Dienstag, 2. Juni 2020

Zum Wechsel an der Spitze der UBS Aus der Not geboren

UBS-Chef Sergio Ermotti verpasste den richtigen Zeitpunkt zum Absprung. Sein designierter Nachfolger ...

ING-Chef Ralph Hamers übernimmt die Führung der UBS - eine verwegene Entscheidung. Schließlich hat der Digitalexperte bisher nicht die Qualitäten an den Tag gelegt, die die Schweizer Bank so dringend braucht. Doch interne Kandidaten überzeugten noch weniger.

Der Mann irrt sich - mal wieder. "Es gibt nie den richtigen Moment, um von seinem Traumjob zurückzutreten", hat Sergio Ermotti (59), langjähriger Chef der UBS, in der Nacht zu Donnerstag in einer Abschiedsmemo an seiner Mitarbeiter geschrieben. Kurz zuvor hatte die Schweizer Großbank verkündet, dass Ralph Hamers (54), Vorstandsvorsitzender der niederländischen ING, Ermotti Ende des Jahres ablösen wird.

Es hätte den richtigen Moment gegeben. Und nicht nur einmal. Spätestens 2018 war unübersehbar, dass bei der UBS unter Ermotti nichts mehr voranging - eine Entwicklung, die Insider schon ab 2016 beobachteten.

Doch der CEO ließ alle Möglichkeiten, sich in Ehren zu verabschieden, verstreichen und Verwaltungsratschef Axel Weber (62) ließ ihn gewähren, bis der Abstieg der Schweizer Bank von der Branchenspitze ins Mittelfeld nicht mehr aufzuhalten war und die überzeugenden internen Kandidaten mit CEO-Potenzial das Weite gesucht haben: Jürg Zeltner, einst oberster Vermögensverwalter der Bank, und Andrea Orcel, der an der Spitze der Investmentbanksparte stand.

Vor wenigen Wochen hat Ermotti das dritte Mal innerhalb von drei Jahren sein Renditeziele zurückgeschraubt und damit die Zeit bis zu seinem Abschied eindeutig verkürzt. Der Druck der Investoren ließ Weber keine andere Wahl, als bei der Suche nach einem neuen CEO ein paar Gänge höher zu schalten.

Jetzt also Ralph Hamers, weil Weber intern nicht fündig wurde. Der als Kronprinz gehandelte Neuzugang Iqbal Khan von der Credit Suisse hat sich noch nicht lange genug im Job bewährt. Und die anderen internen Alternativen? Sie überzeugen schlicht nicht.

Hamers kann Digitalisierung und Kosten drücken ...

... Ralph Hamers bringt keine Expertise in wichtigsten Geschäftsbereichen der UBS mit.

Hamers, der seit 1991 bei der ING gearbeitet hat, zeichnete sich bisher vor allem durch eines aus: Schneller und radikaler als andere im Finanzsektor hat er die Chancen, die die Digitalisierung bietet, zum Teil des ING-Geschäftsmodells gemacht. Der Mann hat Ahnung von Technologie und vom Privatkundengeschäft, einem Schwerpunkt der niederländischen Bank. Das ist unbestritten - ebenso wie seine Fähigkeit, Kosten zu drücken. Das wird er in seinem neuen Job brauchen. Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag lag im vergangenen Jahr bei mehr als 80 Prozent. Eigentlich hatte sich Ermotti mal 77 Prozent vorgenommen - auch das ist im Branchenvergleich nicht gerade ambitioniert.

... im UBS-Kerngeschäft und Investmentbanking fehlt ihm die Erfahrung

Was die Mission Kostensenken noch schwieriger macht ist die Tatsache, dass die Schweizer parallel dazu ihre Strategie im Kerngeschäft Vermögensverwaltung deutlich nachjustieren müssen. Denn dieser Bereich kämpft mit Abflüssen. Und sie müssen der Investmentbanksparte eine Richtung geben - zuletzt ist der Gewinn dort massiv eingebrochen. Zwei Geschäftsbereiche, in denen Hamers bisher keine Erfahrung gesammelt hat. Kein Wunder, dass der Aktienkurs eher verhalten auf seine Ernennung reagierte.

Im November soll die Stabübergabe bei der UBS über die Bühne gehen - acht Monate, in denen Hamers sich eine Strategie überlegen, ein neues Team zusammenstellen kann und die Schweizer Bank unter Ermotti weiter richtungslos vor sich hindümpelt. Selbst am Ende seines Amtszeit hat der CEO nicht den Mut, einen schnellen Schlussstrich zu ziehen und das Elend bei der UBS zu beenden.

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