Schweizer Großbank UBS verfehlt Erwartungen

Es war das beste zweite Quartal seit zehn Jahren, dennoch verfehlt die Schweizer Großbank UBS die Erwartungen. Das Geschäft mit vermögenden Kunden kühlt sich offenbar deutlich ab - Bankaktien verlieren.
Flaute im Investmentbanking: Das Züricher Finanzinstitut UBS

Flaute im Investmentbanking: Das Züricher Finanzinstitut UBS

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Die Schweizer Großbank UBS hat von April bis Juni 2022 den höchsten Gewinn eines zweiten Quartals seit zehn Jahren eingefahren. Mit Rückenwind eines Beteiligungsverkaufs in Japan verbesserte der Weltmarktführer im Geschäft mit Reichen und Superreichen das Ergebnis unter dem Strich um 5 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar, wie die UBS am Dienstag mitteilte.

Der Zwischenbericht, mit dem das Züricher Institut den Ergebnis-Reigen der europäischen Großbanken eröffnet, konnte die Markterwartungen aber nicht ganz erfüllen. Analysten hatten einer von dem Institut selbst erhobenen Umfrage zufolge mit einem Nettogewinn von 2,4 Milliarden Dollar gerechnet. Zum Handelsstart verlor die UBS-Aktie  rund 6 Prozent, auch andere europäische Bankaktien wie die Deutsche Bank  gaben nach.

Nach dem besten Jahresstart seit 2007 kühlte sich das Tagesgeschäft der UBS ab. Das um den Erlös aus dem Verkauf des Immobilien-Gemeinschaftsunternehmens Mitsubishi Corp-UBS Realty und einer weiteren Transaktion von 810 Millionen Dollar bereinigte Vorsteuer-Ergebnis sank deutlich. "Das zweite Quartal war für Anleger eine der schwierigsten Phasen der letzten zehn Jahre", sagte Konzernchef Ralph Hamers (56).

Konzernweit waren die Kosten und die Erträge praktisch unverändert. Im Investmentbanking brach der Vorsteuergewinn um 39 Prozent ein. Vor allem die Beratung von Firmen bei Börsengängen und Übernahmen lahmte. Ein ähnlicher Trend hatte sich bereits bei den US-Großbanken wie Goldman Sachs gezeigt, die neben der Flaute im Investmentbanking auch unter Rückstellungen für Kreditausfälle litten. Die Gefahr einer Rezession dürfte sich auch in den Gewinnzahlen der europäischen Banken zeigen. Die Deutsche Bank veröffentlicht ihre Zahlen zum zweiten Quartal am 27. Juli.

Millionäre und Milliardäre verhalten sich passiv

Auch im UBS-Kerngeschäft Vermögensverwaltung hinterließen Konjunktur- und Inflationssorgen Bremsspuren. Viele Millionäre und Milliardäre hielten die Füße still an statt zu handeln, sodass die Transaktionseinnahmen zurückgingen. Wegen der sinkenden Börsenkurse ließen auch die an die Depots der Kunden gekoppelten Gebühreneinnahmen nach. Immerhin spülten die Zinserhöhungen der US-Notenbank dem Institut mehr Geld in die Kasse, sodass der Vorsteuergewinn der Division insgesamt um elf Prozent sank. Die Kunden trugen netto bescheidene 0,4 Milliarden Dollar an gebührengenerierendem Vermögen zu dem Institut.

Dank des Verkaufserlöses schaffte die Bank eine Eigenkapitalrendite von 18,9 Prozent und übertraf damit das im Februar von Hamers auf 15 bis 18 Prozent angehobene langfristige Zielband erneut. Die UBS setzt sich damit deutlich vom Rivalen Credit Suisse ab. Das krisengeplagte Institut hatte kürzlich den dritten Quartalsverlust in Folge angekündigt. Die Nummer zwei des Landes veröffentlicht den Quartalsabschluss am Mittwoch.

hr/Reuters
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