahren.
UBS-Chef Ermotti: Der 60-Jährige übergibt den Chefposten am 1. November an Ralph Hamers

UBS-Chef Ermotti: Der 60-Jährige übergibt den Chefposten am 1. November an Ralph Hamers

Foto: The Image Gate/ Getty Images

Konzernchef Sergio Ermotti (60) verabschiedet sich nach neun Jahren mit einem Gewinnsprung von der UBS. Die größte Schweizer Bank verdoppelte den Überschuss im dritten Quartal 2020 auf 2,1 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) - das ist der höchste Wert in einem dritten Quartal seit fünf Jahren und doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Analysten hatten gemäß einer Umfrage der Bank selbst mit einem Gewinn von 1,56 Milliarden gerechnet.

Ein Erlös aus dem Verkauf der Fondsvertriebsplattform Fondscenter an die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream blähte das Ergebnis auf. Die Trennung vom geistigen Eigentum an der Bloomberg-Commodity-Index-Familie spülte zusätzliches Geld in die Kasse. Insgesamt brachte der Verkauf der beiden Geschäftsteile der Bank vor Steuern fast 850 Millionen Dollar Gewinn ein. Aber auch im Tagesgeschäft lief es besser als erwartet, vor allem weil viele Kunden weiterhin sehr aktiv waren und der Bank damit Kommissionsgebühren bescherten.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die UBS-Aktie legte am Morgen in Zürich um 2,24 Prozent auf 11,18 Franken zu und war damit Spitzenreiter im Schweizer Leitindex SMI. Damit liegt ihr Kurs aber immer noch fast 9 Prozent niedriger als zum Jahreswechsel. In den vergangenen drei Jahren hat die Aktie rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 40 Milliarden Franken (37 Milliarden Euro) wird die UBS an der Börse jedoch mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Deutsche Bank .

Nach dem Reigen der US-Institute berichtete die UBS am Dienstag als erste europäische Großbank über das Sommerquartal. Rund lief es vor allem in der Vermögensverwaltung, im Geschäft mit Profi-Anlegern wie Pensionskassen und im Investmentbanking. Einzig im Geschäft mit Schweizer Privat- und Firmenkunden verdiente das Institut weniger als vor einem Jahr. Die Wertberichtigungen gingen im Vergleich zum Vorquartal auf 89 Millionen Dollar zurück. Mit 2,6 Milliarden Dollar schaffte die UBS den höchsten Vorsteuergewinn in einem dritten Quartal seit zehn Jahren.

Mitarbeiter erhalten Sonderbonus

Die UBS will sich mit insgesamt rund 30 Milliaren Dollar bei ihren Mitarbeitern für ihren Einsatz während der Coronavirus-Krise bedanken. Die Angestellten bis zu einer bestimmten Rangstufe erhalten zusätzlich zum Gehalt einen einmaligen Barbetrag in Höhe eines Wochenlohns.

Auch US-Investmentbanken wie Morgan Stanley, JPMorgan und Goldman Sachs hatten im Sommer vom Boom an den Börsen profitiert. Besonders das Geschäft mit Anleihen und Aktien brummte. Auch die Deutsche Bank, die am 28. Oktober ihre Quartalszahlen präsentiert, hat Zuwächse im Investmentbanking in Aussicht gestellt.

Ermotti hinterlässt die Bank wesentlich wetterfester Bank als er sie 2011 vorfand. Das stellte das Institut auch während der Corona-Pandemie unter Beweis. Die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten hinterließ am Geschäft bislang nur Kratzer. Ermotti dampfte in seiner Zeit als Konzernchef das riskante Handelsgeschäft ein und setzte vor allem auf das weniger stark schwankende Geschäft mit Reichen und Superreichen. Von Ermottis Nachfolger Ralph Hamers (54), der am 1. November den Chefposten übernimmt, erwartet Verwaltungsratspräsident Axel Weber (63) nun wieder eine Erneuerung der Bank. Der Niederländer hat sich bei ING vor allem mit der Digitalisierung des Massengeschäfts einen Namen gemacht. Skeptiker geben allerdings zu bedenken, dass ein Umbau des auf persönlichen Beziehungen fußenden Geschäfts mit reichen Privatkunden schwieriger sein dürfte als bei Kleinkunden.

Mit viel Rückenwind vom Markt kann Hamers vorerst nicht rechnen. Der erneute Anstieg der Coronavirus-Fallzahlen und die wachsenden geopolitischen Spannungen könnten die Wachstumsaussichten trüben und die Anlegerstimmung dämpfen, warnte das Institut.

mg/Reuters
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