Rekordgewinn im Corona-Jahr UBS verwaltet so viel Geld wie nie zuvor

Der weltgrößte Vermögensverwalter UBS hat in der Krise im Investmentbanking nicht nur gut verdient, sondern auch viel Neugeld angezogen. Mit 4187 Milliarden Dollar verwaltet die Bank so viel Geld wie nie zuvor.
UBS-Zentrale in Zürich: Die Dividende für das Rekordjahr 2020 soll sinken, der UBS will ihre Aktionäre mit Aktienrückkäufen bei Laune halten

UBS-Zentrale in Zürich: Die Dividende für das Rekordjahr 2020 soll sinken, der UBS will ihre Aktionäre mit Aktienrückkäufen bei Laune halten

Foto: ARND WIEGMANN/ REUTERS

Die Schweizer Großbank UBS hat im vergangenen Jahr dank des Börsenbooms und eines starken vierten Quartals den Gewinn um 54 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar gesteigert. Damit fuhr das Institut das beste Ergebnis seit 2015 ein. Allein im vierten Quartal verdiente die Bank unter dem Strich 1,7 Milliarden US-Dollar - das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal, teilte der Konkurrent der Deutschen Bank am Dienstag mit.

"Unser starkes Ergebnis im Jahr 2020 ist ein deutlicher Beleg für die grundlegende Stärke unserer Marktstellung", erklärte der neue UBS-Chef Ralph Hamers (55). Die Anleger reagierten mit Käufen auf das über den Erwartungen liegende Ergebnis, die Aktie zog 4 Prozent an.

Mit dem ersten Jahresabschluss einer großen europäischen Investmentbank legt das Zürcher Geldhaus die Messlatte hoch. Vor allem der Handel mit Aktien, Anleihen und Währungen brummte. Aber auch im Geschäft mit Profi-Anlegern wie Pensionskassen (Asset Management) verdiente das Bankhaus massiv mehr.

Den größten Beitrag zum Gewinn in 2020 lieferte die weltweite Vermögensverwaltung (Global Wealth Management GWM) mit 4,1 Milliarden Dollar Vorsteuergewinn, gefolgt vom Investmentbanking mit 2,5 Milliarden Dollar und dem Asset Management mit 1,5 Milliarden Dollar Vorsteuergewinn.

Heimatmarkt schwächelt, Gebühreneinnahmen sprudeln

Einzig im Geschäft mit kleineren Schweizer Privat- und Firmenkunden sank das Ergebnis, weil Wertberichtigungen für Kreditrisiken ins Kontor schlugen. Bereits im vergangenen Sommer hatten sich Probleme auf dem Heimatmarkt abgezeichnet. Kürzlich kündigte die UBS an, jede fünfte Filiale in der Schweiz zu schließen.

Insgesamt gehörte die UBS mit ihrem guten Abschneiden in den vergangenen Quartalen zu den Gewinnern der Coronavirus-Krise. Die Pandemie veranlasste viele Kunden, ihre Anlage-Positionen umzuschichten oder neue Mittel aufzunehmen. Das sorgte bei der Bank für kräftige Gebühreneinnahmen. Die UBS sammelte bei den Kunden mehr als 100 Milliarden Dollar an neuen Geldern ein, sodass die verwalteten Vermögen in der Vermögensverwaltung und dem Asset Management auf den Rekordwert von 4187 Milliarden Dollar anschwellten - die Bank verwaltet damit soviel Geld wie nie zuvor.

In den vergangenen Tagen hatten bereits die Wall-Street-Häuser dank Ertragssprüngen in ihren Kapitalmarktsparten geglänzt. So schaffte etwa die mit den Schweizer Großbanken am ehesten vergleichbare Morgan Stanley ein Rekordergebnis. Experten gehen davon aus, dass auch die Deutsche Bank, die vor allem im Anleihehandel eine führende Rolle spielt, die Erträge im Investmentbanking deutlich gesteigert hat. Das größte deutsche Geldhaus legt seine Zahlen Anfang Februar vor.

Weniger Dividende, milliardenschwere Aktienrückkäufe

Die Dividende für das Rekordjahr 2020 soll 37 US-Cent betragen, im Jahr davor waren es in zwei Tranchen insgesamt 73 berichtet zudem die "Neue Züricher Zeitung"  online. In Zukunft will die UBS ihre Aktionäre stärker mit Aktienrückkäufen bei Laune halten. Über drei Jahre sollen eigene Titel im Wert von bis zu vier Milliarden Franken zurückgekauft werden. Citi-Analysten allerdings bezeichneten das Volumen angesichts des sehr starken Ergebnisses im vierten Quartal als "ambitionslos". Für eine grundlegende Änderung der Strategie sahen die Experten keinen Anlass.

Hamers will nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr die Schweizer Großbank agiler machen. "Wir müssen pragmatischer sein und schneller Entscheidungen treffen", sagte Hamers, der das Steuer Anfang November von Sergio Ermotti (60) übernommen hat. Er wolle die UBS einfacher aufstellen. Einzelheiten seines Marschplans für das Institut stellte Hamers für das zweite Quartal in Aussicht.

Hamers will die UBS schneller und wendiger machen

Während seiner sieben Jahre als Chef der niederländischen ING hat sich Hamers vor allem mit der Digitalisierung der Bank einen Namen gemacht. Zudem strich er mehr als 10.000 Jobs. Experten rechnen damit, dass er auch bei seinem neuen Arbeitgeber bei den Kosten ansetzen will. Für einen Manager, der im Kerngeschäft der Vermögensverwaltung kaum Erfahrung hat, sei dies eine Herkules-Aufgabe. Nicht einfacher macht das ein Rechtsfall aus seiner Zeit als ING-Chef. Die niederländische Justiz will einen 2018 beigelegten Geldwäsche-Fall neu aufrollen. ING zahlte zur Beilegung des Falls damals die größte Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte. Doch nun nehmen die Staatsanwälte die Rolle Hamers erneut unter die Lupe.

Zwei Industrievertreter rücken in den Verwaltungsrat

Die UBS will ihren Verwaltungsrat mit zwei Industrievertretern verstärken. Die Chefjuristin des Pharmakonzerns Roche, Claudia Böckstiegel (56), soll von den Aktionären auf der Generalversammlung vom 8. April in das Gremium gewählt werden, teilte die UBS weiter mit. Als zweiter Neuling schlägt die Schweizer Großbank den Präsidenten des Parfüm- und Duftstoffunternehmens Firmenich, Patrick Firmenich, vor. Früheren Angaben zufolge will sich dagegen die Volkswirtin Beatrice Weder di Mauro (55) nach neun Jahren aus dem Verwaltungsrat verabschieden. Angesichts der Covid-19 Pandemie sei sie im vergangenen Jahr verstärkt gebeten worden, internationale Regierungsinstitutionen zu beraten.

rei/Reuters, dpa-afx